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Magazin "Kontraste" berichtet: Plastikdübel im Brandschutzbereich: Muss der BER entkernt werden?

Die Neverending-Story des Haupstadtflughafens BER ist offenbar um ein Kapitel gewachsen. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" gibt es auf der Baustelle weitere Probleme – wegen nicht zugelassener Dübel.

2011 sollten die ersten Flugzeuge auf dem neuen Airport im Süden Berlins starten und Landen. Doch im Verlauf des Baus gab es immer wieder Pannen, Verzögerungen, Fehlplanungen, steigende Kosten. Bis heute ist der Haupstadtflughafen nicht in Betrieb. Die immer neuen Desastermeldungen im Zusammenhang mit dem Prestigeprojekt wirken inzwischen wie ein Running Gag. Jetzt kommt eine weitere hinzu.

Das ARD-Magazin "Kontraste" berichtet, dass nun auch die zuletzt anvisierte Eröffnung im Oktober 2020 in Gefahr sei. "Massive Baumängel könnten eine planmäßige Inbetriebnahme verhindern", so der Bericht. Ein anonymer "Insider" des Großprojekts schildert dem Magazin "ernsthafte Probleme" mit den Kabelschächten. Die verlegten Leitungen seien zu schwer für die verbauten Dübel, zudem sollen die Dübel nicht den Brandschutzbestimmungen entsprechen.

Plastikdübel im Brandschutzbereich

Der Tüv Rheinland habe in dem Bereich fast 10.000 Mängel umfangreich dokumentiert, so "Kontraste". Demnach würden im Falle eines Feuers wegen der ungeeigneten Dübel die Kabeltrassen herunterstürzen: Menschen seien dann in Gefahr, außerdem könnten durch dann beschädigte Stromleitungen zum Beispiel Alarm-, Sprinkler- oder Notstromanlagen außer Betrieb gesetzt werden. "Unter Umständen wäre im Notfall eine Evakuierung des Terminals unmöglich", so das beunruhigende Fazit. 

Die Plastikdübel einfach auszutauschen, sei nicht möglich: Es gebe für die verbauten Kalksandsteine überhaupt keine für den Brandschutzbereich zugelassenen Dübel auf dem Markt, berichtet "Kontraste" unter Berufung auf das Tüv-Gutachten und auf eine Stellungnahme des Instituts für Bautechnik – eine im Baubereich "allgemein bekannte" Tatsache. Kalksandstein hätte überhaupt nicht beim Bau der Brandschutzbereiche des Flughafens verwendet werden dürfen, wenn daran Kabelkanäle befestigt werden. Die weißen Steine seien jedoch "in fast allen Bereichen" zu finden. Die Folge: Es könnten umfangreiche Rück- und Neubauten der Innenwände am BER nötig werden, also quasi eine teilweise Entkernung – weitere Verzögerungen und unabsehbare Kosten inklusive.

Wann geht der Hauptstadtflughafen BER in Betrieb?

Konkrete Fragen der "Kontraste"-Journalisten habe die Flughafengesellschaft nicht beantworten wollen, es habe lediglich geheißen, das Thema der Dübel werde "mit Hochdruck" bearbeitet. Auf weitere Nachfrage verwies ein Mitglied der Geschäftsführung auf das "Betriebs- und Geschäftsgeheimnis". Das BER-Management gibt sich weiter optimistisch, den Eröffnungstermin im Oktober 2020 einhalten zu können.

Der für die Erteilung der Betriebserlaubnis zuständige Landrat des Kreises Dahme-Spreewald jedenfalls will in puncto Dübel kein Auge zudrücken. Mit Blick auf die Sicherheit der zukünftigen Benutzer des BER sagte er "Kontraste": "Das mache ich nicht."

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Quelle: "Kontraste"

wue

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