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Film-Location: Stars und Sternchen am Kap

Der Tafelberg, zwei Ozeane, weiße Sandstrände und ein abwechslungsreiches Hinterland: Südafrikas Südspitze ist ein angesagter "Shooting-Place". Filmer, Werber und Modephotographen geben sich in Kapstadt die Klinke in die Hand.

Von Kirsten Wörnle

Bei Neckermann wird es Herbst. Model Johannes Huebel posiert bei 30 Grad im Schatten in einem dicken blauschwarzen Wollpullover zwischen den Granitfelsen in der Camps Bay im Westen Kapstadts. Goldenes Licht aus dem Reflektorschirm strahlt in seinem Gesicht, der 28-Jährige stützt sich gegen ausgewaschene Steine mit grober Struktur. "Das Grobe passt zur Männermode", sagt Susanne Locher, Stylistin aus Hamburg. "In Miami sind die Steine zu glatt."

Das Licht ist besser als in Miami

Kapstadt ist in: Mannequins und Models, Sternchen und Superstars kennen die Sonne Südafrikas von Shootings am Kap. Die Region liefert die Kulisse für Modebilder, Werbeclips, TV-Filme und Kinostreifen. Gedreht wird für Bier, Banken und Bonbons, für Mobilfunk und Mode, Cognac und Krankenkassen, ganz zu schweigen von den zahlreichen Limousinen. Kinohelden aller Couleur bestehen ihre Abenteuer am Fuße des Tafelbergs. Fast alle Szenen für "Lord of the War" mit Nicolas Cage wurden in Kapstadt gedreht, ob sie nun in Amerika oder Nordafrika spielen. Darüber hinaus entstanden Hunderte von deutschen Filmen am Kap, spielen sie nun in Hamburg oder Afrika.

Auch Neckermann ist nicht zum ersten Mal hier. Fotograf Michael Reh aus New York schwärmt vom Licht, das "klar" und "knackig" sei, in jedem Fall besser als in Miami. Er liebt die unverbrauchten Studios und Indoor-Locations, genauso wie die vielfältigen Landschaften rund um die Stadt. Dass sein Team binnen eines Tages an Orten arbeiten kann, die so unterschiedlich sind wie Sylt und die Serengeti, das mache den Drehort Kapstadt aus.

Die Welt vereint sich in Kapstadt

"Sie finden bei uns eine Fülle verschiedener Landschaften und Locations auf engstem Raum", bestätigt Laurence Mitchell von der Cape Film Commission. Die Westküste sieht aus wie eine Halbwüste, das Hafengebiet wie Hongkong und Teile der City wie Los Angeles. Die Camps Bay erinnert an Südfrankreich, die Berge an die Schweiz und die Weingüter nordöstlich von Kapstadt an Landgüter am Rhein. "Sie können hier in zwanzig Minuten nach Frankreich oder in die Bahamas fahren", sagt Mitchell lachend. Das Ganze bei gutem Wetter, in einem englischsprachigen Land, zu "Good Value for Money" - zu einem guten Preis. Eine Fülle an Service-Firmen rund um Film und Shootings ist in den vergangenen Jahren entstanden. Und wer noch nach Komparsen sucht, sei in Kapstadt ohnehin an einer guten Adresse: "In unserer Multikulti-Gesellschaft finden Sie alles - auch deutsche Gesichter." Es ist ein alltägliches Bild in Kapstadt, dass Pappschilder an Laternenmasten den Weg zu Dreharbeiten weisen und Kamerateams mitten im Getümmel der Stadt, in Parks, an Stränden oder Industriegebieten ihr Drehgebiet abstecken. Derzeit sind wieder große Arbeiten am Gange: Eine der bekanntesten deutschen Produktionsfirmen am Kap, die "Two Oceans Production" von Giselher Ventzke, dreht an einer Kinoversion von "Die drei Fragezeichen". Die Briten filmen am Epos "The Flood" mit Robert Carlyle (Trainspotting) und die Amerikaner drehen an einem möglichen Blockbuster: "The Blood Diamond" mit Leonardo DiCaprio.

Hinzu kommt eine Fülle an kleinen Produktionen - für Werbung, Mode und Co. Die Kapstädter nehmen es gelassen - und spielen gelegentlich mit: Ende Februar, ein Containerabladeplatz im Nordosten Kapstadts, es ist zwei Uhr nachts. Eine griechische Produktionsfirma dreht an einem Werbespot für ein hochprozentiges Getränk. Ein paar Hundert junge Leute kauern im Scheinwerferlicht auf Stahlträgern und warten auf das Kommando für eine Massenpartyszene. "Wir sind gestern durch die Clubs gegangen und haben Werbezettel für unsere Aufnahmen verteilt", erzählt Produzent George Moragemos. Einen Tag später kommen statt der benötigten 200 Statisten mehr als 300. Die Griechen sind begeistert - und drehen die Musik auf.

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