East-Hotel Wo Schlafen Nebensache ist


In der Nähe von Hamburgs sündiger Meile Reeperbahn steht ein Hotel, wo Schlafen mehr bedeutet als ein Bett und ein Kissen. Das Nachtleben beginnt schon in der Lobby.
<em>Von Kai Behrmann</em>

Wer nur einen Ort zum Schlafen sucht, der ist in Hamburgs neuem Design-Hotel, dem East-Hotel, falsch. Der gestresste Geschäftsmann, der beim Zwischenstopp in der Hansestadt auf dem Weg nach London oder New York kurz nach dem Einchecken und einem Feierabendbier an der Hotelbar müde ins Bett fällt, würde einiges verpassen. Schon das Motto des East-Hotel macht deutlich, dass es sich beim Schlafen in der stilvollen Herberge nur um eine schöne Nebensache handelt: "You can eat and sleep in our hotel if you want." Schlafen, wenn man will. Wer allerdings am eigenen Leib erfahren möchte, was sich hinter der Philosophie der Hotelbetreiber Marc Ciunis und Christoph Strenger verbirgt, darf um 22 Uhr noch nicht das Licht ausmachen. Die beiden haben in drei Jahren Bauzeit ein Projekt geschaffen, dass Hotel, Gastronomie, Lifestyle und Design miteinander verbindet.

Der Chicagoer Stararchitekt Jon Mozer hat die alte Eisengießerei in der Simon-von-Utrecht-Straße in unmittelbarer Reeperbahn-Nähe in eine Ausstellung modernen Designs verwandelt. Vom Türgriff über die Waschbecken bis hin zu den Lampen ist alles speziell für das East-Hotel entwickelt worden und trägt zu dessen einzigartigem Charakter bei. Wenn man durch die Lobby, das Restaurant oder die Zimmer streift, hat man nicht das Gefühl, dass es so etwas in gleicher Form an einem beliebigen anderen Ort auf der Welt noch einmal vorfinden kann. Im Restaurant reist Küchenchef Albrecht Schäfer mit seiner Verbindung von europäischen und asiatischen Speisen kulinarisch um den Globus. Zur Atmosphäre des Hotels trägt die Art und Weise bei, wie das Essen serviert wird. Hinter dem Begriff "Family-Food" verbirgt sich die Idee, dass sich alle Personen am Tisch die Köstlichkeiten teilen. Das Essen wird in die Mitte des Tisches gestellt und jeder bekommt einen kleinen Teller. Der Clou dieses sogenannten "Food-Sharing-Systems": Man muss sich nicht nur mit einem Menüpunkt zufrieden geben.

Wer früh schläft, verpasst das Beste

Die Lage des East-Hotels zeigt, dass man sich hier nicht in erster Linie wegen der weichen Betten einquartieren sollte. Bis zur Vergnügungsmeile Reeperbahn ist es nur ein Katzensprung, ebenso wie zu den großen Musicalbühnen der Stadt. Um sich allerdings ins Nachtleben zu stürzen, reicht ein Gang ins Erdgeschoss. Caipirinhas, Bloody Marys oder Mojitos kann man auch an der Yakashi Bar, in der Colours oder in der Smirnoff Lounge genießen. Wer nach einer langen Nacht am nächsten Morgen Erholung und Entspannung braucht, fährt am besten in den 5. Stock hoch und steuert auf direktem Weg den großen Verwöhnbereich an. Dort kann man bei Gesichtsbehandlungen, Ganzkörpermassagen oder im Fitnessraum und in der Sauna die Strapazen der letzten Nacht vergessen. Ein Handtuch sollte man bei verlassen der Sauna allerdings umbinden. Die große Glasfront auf dem Dach des East-Hotels eröffnet dem Gast nicht nur einen wundeschönen Blick über Hamburg, sondern den Bewohnern der gegenüberliegenden Häusern auch freie Sicht auf die Erholungssuchenden. Für ungestörtes und vor allem unbeobachtetes Relaxen sollen in Zukunft hohe Grünpflanzen am Terrassenrand sorgen. Diese müssen aber erst noch groß werden.

Der erste Gast des East-Hotels ist auf jeden Fall begeistert von der Atmosphäre und den Angestellten. "Das ist kein Hotel, sondern eine Oase, mit einem fantastischen Personal", sagt Angelika Segbert schwärmend - dabei hat das East-Hotel offiziell seine Türen für Gäste noch gar nicht geöffnet. Die Geschäftsfrau aus Arhaus war begeistert, als sie die Anzeige des Design-Hotels in einer Zeitschrift entdeckt hatte, so dass sie unbedingt bei ihrem Aufenthalt in Hamburg hier wohnen wollte. Obwohl in einigen Zimmern noch geschraubt und gebohrt wird, musste sie die Geschäftführung nicht lange bitten. Wie gesagt, schlafen ist im East-Hotel nicht alles...


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