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TV-Kritik

"Das Jenke-Experiment": Jenke als Pflegefall im Heim: Warum das TV-Experiment dieses Mal zur Nebensache wird

Beide Arme in Gips und Orthesen an den Beinen: In der neuen Folge des Jenke-Experiments wird der TV-Reporter zum Pflegefall. Der Erkenntnisgewinn? Ist gleich null. Doch die Folge ist trotzdem sehenswert - wegen der Geschichte einer tapferen jungen Frau. 

TV-Reporter Jenke von Wilmsdorff liegt auf dem Bett in einem Pflegeheim

In der neuen Folge von "Das Jenke-Experiment" geht Reporter Jenke von Wilmsdorff freiwillig in ein Pflegeheim

In der RTL-Show "Das Jenke-Experiment" setzt sich Reporter Jenke von Wilmsdorff regelmäßig Extremsituationen aus. Für die Sendung futterte sich der 54-Jährige schon dick, trank sich in einen vierwöchigen Dauerrausch und nahm harte Drogen wie LSD. In der Folge von Montagabend schlägt der Extrem-Reporter dagegen ruhige Töne an: Es geht um das Thema Pflege. Von Wilmsdorff und sein Team beleuchten, wie es Menschen ergeht, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Und jenen, die selbst pflegen.

Der TV-Reporter will wissen: Wie fühlt es sich an, als Pflegefall in einem Heim zu sein? Was bedeutet es, wenn man nicht mehr selbstständig essen, trinken, duschen, gar auf Toilette gehen kann? Mit der Hilfe von Orthesen und Gips-Armen wird der Reporter zu einem Menschen mit Pflegegrad 5 - der höchste aller Pflegegrade. Eine Woche verbringt er in einem Heim, kann sich nicht mehr selbstständig bewegen und muss in eine Flasche urinieren. "Skurril" findet er das.

Reporter Jenke von Wilsmdorff begleitet die Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg

Reporter Jenke von Wilmsdorff begleitet die Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg. Die 26-Jährige verunglückte bei einem Training und ist seitdem querschnittsgelähmt.

Der Selbstversuch gerät in der aktuellen Folge zur Nebensache - und das ist gut so. Der Erkenntnisgewinn hält sich für den TV-Zuschauer ohnehin in Grenzen, denn von Wilmsdorff unterscheidet sich in einem Punkt von allen anderen Heimbewohnern: Er hat sich diese Situation selbst ausgesucht, kann den Selbstversuch jederzeit abbrechen und in sein altes Leben zurückkehren. Doch wer einmal alt, gebrechlich und pflegebedürftig geworden ist, hat diese Wahl oft nicht mehr. Und muss sich damit abfinden, fortan ein Leben zu führen, das nur noch mit der Hilfe anderer zu bewältigen ist.

Mit der Hilfe von Menschen wie Olga Pankiv. Pankiv arbeitet als Pflegerin in einem Altenheim und ist in einer Nachtschicht für 39 Bewohner verantwortlich. Der TV-Reporter begleitet sie bei einem Rundgang. Gemeinsam leeren sie Urinbeutel, wickeln die Bewohner, wechseln Einlagen. Pflege im Akkord. Gerade einmal sechs Minuten haben sie für jeden Bewohner. Nach sechs Stunden sind sie fertig mit dem Rundgang.

"Es ist kein einfacher Beruf"

Warum sie sich für diesen Beruf entschieden hat, will der TV-Reporter wissen. "Gute Frage", sagt Pankiv, während ihr Tränen in die Augen steigen. "Weil meine Oma Parkinson hatte." Sie habe ihr helfen wollen. Doch der Job sei nicht einfach. Fast täglich sei sie mit Krankheit und Tod konfrontiert. "Man braucht Zeit, um das zu verarbeiten", sagt Pankiv. "Die psychische Belastung ist enorm."

Pankiv trägt viel Verantwortung, die Bezahlung dagegen ist mau: 2000 Euro netto verdienen Pflegekräfte wie sie im Schnitt. Sie komme damit zurecht, sagt Olga Pankiv. "Für diesen Knochenjob ist das viel zu wenig", sagt Jenke von Wilmsdorff.

Besonders eindringlich sind die Szenen mit Kira Grünberg. Die junge Frau war im Sommer 2015 die erfolgreichste Stabhochspringerin Österreichs. Sie bereitete sich gerade für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft vor, als sie bei einem Training schwer stürzte und sich den fünften Halswirbel brach. Seitdem ist die junge Frau querschnittsgelähmt. Sie kann ihre Beine nicht mehr bewegen, die Arme nur teilweise und hat einen künstlichen Blasenausgang.

Von Wilmsdorff begleitet sie für fünf Tage, pflegt sie und begegnet einer tapferen Frau, die nicht mit ihrem Schicksal hadert, sondern von sich selbst sagt: "Der Unfall ist Teil meines Lebens, wie vorherbestimmt." Die 26-Jährige hat sich nach dem Unfall eine neue Lebensaufgabe gesucht und ist in die Politik gegangen. Im österreichischen Nationalrat setzt sie sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. Und sie schmiedet Zukunftspläne. Mit ihrem Freund wünscht sie sich eine Familie. Auch Kinder, ja. 

Screenshot eines Bildes von Jana Langer, daneben ihr Brief an Jens Spahn

Das Reporter-Team begleitet sie in intimen Momenten: im Bad, WC, beim Duschen, Zähneputzen, Schminken. Warum macht sie das? Warum lässt sie das zu? Grünberg sagt, sie wolle dem Thema mehr Öffentlichkeit geben. Und gleichzeitig zeigen, dass das Leben trotzdem schön sein kann. Auch mit Handicap. 

Die Folge "Das Jenke-Experiment: Plötzlich ein Pflegefall - was vom Leben bleibt" gibt es bei TVNow.

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