Color Fantasy "Kreuzfahrer mit Autodeck" zwischen Kiel und Oslo

Fährschiff und Luxus schließen sich nicht aus. Bis zu 3500 Werftarbeiter schrauben daher an der 'Color Fantasy', die Kurztrips im Kreuzfahrt-Ambiente zwischen Kiel und Oslo plus Autotransport bieten soll.

Die braunen meterhohen Felswände erinnern ein wenig an die Schluchten in einem Winnetou-Film. Doch auf dem Grund des vor 30 Jahren in den Naturstein gesprengten Docks im finnischen Turku liegt nicht der 'Schatz im Silbersee', sondern das gerade zu Boden gelassene erste Teilstück des weltgrößten Fährschiffs 'Color Fantasy'. In einem Jahr soll das 365 Meter lange Dock der Kvaerner Masa Yards-Werft geflutet werden, damit der "Kreuzfahrer mit Autodeck" seinen Dienst auf der Strecke Kiel-Oslo aufnehmen kann.Für die norwegische Reederei Color Line bedeutet das neue Schiff auch ein neues Kapitel der Fährschifffahrt. "Es ist eine Revolution", sagte Reederei-Eigner Olav Nils Sunde bei der Kiellegung am Dienstag. Denn mit einer herkömmlichen Fähre wie ihrer Vorgängerin 'Prinsesse Ragnhild' hat die 'Color Fantasy' kaum noch etwas zu tun. Ausgestattet wie ein Kreuzfahrtschiff und mit einer Kapazität von 2770 Passagieren und 750 Autos soll der 224 Meter lange Ostseeriese seinem Eigentümer zwischen Kiel und Oslo bis zu einem Viertel mehr Gäste bescheren. Auf den zwei aktuellen Fähren sind es derzeit knapp 600.000 jährlich.

Luxus pur für zweieinhalb Tage

"Trotz Konjunkturflaute gibt der Markt das her", erläuterte der Kieler Color-Line-Marketing-Direktor Jan-Hendrik Köhler. Kurzreisen seien mit der größte Wachstumsbereich der Branche. "Viele Leute wollen sich nicht die Zeit für lange Kreuzfahrten nehmen." Wer will, soll folglich in den zweieinhalb Tagen Deutschland-Norwegen-Deutschland für einige hundert Euro Luxus pur erleben können. Den Rahmen dafür bieten edle Kabinen - die Hälfte davon mit Meerblick - Wellness-Angebote, Fitness-Center, mehrere Bars und Restaurants, eine Show-Lounge sowie eine Badelandschaft. Zentrum des Schiffes wird eine 120 Meter lange dreistöckige Passage zum Einkaufen und Flanieren.Bis es so weit ist, werden bis zu 3500 Werftarbeiter fast rund um die Uhr schweißen, schrauben, hämmern und streichen. Denn dem Teilstück, das am Dienstag in Turku traditionell auf Glücksmünzen - je einem Satz finnische Euro und norwegische Kronen - niedergelassen wurde, werden weitere 53 Sektionen folgen, bis die 74.600 Bruttoregistertonnen komplett sind. Ende Februar sollen die ersten der knapp 1000 Kabinen in das Schiff eingesetzt werden.

Reiseaktivität zwischen Deutschland und Norwegen steigern

Dem Risiko der 305-Millionen-Euro-Investition, einem der größten Einzelaufträge in der norwegischen Schifffahrtsgeschichte, ist sich Eigner Sunde bewusst. "Ich bin aber überzeugt, dass dieses Schiff die Reiseaktivität zwischen Deutschland und Norwegen deutlich steigern wird." Schließlich floriere die Linie seit über 40 Jahren. Deshalb ist im Vertrag mit der Kvaerner-Werft - sie hatte sich mit ihrem Angebot gegen den deutschen Konkurrenten Meyer durchgesetzt - eine bis Ende 2005 laufende Option für ein Schwesterschiff der 'Color Fantasy' festgeschrieben.

Sven Runde

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