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Besuch in China: Kim Jong-Il reist wieder

Es ist seine erste Auslandsreise seit fast zwei Jahren: Nordkoreas Diktator Kim Jong-Il ist zu Besuch beim einzig verbliebenen Partner China. Er braucht offenbar Geld aus dem Riesenreich für sein bettelarmes Land.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist der nordkoreanische Militärmachthaber Kim Jong Il am Montag zu einem Besuch in China eingetroffen. Bei seiner ersten Auslandsreise seit seinem mutmaßlichen Schlaganfall im Sommer 2008 besuchte der 69-Jährige zunächst die Hafenstadt Dalian in Nordostchina. Zuletzt war er vor vier Jahren bei dem Nachbarn und letzten Verbündeten. Heute dürfte Kim Jong Il um weitere Unterstützung und Investitionen bitten, um die Wirtschaft in seinem isolierten und verarmten Land voranzubringen.

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo verbreitete Fotos von Kim mit seiner typischen Sonnenbrille und einem chinesischen Protokoll-Offizier im Hintergrund vor dem Eingang des Furama-Hotels in Dalian. Das Hotel wollte den Besuch nicht bestätigen. "Wir sind heute und morgen voll ausgebucht", sagte eine Mitarbeiterin der Reservierungsabteilung.

Ein nordkoreanischer Sonderzug war am frühen Morgen an der Grenzstation Dandong eingetroffen. Später sei im 250 Kilometer entfernten Dalian der Verkehr für eine Stunde gestoppt worden, um einen Autokonvoi ungehindert durchzulassen, berichteten Kyodo und die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Gespräche mit Hu

Es wird erwartet, dass Kim Jong Il in den nächsten Tagen mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao in Peking zusammentreffen wird. Chinas Präsident hatte am Wochenende während der Weltausstellung in Shanghai mit dem angereisten südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak sowie Nordkoreas Nummer Zwei, Parlamentschef Kim Yong Nam, gesprochen.

Pjöngjang hatte im April 2009 die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm einseitig aufgekündigt. Nun keimt mit dem Besuch von Kim Jong Il neue Hoffnung auf Fortschritte bei den Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Gespräche. Die Aussichten sind allerdings durch die neuen Spannungen nach dem mysteriösen Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffes vor fünf Wochen getrübt.

Begehrter Hafen Rajin

Chinas Präsident hatte sich in Shanghai von Lee Myung Bak über den tragischen Zwischenfall unterrichten lassen, bei dem 46 Soldaten ums Leben gekommen waren. Hu Jintao nannte die Ermittlungen laut Yonhap "wissenschaftlich" und "objektiv". Sie hatten den Verdacht erhärtet, dass die "Cheonan" bei der Patrouille an der umstrittenen Seegrenze infolge einer Torpedo- oder Seeminenexplosion gesunken war. Nordkorea hat die Vermutungen zurückgewiesen, etwas damit zu tun zu haben.

Der Besuch in Dalian könnte mit den nordkoreanischen Plänen zusammenhängen, den Hafen Rajin im Nordosten des Landes an der Grenze zu Russland und China zu einer Wirtschaftszone auszubauen. Eine Baufirma aus Dalian investiert 26 Millionen Yuan (2,9 Millionen Euro) in den Ausbau einer Landungsbrücke in Rajin. China hatte mit Nordkorea erst kürzlich eine Vereinbarung getroffen, den Hafen unweit der chinesischen Grenze für weitere zehn Jahre nutzen zu können.

DPA / DPA