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Zur Bundesgartenschau 2015 10 Dinge, die man in der Havelregion erlebt haben sollte


Die Havel ist eines der letzten Naturparadiese Deutschlands. Von der Mecklenburgischen Seenplatte bis zur Elbmündung überrascht der kleine Fluss mit vielfältigen Ausflugs- und Freitzeitmöglichkeiten.
Von Anna-Beeke Gretemeier

70 Kilometer westlich von Berlin fängt die Sehnsucht an. Zumindest, wenn man an weitläufige Wiesen, seenreiche Buchten, kurvenreiche Flussschleifen, natürliche Strandufer und sagenumwobene Auenwälder denkt. Denn das alles bietet das Havelland und noch viel mehr. Dass man diesen einzigartigen Naturschatz bewahren muss, hat der Nabu früh erkannt, und 2005 das größte Renaturierungsprojekt Europas ins Leben gerufen. Diesem ist es auch zu verdanken, dass die Region die diesjährige Bundesgartenschau ausrichten darf - das erste Mal an einem Fluss und gleichzeitig an verschiedenen Standorten.

Deutschlands größte Gartenbauausstellung hat ihre Tore in Havelberg, Amt Rhinow/Stölln, Premnitz, Rathenow und Brandenburg geöffnet - ein weiterer Grund diese einmalige Region zu besuchen.

Wir aber wollen Ihnen die Havelregion auch fernab von Pflanzenarragements schmackhaft machen. Wir haben uns für Sie umgesehen und verraten Ihnen die 10 Dinge, die man in der Havelregion erlebt haben sollte:

1. Sich auf dem Wasser treiben lassen: Lassen Sie die Hektik und den Stress des Alltags hinter sich und genießen Sie die Natur um sich herum, indem Sie möglichst langsam unterwegs sind. Dafür ist das Paddeln im Kanu oder Kajak ideal. Man ist leise und flexibel und kann sich der Landschaft und den Tieren in seiner Umgebung anpassen und vorsichtig nähern. Dadurch bekommt man die Chance auf einzigartige Beobachtungen: Ein Seeadler, der sich einen Aal aus dem Wasser greift oder ein Biber, der an seiner Burg baut - die Havel lockt mit Naturerlebnissen, die man so gar nicht vor der Haustür der Hauptstadt vermuten würde.

Sich auf einem Floß wie Huckleberry Finn treiben zu lassen und abends den selbstgeangelten (oder gekauften) Fisch an Bord grillen, hat nicht nur etwas sehr romantisches - es entschleunigt. Besonders auf der gemächlich dahin fließenden Havel. Einen Bootsführerschein braucht man für die Bungalowboote oder Flöße nicht. Wer trotzdem nicht alleine unterwegs sein möchte, kann sich auch einen Bootsführer dazumieten oder einer geführten Kanutour anschließen.

2. Frischen Havelfisch essen: Früher gab es an der Havel über 5000 Fischer. Im direkten Umkreis von Strodehne, gibt es heut noch drei, die diesem Gewerbe nachgehen. Einer von ihnen ist Fischer Wolfgang Schröder. In seinen Netzen landen Leckerbissen wie Barsch, Hecht, Karpfen, Plötze, Wels oder Zander. Ein absolutes Muss, wenn man an der frischen Luft und auf dem Wasser unterwegs ist: Ein Fischbrötchen auf die Hand. Im sauberen Gewässer gefangen und nicht aus der Truhe. In seinem Hofladen kann man die Süßfische auch verzehrfertig für's Abendessen zu Hause kaufen. Praktisch!

3. Einen Abstecher in Milow machen: Malerische Ortschaften zwischen mittelalterlicher und gotischer Baukunst gibt es in der Havelregion zuhauf, Milow gehört definitiv dazu. Unbekannt ist, ob es tatsächlich der älteste Ort im Kreis Havelland ist, aber er wurde zumindest als erstes urkundlich erwähnt. Im Nabu-Besucherzentrum Westhavelland gibt es nicht nur frischen Streuobstsaft, sondern auch eine Modellflusslandschaft mit Hochwassersimulator und ein Sternenzelt zum Hineinkriechen für Jung und Alt.

4. Sterne gucken am dunkelsten Ort Deutschlands:

Seitdem der Naturpark Westhavelland 2014 zum ersten internationalen Sternenpark in Europa gekürt wurde, ist es offiziell: Nirgendwo strahlen die Sterne heller als hier. Eine geführte Wanderung durch die Nacht bietet zum Beispiel Marion Werner in Strodehne an. Von ihr lernt man nicht nur, dass das Sternenbild "Große Bärin" weiblich ist, sondern auch wie man sich aus der Natur ernähren kann.

5. Über Wiesen streifen und Kräuter sammeln: Die naturbelassene Landschaft rund um die Havel birgt so einige von Städtern vergessene Pflanzenschätze. Wildkräuter auf Wald und Wiesen laden zum Bestaunen und Pflücken ein. Ob Vogelmiere, Brennnessel, Löwenzahn, Sauerampfer oder Gundermann - sie alle sind nicht nur essbar, sondern stärken auch unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden durch ihre Heilkräfte. Wenn Sie Lust haben, von dem Wissen der alten Germanen zu profitieren, begeben sie sich auf eine Zeitreise und schließen Sie sich einer der vielen angebotenen Kräuterwanderungen an - die Erkenntnisse reichen bis in die Gegenwart.

6. Den Gollenberg "erklimmen":

Eigentlich gibt es im Havelland keine Berge, sondern nur "Ländchen". Die höchste Bodenerhebung ist mit 43 Metern über dem Meeresspiegel der Gollenberg in Stölln. Im Jahr 1896 schrieb er unfreiwillig deutsche Fluggeschichte, als Otto Lilienthal bei einem seiner Flugversuche in die Tiefe stürzte. Am Westhang des Berges erinnert heute Lady Agnes - ein weißrotes Flugzeug - an diesen Wagemut und dient als Museum und sogar als Standesamt.

7. Vögel beobachten am Gülper See: Am größten See in der Havelregion schnattert, frisst und trinkt das Who ist Who der Vogelgesellschaft. Mehr als 100.000 Wat- und Wasservögel nutzen diese "Tankstelle" auf ihrer langen Reise in den Süden. Besonders im Frühjahr und Herbst ist hier Schichtbetrieb angesagt. Einfach Ferngläser vor die Augen setzen und los geht das Spektakel!

8. Birnenkuchen in Ribbeck naschen: "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" - wer kennt es nicht, das Gedicht von Theodor Fontane. Auch heute dreht sich in dem historischen Ortskern noch viel um sein berühmtes Erbe. Heimliches Zentrum des Birnenkults ist die "Alte Wäscherei". Dreckige Wäsche wird dort nicht mehr gewaschen, dafür betreibt Marina Wesche nun ein liebreizendes Café mit integriertem Museum und Hofladen. Ihr Sortiment reicht von Birnensalami, Birnensenf und Birnensuppe bis hin zu schwindelerregend hohen Tortenstücken. Eine Gabel davon - Sie werden es erraten: ein Gedicht!

9. Inselhopping in Brandenburg an der Havel: Inmitten des Seenmosaiks an der Schwelle zur Stadt Brandenburg an der Havel liegt die kleine Insel Buhnenwerder im Plauer See. Sie ist Heimat für seltene und vom Aussterben bedrohte Arten. Seit den 1950er-Jahren kümmert sich die Familie Weggen zusammen mit einer Gruppe Naturschützern um dieses Naturparadies, durch das ein extra angelegter Lehrpfad führt. Eine Führung mit dem Inselhäuptling Michael Weggen ersetzt er aber nicht. Wenn Sie etwas Zeit und Lust haben, lassen Sie sich auf das Erkunden und Entdecken der verschiedenen Lebensräume von Feuchtwiesen, Schilfgürteln und bewaldeten Flächen bis hin zum völlig unterschätzten Trockenrasen ein. Es lohnt sich!

10. Leben wie vor 100 Jahren: Wenn man die vergessene Industriestadt Premnitz genauer erkundschaftet, entdeckt man schnell ein ganz besonderes Kleinod. Auf dem Vierseitenhof von Ute Lucke-Polz verhält sich alles, als wäre die Zeit einfach stehen geblieben. In der Räucherkammer wird Fisch geräuchert, in der schwarzen Küche wird Brot gebacken. Der Lehmbackofen ist seit 1760 original erhalten und funktioniert genauso wie früher: Vier Tage braucht er, um vorzuheizen. Außerdem gibt es Spinnräder, Schmiedekunst und einen liebevoll gepflegten Kräutergarten. Erwachsene sind hier genauso willkommen wie Kinder.

Anna-Beeke Gretemeier setzt sich seit Jahren für die Natur an der Havel ein. Bevor sie beim stern anfing, arbeitete sie als Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Nabu, organisierte die Havelberry-Finn-Floß-Tour und schrieb zusammen mit Jasmin Singgih das Buch "Die Naturküche der Havel".


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