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Im Amazonas-Dschungel: Schlimmer Verdacht: Goldsucher massakrieren brasilianische Ureinwohner und prahlen mit Tat

Es war eine Begegnung wie sie fataler kaum hätte sein können. Im Dschungel von Brasilien suchen Ureinwohner nach Nahrung und treffen auf Goldgräber. Ein tödlicher Zufall.

Im Amazonasgebiet in Brasilien leben noch viele "unkontaktierte Völker" (Foto von 2011)

Rund 100 "unkontaktierte Völker" wie dieses leben weltweit. Viele davon im Amazonas-Gebiet an der Grenze von Brasilien, Kolumbien und Peru (Foto von 2011).

Hätten die Männer in einer Kneipe nicht so geprahlt, wäre die Tat wahrscheinlich nie ans Licht gekommen. Zu abgelegen ist der Tatort in der "grünen Hölle", dem dichten Dschungel im Amazonasgebiet an der Grenze zu Peru. Äußerst selten verirren sich Menschen aus der Zivilisation dorthin. Doch fatalerweise war es an diesem Tag im August so-

Goldgräber suchten laut Bericht der "New York Times" ihr Glück an einem Fluss, als plötzlich eine Gruppe sogenannter "Bogenleute" vor ihnen stand. Die Gruppe suchte demnach am Ufer des Stroms nach Eiern, heißt es, und möglicherweise hatten diese Indigenen nie zuvor Kontakt zur sogenannten zivilisierten Welt gehabt. Zu ihrem Unglück war dieser erste Kontakt auch der letzte. "Wir mussten sie töten, weil wir sonst getötet worden wären", lautet die Aussage der Goldgräber, wie die New York Times berichtet. Bei ihrer Prahlerei in einer Kneipe an der Grenze zu Kolumbien hätten sie sich allerdings gebrüstet, die Körper der Indigenen zerstückelt und in den Fluss geworfen zu haben. Das klingt für die Ermittler nicht nach Notwehr. Außerdem hatten die mutmaßlichen Täter ein Paddel und Pfeile nach eindeutig indianischer Machart bei sich. Immerhin führte das Verhalten der Goldgräber dazu, dass das Verbrechen überhaupt bekannt wurde.

Auch Frauen und Kinder sollen unter den Toten sein

"Zur Gruppe der 'Bogenleute', wie wir sie nennen, gehören rund 50 bis 100 Personen – wenn davon zehn umgebracht werden, ist das schon ein großer Teil des ganzen Volkes", sagt Linda Poppe, des deutschen Büros von "Survival International" in Berlin. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich weltweit für den Schutz indigener Völker ein. Ihr gegenüber bestätigten Vertreter der brasilianischen Indianerschutzbehörde "Funai" Details der Attacke. Auch Frauen und Kinder sollen unter den Toten sein. "Funai" und die Staatsanwaltschaft führen derzeit Untersuchungen durch. Doch die sind kompliziert. "Der Rest der Gemeinschaft ist geflohen", erzählt Poppe. Und schließlich seien sie nicht umsonst "unkontaktiert". "Man kann sie nicht einfach fragen. Und wenn man es doch täte könnten dabei Krankheiten übertragen werden, die dem Volk sehr schaden könnte." Experten der "Funai" würden nun versuchen, gestützt auf die Aussagen der Goldgräber, den Vorfall zu rekonstruieren.

Weltweit gibt es laut der Nichtregierungsorganisation "Survival International" rund 100 solcher "unkontaktierten Völker". Der Großteil von ihnen lebt im Amazonasgebiet an der Grenze zu Kolumbien und Peru. Immer wieder käme es dort zu Zusammenstößen mit der Zivilisation, sagt Linda Poppe. Denn auch Holzfäller, Goldsucher und Drogenschmuggler ziehen sich in diese unwegsame Region zurück. 1993 töteten illegale Goldgräber 16 Yanomami. Laut "Survival International" sei erst vor Kurzem eine Gruppe peruanischer Eingeborener in der Grenzregion aufgetaucht, die berichteten, ihre Häuser seien von Außenstehenden angegriffen und niedergebrannt worden. Dabei seien so viele Mitglieder ihrer Gemeinschaft getötet worden, dass sie nicht alle hätten beerdigen können.

Brasiliens Regierung kürzt Gelder der Indianerschutzbehörde

Der Lebensraum dieser Menschen wird durch die Abholzung des Regenwalds und den Abbau von anderen Ressourcen und Bodenschätzen ohnehin immer kleiner. Anfang des Jahres hatte die brasilianische Regierung außerdem die Ausgaben zum Schutz der Eingeborenen im Amazonasgebiet gekürzt. Das würde sich nun rächen, schreibt die brasilianische Tageszeitung "Folha de Sao Paulo". Die "Funai" hatte danach mehrere ihrer Büros schließen müssen, dazu gehörten auch zwei im Javari-Tal, dem Ort, wo nun das Massaker an den "Bogenleuten“ geschah.

Das schürt die Angst bei vielen Völkern der Region. "Weitere Angriffe und Morde sind wahrscheinlich. Die Kürzungen des Budgets der 'Funai' schaden dem Leben der Indigenen, besonders der unkontaktierten Völkern, die am stärksten bedroht sind", sagte Paulo Marubo "Survival International". Er ist der Anführer von "Univaja", einer Organisation für indigene Rechte in der Amazonas-Region kämpft. 

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