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50 Jahre Disneyland: Süchtig nach Mickey Mouse

Doug Marsh zählt nicht mehr, wie oft er in Disneyland ein und aus geht. Nach Schätzung des hartgesottenen Fans sind es über 1500 Besuche. Und auch am Sonntag, wenn Disneyland Geburtstag feiert, wird er natürlich dabei sein.

Dem 50. Jubiläum von Disneyland fiebert der Kalifornier Doug Marsh schon seit Monaten entgegen. "Das ist so, als ob dein liebster Verwandter oder bester Freund Geburtstag hat", meint der hartgesottene Fan, der nach eigenen Schätzungen schon mehr als 1500 Mal den Vergnügungspark im kalifornischen Anaheim besucht hat. Auf 35 Hektar Ackerland errichtete der legendäre Zeichentrick- Visionär Walt Disney hier eine Traumwelt, die am 17. Juli 1955 eingeweiht wurde. Seither hat der erste Disney-Themenpark schon mehr als 500 Millionen Besucher angelockt. Neuerdings hat "Disneyland" sogar einen Stern auf dem "Walk of Fame" in Los Angeles. Gleich am Eingang in Anaheim ist Disneys Zauberformel zu lesen: "Hier lassen sie das Heute zurück und begeben sich in die Welt von gestern, morgen und der Fantasie".Bei der Geburtstagsparty am Sonntag sollen hier alle Besucher als Präsent goldfarbene Mickey-Mouse-Ohren als Kopfschmuck erhalten, will Marsh aus "zuverlässigen" Disneyquellen erfahren haben. Als er 1990 seinen ersten Jahrespass kaufte, war er fast täglich im Micky-Mouse-Wunderland zu Gast, erzählt der 47 Jahre alte Bühnenbildner. Jetzt vergnügt er sich "nur" noch zwei bis drei Mal pro Woche in Disneyland und dem 2001 eröffneten Nachbarpark "California Adventure", wo er schon 128 Mal im Flugsimulator "Condor Flats" über Kalifornien hinwegschwebte.

"Hier lässt man den Alltag zurück"

Mit Sonnenhut, Fotoapparat und einem freundlichen Lächeln wirkt der rotbärtige Amerikaner im "Happiest Place on Earth" (vom Disney- Konzern zum "fröhlichsten Platz auf Erden" erklärt) wie ein gewöhnlicher Tourist. Doch schon am Eingang bei der Kartenkontrolle wird er mit einem freundlichen "Hi, Doug" als Stammgast geoutet. Er kenne viele hundert "Disney-Familienmitglieder", die er regelmäßig im Park treffe und die genauso denken wie er, meint Marsh. "Hier lässt man den Alltag zurück und vergisst seine Sorgen, so wie es sich Walt Disney schon vor 50 Jahren wünschte".Für das große Jubiläum seien 50 Mickey-Mouse-Attribute in dem Park versteckt worden, verrät der Disneyland-Experte. Mit seinen Freunden macht er sich einen "riesigen Spaß daraus", die Mäuseohren aufzuspüren. "Der Park ist uns ans Herz gewachsen, das ist unser Hobby, so wie andere jeden Tag auf den Golfplatz gehen", rechtfertigt Benji Breitbart seine vier Besuche pro Woche. Nebenbei betreibt der 22-jährige Soziologiestudent zusammen mit Doug und anderen Fans die Webseite "Laughingplace.com", ein "Treffpunkt für Disneyfans in aller Welt". Dort gibt es Tipps für die besten Attraktionen, Diskussionsrunden über Mickey-Themen und Sonderangebote für Disney- Andenken.

Doug trägt seine Schätze in einem dicken Ordner mit sich herum - Eintrittskarten aus den 50er Jahren, seltene Disneyland-Prospekte und wertvolle Anstecker. "Pin Trading", das Sammeln und Austauschen von Ansteckern, ist ein ernstes Geschäft. Er besitze "einige Tausend", fachsimpelt Doug mit Connie, einer Getränkeverkäuferin im Frontierland, die bereitwillig zwei Pins mit ihm tauscht. Nach der "Indiana Jones"-Achterbahnfahrt und einem Foto mit Pluto will er unbedingt noch mit dem Dampfzug durch das Fantasyland und am Matterhorn vorbeifahren.

"Wir sind weder fanatisch noch verrückt"

"Er ist einer von uns", meint Zugschaffner Ryan, als er Doug mit einem freundlichen Handshake begrüßt. Seit vier Jahren würde er hier seinen "Traumjob" ausüben, doch Doug sei viel besser über alles informiert. "Wir sind weder fanatisch noch verrückt", wehrt der Stammgast ab, der sich lieber als "Disney-Enthusiast" sieht. Doch Benji Breitbart räumt ein, dass es "süchtige" Fans gibt, die ein "ungesundes Niveau" erreicht haben. Eine Familie, die über ein Jahr lang jeden Tag Disneyland besuchte. Oder eine Frau, die sich schon 5000 Mal in das "Indiana Jones Abenteuer" stürzte.Langweilig werde es ihm in Disneyland auch nach zigtausend Besuchen nicht werden, davon ist Doug überzeugt. "Das Geburtstagkind ist in all den Jahren ein bisschen reifer geworden, aber es bleibt ewig jung, weil es sich ständig verändert." Der Stammgast, der sich nicht als "Fanatiker" sondern als "Disney-Enthusiast" beschreibt, hat prompt ein Zitat seines Idols Walt Disney parat, der 1955 bei der Einweihung des Parks verkündete: "Solange es Fantasie in der Welt gibt, wird Disneyland nie ganz fertig sein."

Barbara Munker/DPA / DPA

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