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Probleme mit dem IC2 Bahn gewöhnt Doppelstock-Intercitys das Wanken ab

Doppelstock-Intercity
Doppelstock-Intercity fahren seit einem Jahr in Norddeutschland. Nach dem Start der Züge hatten sich Beschwerden gehäuft, dass sie auf frisch geschliffenen Schienen teils unangenehm hin- und herschwanken.
© Julian Stratenschulte/DPA
Mit einem unbequemen Wanken fiel der neue Doppelstock-IC gleich zum Start vor einem Jahr auf. Mit einer Anpassung des Fahrwerks behebt die Bahn derzeit das Problem. Der kompakte und kostengünstige Zug soll helfen, wieder mehr Regionen ans IC-Netz anzuschließen.

Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger: Als der neue Intercity 2 vor einem Jahr an den Start ging, gab es prompt Klagen von Reisenden über ein unbequemes Wanken des Doppelstock-Zuges. Gleich mussten Bahn und Hersteller über Anpassungen an dem IC grübeln, der bis zu 40 Jahre alte Waggons ablösen und einen Modernisierungsschub aufs Gleis bringen sollte. Bis Februar sollen nun alle Züge umgerüstet und das Wanken behoben sein. Befragungen zeigen, dass der Zug bei den Reisenden ansonsten gut ankommt. Das ist wichtig, denn die Bahn setzt bei ihrer Offensive zum Ausbau des Fernverkehrs auch auf den IC2.

Zwar wurde der neue Zug ausführlich getestet, ehe er an den Start ging. Da das Wanken aber nur auf 0,2 Prozent der Einsatzstrecke auftrete, und dies nicht bei jeder Witterung, sei es schlicht nicht aufgefallen, erläutert DB-Produktmanager Mathias Semrau. Selbst bei der S-Bahn Dresden wurde das neue Fahrwerk des Zuges testweise eingesetzt - Probleme gab es nicht. Zwar stelle das Wanken, das auf dem längsten Abschnitt eine Minute andauert, kein Sicherheitsproblem dar, erklärt Semrau. "Als wir die ängstlichen Blicke mancher Reisenden sahen, war aber klar, das muss man abstellen." Die Techniker begannen zu tüfteln.

Andere Federung der IC-Züge

Eine leicht veränderte Lauffläche der Räder ist nun die Lösung. Bei 7 von 24 Zügen ist bereits ein neues Radprofil aufgedreht worden. Bis Ende 2017 soll die Federung der Züge außerdem neu eingestellt werden, um den Komfort zu erhöhen. Wie der Hersteller Bombardier mitteilte, wurden die Veränderungen an den Rädern mit Erfolg an zwei Zügen getestet. Ab Frühjahr 2017 werden bei den turnusgemäßen Werkstattstopps der Züge auch die Dämpfer der Federung angepasst. Zuvor war auf einem besonders betroffenen Abschnitt zwischen Leipzig und Halle vorübergehend das Tempo der Züge reduziert worden.

Die Deutsche Bahn hat die Premiere des neuen ICE gefeiert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete das Modell der vierten Generation bei der Präsentation als "neues Herzstück des Schienenverkehrs". Es sei ein Aushängeschild für den Konzern ebenso wie für Technik "Made in Germany". Die Deutsche Bahn setzt große Hoffnungen in den ICE 4. Er sei ein ein "Rückgrat für den Fernverkehr", sagte Bahn-Vorstandschef Rüdiger Grube. Das Unternehmen will sein Angebot mit ICE und IC bis 2030 um 25 Prozent ausbauen und dann 180 Millionen Fahrgäste pro Jahr transportieren. Verbindungen zwischen Metropolen sollen auf zwei pro Stunde ausgebaut werden. Der neue ICE, der ab Ende 2017 nach und nach die ICE-1- und ICE-2-Flotten ablösen soll, spiele bei diesem Vorhaben eine Schlüsselrolle, sagte Grube. Der zwölfteilige Zug erreicht bis zu 250 Stundenkilometer und kann damit nicht auf allen Fernverkehrsstrecken in Deutschland eingesetzt werden. Der ICE 4 bietet insgesamt 830 Sitzplätze - ein Viertel davon in der 1. Klasse. Von besonderer Bedeutung für die Bahn ist die neue Klimaanlage, die leistungsfähiger ist als bei den Vorgängermodellen. Fahrgäste können zum ersten Mal auch ihr Rad mitnehmen. Auch das Lichtkonzept wurde überarbeitet und die Barrierefreiheit verbessert. Ab Herbst 2016 wird der ICE 4 den Testbetrieb aufnehmen. (dpa)
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Mit Regionalbahntickets in den IC2

Nachdem es über Jahre Kürzungen im IC-Netz gab, wolle die Bahn künftig wieder stärker die Regionen mit Städten ab 100.000 Einwohner anbinden, erläutert DB-Projektleiterin Heike Junge. Ein Baustein dafür sei der IC2, der von den Instandhaltungskosten günstig sei und wegen der Doppelstockwagen auch nicht so lang, was Halte an kleineren Stationen mit kürzeren Bahnsteigen erlaube.

Ein Erfolgsbeispiel gibt es bereits: Die größere Wirtschaftlichkeit des neuen Zuges habe es ermöglicht, die von der Einstellung bedrohte IC-Linie von Bremen über Oldenburg und Emden nach Norddeich am Netz zu lassen, sagt Junge. Alle zwei Stunden pendelt jetzt der von Leipzig und Hannover kommende IC bis zur Nordseeküste. Da abseits der Urlaubssaison früher so manches Abteil leer blieb, entschied das Land Niedersachsen, die Züge auch für Pendler mit Regionalbahntickets zugänglich zu machen. Sie zahlt dafür eine Kompensation an die Bahn, für die die Linie damit aus den roten Zahlen kommt. Auf dieses Modell wird auch bei der künftigen Anbindung anderer Regionen gesetzt.

Neben der Linie nach Norddeich pendelt der IC2 derzeit auch auf der Strecke Dresden-Hannover-Köln. Von Ende 2017 an sollen weitere 17 Züge auf den Strecken Stuttgart-Singen-Zürich und Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg zum Einsatz kommen. Auch die vorübergehend bereits befahrene Strecke Köln-Münster-Norddeich sowie die Linie von Köln über Kassel nach Gera sollen später hinzukommen.

Michael Evers/DPA

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