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Die letzten Völker des Amazonas: Bedrohte Ureinwohner in Brasilien: Lasst sie in Frieden!

Die Amazonaswälder von Brasilien und Peru sind die Heimat der letzten isoliert lebenden Völker. Doch Viehzüchter, Holzfäller und Drogenschmuggler bringen sie in Bedrängnis.

Von Scott Wallce

Awá-Familien brechen im Amazonasgebiet zu einem Streifzug auf. Etwa hundert Awá leben weiter ohne Kontakt im Amazonasgebiet, obwohl der Druck durch illegale Holzfäller und Siedler auf sie immer größer wird.

Awá-Familien brechen im Amazonasgebiet zu einem Streifzug auf. Etwa hundert Awá leben weiter ohne Kontakt im Amazonasgebiet, obwohl der Druck durch illegale Holzfäller und Siedler auf sie immer größer wird.

Die Abdrücke in der roten Erde sind frisch. Tainaky Tenetehar beugt sich fachmännisch darüber. "Holzfäller", sagt er. Der Feind. Tainaky, 33, und seine Mitstreiter gehören zu einer Truppe indigener, einheimischer Freiwilliger, die sich Waldwächter nennen. Sie wollen sich gegen das Vordringen illegaler Holzfäller wehren, die geschützte Waldgebiete abholzen, wie hier im indigenen Territorium Araribóia im östlichen Bundesstaat Maranhão. Mit den Wäldern verschwindet das Wild, auf das die Guajajara mit ihrer Jagdkultur seit Generationen angewiesen sind. Seen und Flüsse trocknen aus. Fische und Vögel sterben.

Um sich gegen die Eindringlinge zu wehren, setzen die Waldwächter Holzlaster in Brand, erbeuten Waffen und Motorsägen und jagen wütende Holzfäller zum Teufel. Die Anführer der Patrouillen bekommen oft Todesdrohungen. Drei von ihnen wurden 2016 innerhalb eines einzigen Monats ermordet.

Für die Guajajara steht viel auf dem Spiel. Doch seit den ersten blutigen Auseinandersetzungen mit Fremden, die Jahrhunderte zurückliegen, haben sie wirksame Überlebensstrategien entwickelt. Wesentlich schlimmer ist die Notlage eines anderen Stammes, der ebenfalls auf dem Araribóia-Territorium lebt: der Awá, ein isoliert lebendes, "unkontaktiertes" Volk im Amazonasgebiet.

100 Gruppen leben in der freiwilligen Isolation

Im Herzen des Gebiets durchstreifen Awá-Nomaden die Wälder auf der Flucht vor kreischenden Seilwinden, heulenden Motorsägen oder dem Rauch außer Kontrolle geratener Waldbrände. Doch selbst in den noch immer weitgehend unberührten Regenwäldern zwischen dem Westen Brasiliens und Peru treibt isolierte Völker die Angst vor Holzfällern, Goldsuchern und Drogenhändlern um. Überall im Amazonasbecken wächst die Gefahr für die geschätzt mindestens hundert Gruppen, die bis heute freiwillig in der Isolation bleiben – insgesamt etwa 5000 Menschen.

Dorfbewohner genießen ein morgendliches Bad am Awá-Posten. Die Köhlerschildkröten und die Waldschildkröten, mit denen sie hier noch spielen, werden sie irgendwann wahrscheinlich essen.

Dorfbewohner genießen ein morgendliches Bad am Awá-Posten. Die Köhlerschildkröten und die Waldschildkröten, mit denen sie hier noch spielen, werden sie irgendwann wahrscheinlich essen.

Der Kontakt zur Außenwelt war für die Awá meist von gegen sie gerichteter Gewalt geprägt. Heute gibt es noch etwa 600 Angehörige dieses Volkes. Die meisten haben sich in Dörfern in den drei bis vier geschützten indigenen Territorien an der Westgrenze von Maranhão niedergelassen. Nur im Araribóia-Territorium sind alle Awá – etwa 60 bis 80 Menschen – im Wesentlichen ohne Kontakt zur Außenwelt und bleiben im Kerngebiet des Reservats unter sich. Sie jagen mit Pfeil und Bogen, sammeln wilden Honig und die Samen der Babassupalme und sind abhängig von den Früchten des Urwalds und seinen Wasserquellen.

Die Nachbarn in den Dörfern um sie herum sind Guajajara, insgesamt 5300 Menschen. Jenseits der Grenzen des indigenen Territoriums schließen sich fünf größere Kommunen an, deren wichtigster wirtschaftlicher Motor das Holz ist. Inzwischen sind drei Viertel der ursprünglichen Bewaldung Maranhãos verloren. Der Großteil des übrigen Waldes steht in Araribóia, den drei anderen indigenen Territorien, in denen Awá leben (Alto Turiaçu, Caru und Awá), und in einer Naturschutzzone. In diesen Gebieten ist Holzeinschlag verboten, was nahezu das gesamte Holzgeschäft im Bundesstaat zu einem kriminellen Unternehmen macht.

Das bedrohteste Volk der Welt: die Awá

Das schreckt die Wilderer jedoch nicht ab. Holzlaster, oft ohne Kennzeichen, fahren auf Nebenstraßen, die nicht kontrolliert werden, und liefern die geschlagenen Bäume in illegalen Sägewerken außerhalb der indigenen Gebiete ab. Dieses Netzwerk bedroht die Awá derart, dass die Bewegung für die Rechte indigener Völker, Survival International, sie als "das bedrohteste Volk der Welt" eingestuft hat. 2012 wurde eine weltweite Kampagne zu ihrer Rettung ins Leben gerufen. "Der Kampf zur Rettung der Awá und des Waldes ist ein und derselbe", sagt Sônia Guajajara, die ehemalige Präsidentin des Dachverbandes der indigenen Völker Brasiliens, der den 305 indigenen Gruppen des Landes eine Stimme gibt.

Von staatlicher Seite ist die Fundação Nacional do Índio, die Funai, für die Belange der indigenen Bevölkerung zuständig. Sie hat Araribóia ganz oben auf die Liste der Krisenherde im Amazonasgebiet gesetzt. Doch Budgetkürzungen behindern die Bemühungen, isolierte Völker wie die Awá vor dem Druck zu schützen, den eine nach Ressourcen gierende globalisierte Ökonomie ausübt. Seit der Absetzung der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff im Jahr 2016 haben wirtschaftsnahe Politiker in Brasilien Maßnahmen durch den Kongress gepeitscht, die den Schutz indigener Territorien im Amazonasgebiet zurückschrauben.

Tag für Tag donnern mit Eisenerz beladene Güterzüge an den Awá-Siedlungen Tiracambu und Posto Awá am südöstlichen Rand des indigenen Territoriums Caru vorbei. Sie befinden sich auf der 900 Kilometer langen Fahrt von der weltgrößten Eisenerztagebaumine zum Atlantikhafen von São Luís, der Hauptstadt von Maranhão. Dort wird das Erz – 2017 waren es 147 Millionen Tonnen – auf Schiffe verladen und hauptsächlich nach China exportiert.

Es ist ein bizarres Bild: auf der einen Seite dieses mächtige Symbol des globalen Handels und in Hörweite davon Menschen, die nach wie vor mit Pfeil und Bogen jagen.

Gekürzte Fassung, aus dem Englischen von Karin Rausch. Den vollständigen Artikel finden Sie in: "National Geographic", Heft 11/2018. 

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