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Striptease: Nackte Kätzchen auf Berliner Bühnen

Schon die Pussycat Dolls schwangen so ihre Hüften und zogen damit selbst Gwen Stefani und Christina Aguilera auf ihre Burlesque-Bühne. Striptease-Shows im Stile der 50er-Jahre feiern ein Comeback - nun auch in Deutschland.

Cherry Temple schmust mit einem großen Stofftiger zu "Teach me Tiger". Sandy Beach beweist, dass man auch ein Baguette-Brot frivol anfassen kann. Und der Auftritt von Bonny Clyde ist ein Höhepunkt der Show "Bumps and Grinds" in der Berliner Bar jeder Vernunft: Die gestrauchelte Gangsterbraut lässt die Hüllen fallen und tanzt den "Tassel Twirl", bei dem die Brüste nur noch mit einem winzigen Deckel mit Fransen bedeckt sind. Die Gruppe nennt sich die "Teaserettes". Ihr Metier ist die "neue Burlesque", eine frivole Revue mit 50er Jahre Charme.

Mit Rotlicht und Striptease im Reeperbahn-Stil hat das Ganze wenig zu tun. Die fünf Damen ziehen sich zwar aus, aber das mit einem Augenzwinkern und nie ganz. Das Publikum, in dem viele Frauen sitzen, ist jung, auch Rockabilly-Fans mit Schmalztolle sind darunter.

Von Korsetts, Strings und Cocktailgläsern

Die Idee zu der Show, die es in ähnlicher Form auch in Zürich gibt, kommt aus den USA und spielt mit der 50er-Jahre-Ästhetik, die die Pin-up-Ikone Betty Page prägte. Stoff von Männerträumen waren damals auch die Tänzerinnen Tempest Storm und Dixie Evans, die ihre große Zeit lange vor der Erfindung der Videokassette hatten. Das Wort Burlesque stammt aus dem italienischen Theater des 16. Jahrhunderts und bedeutet eine Karikatur ohne moralischen Zeigefinger. Heute umfasst es eine Mischung aus Musik, Comedy und Erotik. Die Frauen, gern tätowiert und etwas draller, denken sich schillernde Bühnenbiografien aus, dazu knistern Taft und Korsagen. Ein Conférencier sorgt für elegante Überleitungen zwischen den Nummern.Als Meisterin der "New Burlesque" und Betty-Page-Enkelin wird die viel fotografierte Amerikanerin Dita von Teese gehandelt, die frisch gebackene Ehefrau des Schockrockers Marilyn Manson. In der Berliner Volksbühne gab sie vor zwei Jahren eine Kostprobe ihre Könnens: Im Varieté-Ambiente pellte sie sich zu Swing-Klängen aus einem Korsett, um im G-String in einem überdimensionalen Cocktailglas ein Bad zu nehmen. So professionell sind die Berliner Teaserettes zwar nicht, aber die Shows in der Bar jeder Vernunft, wo auch "Cabaret" läuft, sind sehr gut besucht, wie Andreja Schneider, 41, erzählt.

Po und Hüftwackeln

Die Regisseurin, sonst als das "Fräulein Schneider" aus der Kabarettgruppe Geschwister Pfister bekannt, war auf der Suche nach einer Show, die sich für Mitternacht eignet, als sie die Teaserettes im Kreuzberger Club Tabou Tiki Room entdeckte. Striptease-Profi sei keine der Frauen, berichtet sie. Wichtig für die Show sind ihr gute Musik - ein bisschen anzügliche 40er- und 50er-Jahre-Klänge - die Persönlichkeit der Tänzerinnen und dass rein gar nichts an eine Schmuddel-Nummer oder sexuelle Ausbeutung erinnert. "Es ist ganz wichtig, dass man Freude daran hat", sagt Andreja Schneider dazu, dass doch ein paar Hüllen fallen.Gaststar ist Lady Ace aus New York, die den europäischen Nachwuchs in die Geheimnisse des burlesken Striptease einweiht, wie die Bar jeder Vernunft erklärt. Das Publikum amüsiert sich jedenfalls, die Kommentare im Gästebuch sind überwiegend positiv. Andreja Schneider überlegt angesichts des Erfolgs, ob es einen zweiten Teil von "Bumps and Grinds" (zu Deutsch etwa: Po und Hüftwackeln) geben soll. Show- Zubehör für echtes Burlesque sind aber in Berlin noch rar: "Pasties" zum Ankleben auf die Brust sind laut Schneider schwer zu bekommen.

Caroline Bock/DPA / DPA
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