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Love Parade 2003: Die Liebe regiert weiter

Unter dem Motto "Love rules" - "Liebe regiert" - sind mehr als eine halbe Million Raver bei der 15. Love Parade durch Berlin gezogen. Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz der weltweit größten Techno-Party.

Kein Vergleich mit den "goldenen Zeiten", als die Love Parade noch mehr als 1,5 Millionen in ihren Bann zog. Aber gefeiert wurde trotzdem. "Es sind zwar weniger Leute, aber es ist immer noch Fun", meinte Jan Wormstall (18) aus Hamm, dessen Haare blau leuchteten.Die Love Parade hat ihr Ziel erreicht. Mindestens eine halbe Million Raver mussten nach Vorstellung der Veranstalter am Wochenende in Berlin tanzen, um das Überleben der größten Freiluftparty der Welt zu sichern. Und genau so viele kamen: Nach Schätzungen der Polizei bevölkerten rund 500.000 Techno-Fans am Samstag den Tiergarten. Im vergangenen Jahr konnte die Parade allerdings noch 700.000 Menschen in die Hauptstadt locken.

Motto "Love Rules"

Unter dem Motto "Love Rules" hatten sich zwei LKW-Konvois auf der Straße des 17. Juni in Bewegung gesetzt. Mit rund einer Million Watt heizten DJs aus Deutschland, Italien oder Spanien auf den insgesamt 30 Trucks der Menge ein. Raver aus aller Welt begleiteten die "Floats" bei bewölktem Himmel bis zur Siegessäule.Trotz weniger Besuchern waren die Veranstalter insgesamt zufrieden mit der Parade. Planetcom-Geschäftsführer Ralf Regitz hatte bereits kurz nach Beginn des Umzuges erklärt: "Wir sind allerbester Laune." Die Parade sei wieder ein großer Erfolg. "Berlin ist wieder die Hauptstadt der Liebe." Bis zur Abschlusskundgebung zählten die Love-Parade-Macher sogar rund 750.000 Gäste - fast genauso viele wie im vergangenen Jahr.

Bunny-Häschen und Bauarbeiter

Je schriller, desto besser hieß wieder einmal die Kleiderordnung. Mit knappem Bikini, Kettenhemd oder kurzem Schottenrock folgten die Technojünger den Trucks. Frauen traten in diesem Jahr gerne als rosarote Bunny-Häschen mit Plüschohren auf, Männer präsentierten sich im Bauarbeiter-Look samt Blinklichtern und Absperrband um die Hüften.Manch einer nutzte die Party, um aus dem täglichen Einerlei auszubrechen. Peter (45) und Petra (38) aus Münster sind im bürgerlichen leben Polizist und Angestellte. Nun gaben sie sich ganz den hämmernden Beats hin. "Das ist einfach unsere Musik", sagten sie und tanzten Händchen haltend.Dass es sich bei der Love Parade richtig gut feiern lässt, hat sich bis ins Ausland herumgesprochen. Vor allem Techno-Freaks aus Osteuropa und den Niederlanden pilgerten nach Berlin. Vladimir Zabellevits schwenkte eine Flagge seines Heimatlandes Estland. Der 22-Jährige reiste mit 70 Freunden im Bus an und ist dem Spektakel verfallen. "Die Party ist genauso gut", sagte er und konnte angesichts der Debatten über ein Ende der Parade nur die Schultern zucken.

4.600 Meter Bauzaun aufgestellt

Damit die Love Parade sich diesmal rechnet, hatten die Veranstalter keine Mühen gescheut. Um Schwarzhändler davon abzuhalten, das Geschäft mit Getränken durch illegale Verkäufe kaputt zu machen, wurden eigens 4.600 Meter Bauzaun aufgestellt. Mit Erfolg: Die Polizei registrierte nicht nur wesentlich weniger illegale Händler. Auch die Menge des zurückgelassenen Mülls konnte so verringert werden. Bis zum Morgen sammelten die rund 557 Müllmänner nur rund 100 Tonnen Dreck ein.Weniger zu tun hatten in diesem Jahr auch die Helfer des Malteser Hilfsdienstes und der Johanniter Unfallhilfe. Bis 23.00 mussten die knapp 950 Ärzte, Sanitäter und Notfallhelfer in 1.730 Fällen Hilfe leisten und 236 Menschen in die umliegenden Krankenhäuser transportieren. "Das sind deutlich weniger als im letzten Jahr", sagte Pressesprecherin Claudia Kaminski. 2002 mussten die Sanitäter noch rund 4.000 mal Hilfe leisten. Vor allem Alkohol habe den Ravern in diesem Jahr zugesetzt.

Zwei schwere Unfälle

Dennoch wurde die Love Parade auch in diesem Jahr wieder von zwei schweren Unfälle überschattet. An der Gedächtniskirche sei ein offenbar angetrunkener Raver von einer Mauer gestürzt. Dabei habe sich der 31-jährige Mann lebensgefährliche Kopfverletzungen zugezogen. Ein weiterer Besucher sei an der Paradestrecke schwer verletzt worden, als er von einer Laterne fiel.Insgesamt sei die Love Parade 2003 trotzdem ruhiger gewesen, sagte Polizeisprecherin Daniela Polti. Die rund 1.600 Einsatzkräfte hätten weniger zu tun gehabt, als im Jahr zuvor. Lediglich 56 Festnahmen registrierten die Beamten bis zum Ende der Veranstaltung. Vor allem weniger Drogendelikte habe es gegeben, sagte Polti.

Traditionelle Abschlusskundgebung an der Siegessäule

Zu Ende ging die Love Parade auch in diesem Jahr wieder mit der traditionellen Abschlusskundgebung an der Siegessäule. Bevor dort bis 23.00 Uhr einige der besten DJs der Welt die Menge noch einmal zum Kochen brachten, hielt Dr. Motte noch seine traditionelle Ansprache. Darin pries er die Love Parade als "größte Friedensdemo der Welt", auf der Hunderttausende friedlich zusammen feierten. "Deswegen rufen wir von Berlin in die ganze Welt: Love Rules!"

Kontrollen auf Autobahnen und Bahnhöfen

Nach der "Love Parade" in Berlin hat die Polizei in mehreren Bundesländern für umfangreiche Verkehrskontrollen Autobahnen gesperrt. Allein bei einer großen Kontrollaktion auf der A24 bei Gudow (Kreis Herzogtum Lauenburg) sind in der Nacht zum Sonntag 33 Raver nach Drogenkonsum am Steuer eines Autos erwischt worden. "Es ist erschreckend, in welchen Zuständen Autofahrer hier bei unterwegs sind", meinte ein Sprecher der Autobahnpolizei. Bereits vor der Anreise nach Berlin hatten Zoll und Bundesgrenzschutz (BGS) am Sonnabend im Hamburger Hauptbahnhof bei 100 Jugendlichen Drogen sichergestellt.130 Polizisten aus Schleswig-Holstein und Hamburg hatten die Autobahn Berlin-Hamburg von 21.00 bis 3.30 Uhr komplett gesperrt. Der Verkehr wurde über den Rastplatz Gudow geführt. Dort überprüften die Beamten auffällige Wagen und deren Insassen. In 18 Fällen wurden auch Drogen sichergestellt, ein 19-jähriger Bremer hatte eine 60 Zentimeter lange Machete dabei.

"Mehr Drogen als Alkohol"

"Der Trend, dass immer mehr junge Leute eher Drogen als Alkohol zu sich nehmen, hat sich erneut bestätigt", sagte der Sprecher der Verkehrspolizeidirektion Schleswig-Holstein aus Neumünster, Werner Jaudt. "Die Blutproben wegen des Verdachts von Drogenkonsum haben wir überwiegend 18 bis 25 Jahre alten Fahrer entnommen." Die hell erleuchtete Kontrollstelle war so eingerichtet, dass gleich vor Ort von Ärzten Blutproben abgenommen werden konnten. Zuvor setzten die Polizisten bei Verdächtigen Urin-Schnelltests ein. Zeigten sie einen Konsum an, ging es zur Blutprobe.Wer trotz Drogenkonsums am Steuer eines Autos sitzt, hat gravierende Folgen zu erwarten. "Zunächst gibt es eine Geldbuße von bis zu 1500 Euro und vier Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei, dazu ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten", betonte Jaudt.

Gravierende Folgen - bis zum "Idiotentest"

Schwerwiegender sei jedoch die meistens von der Straßenverkehrsbehörde angeordnete medizinisch-psychologische Untersuchung, der so genannten "Idiotentest". "Dann müssen die Kontrollierten beweisen, dass sie nicht regelmäßig Drogen nehmen, denn sonst bekommen sie den Führerschein nicht zurück, weil sie als nicht tauglich für das Führen eines Kraftfahrzeuges eingestuft werden", meinte Jaudt. "Die Entwicklung bei den Unfällen unter Drogeneinfluss bei uns im Land ist traurig. Es gibt immer mehr Verletzte und Tote", erklärte er. So stieg die Zahl der Verletzten von 29 im Jahr 2001 auf 46 im vergangenen Jahr, vier Menschen starben 2002, 2003 gab es noch kein Todesopfer.

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