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Expo 2010 in China beginnt: Shanghai zaubert für die Zukunft

In Shanghai beginnt heute eine Expo, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat. Zur Show der Superlative werden 70 Millionen Besucher erwartet. Auch Deutschland ist mit einem Pavillon und 190 Hostessen vertreten.

Von Janis Vougioukas, Shanghai

In Shanghai fällt heute mit einem spektakulären Feuerwerk der Startschuss für die Expo 2010. Zu der Eröffnungsveranstaltung werden unter anderem Frankreichs Präsident Sarkozy und EU-Kommissionspräsident Barroso erwartet. Morgen ist der erste offizielle Ausstellungstag der Weltausstellung, die bis Ende Oktober läuft. Sie steht unter dem Motto "Better City, Better Life" ("Bessere Stadt, Besseres Leben") und stellt das Leben in den wachsenden Metropolen der Welt in den Mittelpunkt.

Seit zehn Jahren hat sich Chinas Boomstadt auf diese Veranstaltung vorbereitet. Nun ist Shanghais großer Moment da. Die ganze Stadt ist umgebaut und dekoriert. Und schon jetzt ist klar: Shanghai wird der Höhepunkt der Expo-Geschichte. Kein anderes Gastland wird jemals wieder so viel Energie in eine Expo stecken wie die Chinesen. Wer sonst schafft es schon, die erwarteten 70 Millionen Besucher, darunter rund 3,5 Millionen aus dem Ausland, zu mobilisieren?

20.000 Familien wurden umquartiert

Die erste Weltausstellung fand 1851 auf Anregung Prinz Alberts im Londoner Hyde-Park statt. Die Expo begann als Mischung aus Erfinderolympiade, nationaler Leistungsschau und Kuriositätenkabinett. In den vergangenen 160 Jahren wurden viele bahnbrechende Neuheiten zum ersten Mal auf einer Weltausstellung präsentiert: 1855 die Espressomaschine. 1876 das Telefon, später der Lippenstift, der Reißverschluss, die Rolltreppe, der Wackelpudding und das Farbfernsehen. In den letzten Jahren hat sich die Expo zu einem kulturellen Jahrmarkt entwickelt; die Zeit der Weltneuheiten ist vorbei. Und Firmen wie Apple oder Sony wollen die Events heute lieber selbst organisieren, bei denen sie ihre Weltneuheiten präsentieren.

Bei der Expo 2000 in Hannover war die größte Sensation, dass ein Mitglied des deutschen Hochadels von der "Bild"-Zeitung erwischt wurde, wie er gegen die Holzfassade des türkischen Pavillons pinkelte. Solche Bilder wird es in China nicht geben. Und Shanghai gibt sich große Mühe, den Zukunftszauber früherer Weltausstellungen wieder zu beleben. Der 63 Meter hohe Pavillon des Gastlandes ist der traditionellen Palast- und Tempelarchitektur nachempfunden. Und die Expo ist der Masterplan zur Runderneuerung der ganzen Stadt. Fast 20.000 Familien wurden dafür umgesiedelt. 116 neue U-Bahn-Stationen sind gebaut worden. Die einst schäbigen Ufer des Huangpu-Flusses sind rundum erneuert worden. Es soll sogar wieder Fische im Wasser geben.

190 Hostessen für den deutschen Pavillon

Shanghai hat es geschafft, die Teilnehmerländer zu einem fast schon sportlichen Wettbewerb anzustacheln: Jedes Land kämpft um die größte Aufmerksamkeit, den besten Pavillon, die perfekteste Organisation.

Dänemark hat seine Kleine Meerjungfrau eingeflogen. Die Spanier haben einen acht Meter hohen Roboter gebaut, der wie ein Baby aussieht. Deutschland präsentiert sich mit der "Balancity" - ein futuristischer skulpturartiger Bau mit silbern glänzender Fassade. Hier soll die Balance zwischen Modernität und Umwelt gezeigt werden. Die Deutschen haben das offizielle Expo-Thema sehr Ernst genommen. Die 190 Hostessen im deutschen Pavillon tragen orangefarbene Uniformen aus Hightech-Textilien, die komplett kompostierbar sind.

Allerdings erinnern sie ein wenig an die grellen Trainingsanzüge, die man in den achtziger Jahren gerne trug. Es heißt, dass die Hostessen der französischen und italienischen Pavillons von den Modedesignern ihres Landes eingekleidet wurden. Das sieht vielleicht schicker aus. Aber die sind dafür auch nicht so nah am Expo-Thema dran.

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