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Flüge nach Afghanistan: Nonstop zum Hindukusch

Direktflüge in ein Land, das sich in einem kriegsähnlichen Zustand befindet, erscheinen unsinnig. Safi Airways hebt dennoch drei Mal wöchentlich von Frankfurt nach Kabul ab. Die Fluglinie wird von deutschen Managern aufgebaut.

Von Till Bartels

Am 19. August landeten 92 kranke und verletzte Kinder aus Afghanistan am Frankfurter Flughafen. Sie sind zur medizinischen Versorgung in Deutschland, weil es in ihrem Heimatland für sie keine Behandlungsmöglichkeiten gibt. Im Rahmen eines Hilfsprogramms der Organisation "Friedensdorf International" wurden sie bundesweit auf mehrere Kliniken verteilt, die die stationären Behandlungen kostenlos übernehmen.

Im Gegensatz zur früheren Sonderflügen oder komplizierten Umsteigeverbindungen flogen die Kinder an Bord einer Linienmaschine nonstop von Afghanistan nach Deutschland. Die vor knapp drei Jahren gegründete Safi Airways verbindet seit diesem Sommer die Hauptstadt Kabul mit Frankfurt. Bei den drei wöchentlichen Flügen zwischen Deutschland und Afghanistan handelt es sich um die einzige kommerzielle Nonstopverbindung seit 30 Jahren. Safi Airlines hat die Aufgabe, "Afghanistan wieder mit der Welt zu verbinden", so Rahim Safi, der Chairman von Safi Airways. "Mit der neuen Strecke bieten wir Reisemöglichkeiten für die Bevölkerung unseres Landes ebenso wie für die vielen ausländischen Bürger, die in Afghanistan beruflich tätig sind."

Als erste afghanische Fluggesellschaft erfüllt Safi Airways die Standards der Internationalen Zivilluftfahrt Organisation ICAO und wurde im Mai 2009 offiziell zertifiziert. Drei Mitglieder des vierköpfigen Management-Teams stammen aus Deutschland, darunter der Präsident und Chief Executive Office Tilman Gabriel, der 20 Jahre für Lufthansa als Pilot und Manager tätig war. Auch die Cockpit-Besatzung von Safi Airways kommt zum größten Teil aus Europa.

Innerafghanische Strecken sind vorerst eingestellt

Auf der Frankfurt-Route fliegt die Airline mit einem Jet vom Typ Boeing 767-200ER mit 18 Plätzen in der Business Class sowie 196 Plätzen in der Economy Class. Gewartet wird die Maschine in Frankfurt durch Lufthansa Technik. Mit zwei kleineren Maschinen vom Typ Boeing 737-300 werden zwei tägliche Verbindungen zwischen Kabul und Dubai sowie Destinationen in weiteren Golfstaaten bedient.

Einen Rückschlag musste die junge Fluggesellschaft mit Hauptsitz in Kabul und Verwaltungssitz in Dubai bereits hinnehmen. "Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in Verbindung mit operativen Gründen haben wir als Vorsichtsmaßnahme unsere Flüge zu den innerafghanischen Destinationen Kandahar, Herat und Mazar-e-Sherif bis auf Weiteres ausgesetzt", teilte Claus Fischer, Chief Commercial Officer von Safi Airways, auf Anfrage von stern.de mit. Alle internationalen Verbindungen von und nach Kabul sind von dieser Maßnahme jedoch nicht betroffen.

Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt

"Die Verbindungen zwischen Deutschland und Afghanistan sind seit der Regentschaft von König Amanullah Khan in den 20er Jahren eng", sagt Hans Werner Lauk, der deutsche Botschafter in Kabul und begrüßt die Direktflüge aus Frankfurt. Mit der Verbesserung des Reiseverkehrs ist Afghanistan noch kein touristisches Ziel. Das Auswärtige Amt hat für Afghanistan eine Reisewarnung ausgesprochen. "Trotz Präsenz der internationalen Schutztruppe ISAF kann es landesweit zu Attentaten kommen. Die Sicherheitskräfte der Regierung sind nicht in der Lage, Ruhe und Ordnung zu gewährleisten", heißt es auf der Website mit den Reise- und Sicherheitshinweisen des Ministeriums.

"Vor und insbesondere nach den Wahlen, während der Dauer des Auszählungsprozesses und bis zur Feststellung des amtlichen Endergebnisses (voraussichtlich Mitte/Ende September 2009), kann es aufgrund der Sicherheitssituation insbesondere in den Städten des Landes zur Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten kommen." Besonders bei Überlandfahrten sollten nur im Konvoi, nach Möglichkeit bewacht und mit professioneller Begleitung durchgeführt werden.

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