China koppelt Yuan vom Dollar ab Währungspolitik der kleinen Schritte


Mit einem Kurswechsel beendet China die Dollar-Bindung seiner Währung. Der Exportweltmeister fühlt sich stark genug, den Kurs des Yuan leicht zu lockern. Eine schnelle Aufwertung bedeutet das aber nicht. Die Auswirkungen auf den Welthandel sind vorerst gering.

China hat dem internationalen Druck nachgegeben und eine stärkere Flexibilisierung seiner Währung angekündigt. Wenige Tage vor dem Gipfeltreffen der 20 führenden Wirtschaftsnationen im kanadischen Toronto nimmt Peking damit seinen Kritikern den Wind aus den Segeln. Von Washington bis Tokio, vom Währungsfonds bis zur EU-Kommission erntete Peking einhellig Lob. Doch eine schnelle oder starke Aufwertung des Yuan bedeutet der Schritt keineswegs.

"Den Yuan vom US-Dollar abzukoppeln, ist nicht das gleiche, wie der Währung zu erlauben, deutlich stärker zu werden", sagt der US-Professor Michael Pettis, der an der Peking Universität lehrt. Indem die seit zwei Jahren geltende Dollar-Bindung aufgehoben wird, kehrt China lediglich zu seiner Währungspolitik aus der Zeit vor Beginn der globalen Wirtschaftskrise zurück. Damals, zwischen Juli 2005 und 2008, hat Chinas Währung schrittweise um 21 Prozent gegenüber dem US-Dollar an Wert gewonnen.

Ein Aufwärtstrend wie damals kann unter heutigen Bedingungen nicht unbedingt erwartet werden. Eine Ausweitung der festgelegten täglichen Handelsspanne von 0,5 Prozent ist nicht geplant. "China wird seine Politik der kleinen Schritte wohl nicht aufgeben", sagt der China-Ökonom der Royal Bank of Scotland, Ben Simpfendorfer. Die Zentralbank selbst schließt eine einmalige oder starke Aufwertung aus. Chinas Handelsbilanz sei doch gar nicht so schlecht und werde überhaupt zunehmend ausgeglichener.

Die USA erhoffen sich von einer Yuan-Aufwertung gleichwohl einen Rückgang seines Handelsdefizits mit China. Bessere Exportchancen durch wettbewerbsfähigere US-Produkte sollen heimische Arbeitsplätze sichern. Seit langem wird China vorgeworfen, seine Währung zu manipulieren und damit seine Waren auf die Weltmärkten billiger anbieten zu können. Auch Importe nach China würden erschwert. So haben die Handelsüberschüsse dem Exportweltmeister die weltgrößten Devisenreserven in Höhe von 2,4 Billionen US-Dollar beschert, was eigentlich für eine viel stärkere chinesische Währung spricht.

Beharrlich hat Peking ausländischem Druck standgehalten, den Yuan aufzuwerten. Chinas Führung fürchtete um Millionen von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie, da die Profitspannen zum Beispiel in der Textilbranche nur wenige Prozent ausmachen. Chinas Führer wollten sich nicht durch innenpolitische Zwänge in den USA das Tempo ihrer Währungspolitik diktieren lassen. Die Wechselkursreform sollte vielmehr mit der Entwicklung der Finanzinstitutionen Schritt halten. Auch wurde der Zufluss von "heißem", spekulativem Kapital befürchtet.

Doch jetzt, mit dem Aufschwung der Weltwirtschaft und dem starken Wachstum in China von etwa 9,5 Prozent in diesem Jahr, sieht die Zentralbank die Zeit gekommen, den Yuan etwas zu lockern. Der Kurs wird künftig wieder gegenüber einem Währungskorb festgelegt. Darin spielt neben dem US-Dollar und japanischen Yen auch der Euro eine große Rolle. Ein Viertel des chinesischen Außenhandels wird in Euro abgewickelt. Eine schnelle Aufwertung ist aber schon deswegen nicht angesagt, weil der Yuan durch die Schwäche der europäischen Währung in diesem Jahr schon 15 Prozent gegenüber dem Euro zugelegt hat.

"Ich erwarte keinen einmaligen großen Schritt", sagt Stephen Green, China-Ökonom der Standard Chartered Bank in Shanghai. "Gegenwärtig möglicherweise nicht einmal einen klaren Aufwertungstrend gegenüber dem US-Dollar, wenngleich mehr Flexibilität im täglichen Handel gegenüber dem US-Dollar." Green rechnet in der kommenden Woche mit täglichen Schwankungen von mindestens 0,1 bis 0,2 Prozent. Wegen des schwachen Euros und des starken US-Dollar erwarten Währungshändler im Moment aber höchsten eine Aufwertung um ein Prozent über die nächsten zwölf Monate.

Das wird Chinas Kritiker im US-Kongress, die den Druck auf das Weiße Haus verstärkt haben, kaum zufriedenstellen. "Um die politischen Spannungen zu bewältigen, muss der Yuan noch flexibler und vom Markt bestimmt werden", sagt China-Ökonom Green. Mit der Ankündigung hat China aber erstmal Zeit gewonnen und verhindert, dass der G20-Gipfel in Toronto zu einem unschönen Tribunal über seine Währungspolitik wird. Zugleich wird der Spieß umgedreht: Alle Aufmerksamkeit richtet sich jetzt auf die angespannte Schuldenlage der reichen Industrienationen und die Entwicklung des Euro.

Andreas Landwehr, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker