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Weiberfastnacht: Bützchen von de Wiever

Die närrische Zeit hat die Straßen Deutschlands erreicht. Besonders im Rheinland feierten tausende Narren. Traditionell für die Weiberfastnacht wurde den Herren der Schlips gestutzt und mit einem Bützchen vergolten.

Zigtausende Narren haben in den Karnevalshochburgen des Rheinlandes mit der Altweiberfastnacht den Beginn des Straßenkarnevals gefeiert. Da wurde geschunkelt, gesungen und gebützt (geküsst) als um 11:11 Uhr in Köln, Düsseldorf, Aachen, Bonn und Koblenz "de Wiever" (die Weiber) das Regiment übernahmen und den närrischen Ausnahmezustand ausriefen. Mit dem "schmotzige Dunschdig" erlebte die schwäbisch-allemannische Straßenfastnacht in weiten Teilen Baden-Württembergs ihren ersten Höhepunkt.

In Köln feierten viele Tausend Narren unter begeisterten "Kölle alaaf"-Rufen den "Fastelovend". Das Kölner Dreigestirn und Oberbürgermeister Fritz Schramma eröffneten mit einem Countdown um 11:11 Uhr offiziell am Alter Markt den Straßenkarneval. Das närrische Volk tanzte ausgelassen zu Karnevalsklassikern wie "Zu Fuß nach Kölle" und schunkelte sich warm. Die Themen Fußball-WM und Vogelgrippe hatten offenbar die Fantasie vieler Kostümierter angeregt.

Vogelgrippe und Fußball-WM sind die Renner

So waren in Köln auch scharenweise jecke Hühner mit von der Partie: "Wir sind geimpft", brüllten sie Umstehenden zu. Überall waren Fußball-Motive zu sehen - auf Hosen, Shirts, in aufwendigen Mützen und WM-Kappen. Mönche bützten in der Altstadt Dracula-Bräute, Sträflinge tanzten mit Häuptlingen und Rittern. Stramme männliche Waden unter kurzen Schottenröcken sorgten bei den Damen für Aufsehen:"Habt Ihr da wat drunter?". Zierliche Geishas mit schwarzen Perücken und "bewaffnet" mit Bierdosen und Schnapsfläschchen stürzten sich ins bunte Treiben. Vor allem junge Närrinnen trotzen der Kälte bauchfrei, in knappen Röcken und kurzen Höschen.

Närrischer Ausnahmezustand auch in Düsseldorf: Schrille Mädels mit Pink-Perücken, die Karnevals-Nationalelf der Frauen im sexy Out-Fit mit überdimensionalen Scheren - für Männer wurde die Luft dünn in Düsseldorf. Forsch gingen die Damen den Jungs an die Hälse. Zuerst wurden Krawatten gekürzt, dann gab es zur Entschädigung reichlich Bützchen. Allerorten Schunkeln und Singen. Das Altbier floss in Strömen.Beim Sturm auf das Rathaus fackelten die "Möhnen" Weiber nicht lange. Alle Verhandlungs-Versuche von Stadtoberhaupt Joachim Erwin scheiterten. In Köln und Düsseldorf zog die Polizei am Mittag eine positive Zwischenbilanz. "Alles ist sehr friedlich, ausgelassen und unproblematisch", sagte eine Sprecherin in Köln.

Kleinster Karnevalszug der Welt

Ein närrisches Jubiläum gab es in der Karnevals-Diaspora Unna zu feiern: Zum 50. Mal fand der "kleinste Karnevalszug der Welt", der Einmann-Umzug des 71-jährigen Unnaer Originals Helmut Scherer, statt. Thema seines geschmückten Bollerwagens war in diesem Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft. Pünktlich um 11:11 Uhr übernahm Scherer, der in einer Person Präsident und Dreigestirn seines Zuges ist, die Macht im Rathaus.In weiten Teilen Baden-Württembergs zogen am "Schmotzigen Dunschdig" schon am frühen Morgen Musikkapellen und Fanfarenzüge durch die Straßen, um die Bürger lautstark zu wecken. Narren machten sich auf den Weg, um Lehrer und Schüler sowie Behördenbedienstete zu befreien. "Schmotzig" kommt vom alemannischen Wort für fettig. Früher wurde vor Beginn der Fastenzeit viel Schmalzgebackenes gegessen.

DPA / DPA

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