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Posting einer AfD-Politikerin: Nach Seenotrettung im Mittelmeer: Boykott-Aufruf gegen Tui? So reagiert das Unternehmen

Am Wochenende rettete das Kreuzfahrtschiff "Marella Discovery" 111 Menschenleben. Die humanitäre Aktion gefiel einer AfD-Politikerin überhaupt nicht. Jetzt hat die Tui reagiert. Dem stern liegt eine Stellungnahme vor.

Die "Marella Discovery 2", das baugleiche Schwesterschiff der "Marella Discovery"

Die "Marella Discovery 2", das baugleiche Schwesterschiff der "Marella Discovery"

Gegenwind für die Kreuzfahrtbranche: "Cruise Shaming" lautet das Stichwort in diesem Sommer. Besonders ältere Schiffe gelten wegen ihres hohen Schadstoffausstoßes als Dreckschleudern. Und Hafenstädte wie Dubrovnik, Barcelona und Venedig leiden unter Overtourism, wenn mehrere Schiffe gleichzeitig anlegen und ihre Passagiere die Altstadt fluten.

Doch die in der Kritik stehende Branche kann auch anders. Am Wochenende hat die "Marella Discovery" im Mittelmeer 111 Menschen gerettet. Die Migranten – darunter 33 Kinder - waren auf ihrem Weg nach Italien in Seenot geraten und wurden von dem britischen Kreuzfahrtschiff, das zur Tui Group gehört, in den Hafen von Kalamata gebracht, wie die griechische Küstenwache mitteilte.

Nach internationalem Seerecht sind alle Küstenstaaten und Kapitäne, die Kenntnis von einem Seenotfall erhalten, sei es über eine Seenotrettungsleitstelle, ein anderes Schiff oder eigene Beobachtung, verpflichtet zu helfen.

Doch einer Person missfiel die humane Hilfsaktion: Auf ihrer Facebookseite schrieb die AfD-Politikerin Ute Reyners aus Nordrhein-Westfalen. "TUI-Kreuzfahrtschiffe 'retten' jetzt auch schon Wirtschaftsmigranten?!" Dieser Akt sei für sie ein "absolutes Ausschlusskriterium", eine Reise bei diesem Veranstalter zu buchen.

Damit wollte sie in den sozialen Medien eine kontroverse Debatte auslösen. Nur findet die Lokalpolitikerin nicht viele, die ihre Meinung teilen. Im Gegenteil. In zahlreichen Beiträgen haben andere User gegen ihre Haltung Stellung bezogen. 

"Ich bin kein Freund von Kreuzfahrten, empfehle aber die 'Marella Discover'", postete Stephan Lamby. "Die Mannschaft scheint aus Menschen mit Herz zu bestehen."

Tui zeigt klare Haltung

Sogar der weltgrößte Reiseveranstalter, der nicht nur an Tui Cruises in Hamburg beteiligt ist, sondern zu dem auch Marella Cruises mit dem Schiff "Marella Dicovery" gehört, reagiert auf Anfrage des stern. "Es versteht sich von selbst, dass wir Menschen in Seenot helfen. Dies ist unabhängig vom Seerecht ein Gebot der Humanität. Die Crew unserer Kreuzfahrttochter Marella hat schnell und besonnen gehandelt", sagte ein Pressesprecher der Tui Group und ergänzte: "Menschen in Not und in Lebensgefahr hilft man überall auf der Welt, ob zu Hause oder auf See."

Im Umkehrschluss sei die Frage erlaubt: Wird die AFD-Politikerin erst wieder eine Reise bei der Tui buchen, wenn diese gegen internationales Seerecht und die Menschenrechte  verstößt?

Doch es gibt auch den User Günther Hartmann, der dem Facebook-Kommentar der AfD-Frau etwas abgewinnen kann: "Das ist auch richtig so. Wer will schon mit Nazis reisen", schreibt er.

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