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Paris: Mit 320 km/h in die Stadt der Liebe

Der Schnellzug TGV braucht für die Fahrt von Straßburg in die französische Hauptstadt zukünftig nur noch zwei Stunden. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke macht es möglich - und bindet auch die Schwaben schneller an.

Mit einem rot leuchtenden Feuerwerk aus 3000 Fackeln an den Schienen ist die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Straßburg und Paris eingeweiht worden. Der Schnellzug TGV verkürzt vom 10. Juni an mit einer Geschwindigkeit von 320 Stundenkilometern die Fahrt zwischen der französischen Hauptstadt und der elsässischen Metropole von vier auf zwei Stunden und 20 Minuten.

Damit werde eine wirkliche europäische Dimension im Schienenverkehr erreicht, sagte der französische Verkehrsminister Dominique Perben bei der Zeremonie in Ostfrankreich. Auch der deutsche ICE wird nach der Inbetriebnahme diese Strecke befahren. Reisende aus Deutschland kommen dann schneller in die Stadt der Liebe: Von Stuttgart braucht der französische TGV dann nur noch drei Stunden und 40 Minuten statt sechs Stunden, die Fahrt von Frankfurt nach Paris im deutschen ICE verkürzt sich von sechs auf vier Stunden. Die Straßburger Bürgermeisterin Fabienne Keller nannte die neue Strecke eine "historische Etappe".

Konkurrenz zum Billigflieger

Fünf Jahre hat der Bau der 300 Gleiskilometer zwischen dem Pariser Ostbahnhof und Baudrecourt in Lothringen gedauert. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac lobte den Streckenneubau als eine "besondere industrielle Leistung". Die Bahngesellschaften beider Länder wollen bei der Reisezeit von Innenstadt zu Innenstadt das Flugzeug unterbieten und mit Sonderangeboten Kunden von Billigfliegern anlocken, wie die Deutsche Bahn (DB) bereits vor einigen Tagen ankündigte.

Bevor es losgeht, soll der TGV - wahrscheinlich im April - einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen und damit den eigenen übertrumpfen. 1990 hatte bereits ein TGV über 515 Stundenkilometer geschafft. Erwartet wird jetzt ein Tempo um die 550 Stundenkilometer. Ein ICE-Vorläufermodell, eine Art Testzug, kam 1988 auf 406,9 Kilometer pro Stunde.

Kosten von zwei Milliarden Euro

Bis 2012 sollen die letzten gut 100 Kilometer zwischen Baudrecourt und Straßburg auf Hochgeschwindigkeit ausgebaut werden. Die Kosten dürften etwa zwei Milliarden Euro betragen, weil ein vier Kilometer langer Tunnel durch die Vogesen gebaut werden muss. Dann verkürzt sich die Fahrtzeit zwischen Straßburg und Paris um eine weitere halbe Stunde auf eine Stunde und 50 Minuten.

Zunächst soll die einspurige Rheinbrücke bei Kehl durch eine zweigleisige Eisenbahnbrücke ersetzt werden. Auf ihren Bau hatten sich Deutschland und Frankreich im März 2006 geeinigt. Sie soll rund 23 Millionen Euro kosten und bis 2010 fertig sein.

DPA / DPA

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