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Gefährliche Reisen No-go-Liste 2020: An diesen Orten sind Urlauber im kommenden Jahr unerwünscht

Touristen auf der Treppe beim Parkeingang
Touristenmassen schieben sich in den Park Güell in Barcelona
© Andrea Warnecke / Picture Alliance
In langer Tradition gibt das Magazin "Fodor's" Reisetipps und inzwischen auch Nicht-Reise-Tipps. Die Sammlung von Orten, die Touristen meiden sollten, gilt diesmal für satte zehn Jahre.

Jedes Jahr bringt der Reiseführer "Fodor's" eine Liste von Reisezielen heraus, die man besser nicht mehr besuchen sollte. Die Gründe dafür sind unterschiedlich und können ethischer, ökologischer oder auch mal politischer Natur sein. Ziel der Liste für 2020 ist, aus Reisenden bessere Reisende zu machen, die sich die aufgeführten Orte sogar für das gesamte kommende Jahrzehnt als eine "Jetzt nicht hinfahren"-Mahnung notieren. Denn hier brauchen die gelisteten Reiseziele eine Erholungspause, weil sie in den vergangenen Jahren von Touristen überrannt worden sind und sich neben den Bewohnern auch die Städte, Orte, Berge (!) regenerieren müssen.

Seit 2018 führen Amsterdam, Venedig, Machu Picchu, das thailändische Koh Tachai sowie die griechische Insel Santorin die überlasteten Reiseziele an. 2019 baten die Bewohner der schottischen Isle of Skye, der Osterinseln, von Dubrovnik und Mallorca darum, dass Besucher sorgfältiger darüber nachdenken sollten, ob und wann sie kommen. Die Orte aus diesen Jahren sind weiterhin überlastet, aber für die kommende Dekade kommen noch welche hinzu.

Touristen vor der Sagrada Familia in Barcelona
Touristen sind für die Stadt Barcelona zu einer Plage geworden
© Manu Fernandez / Picture Alliance

Es geht nicht darum, das Reisen zu verbieten – sondern besser zu planen

"Weder breitere Bürgersteige noch zusätzliche Busse können das Problem lösen, das der Tourismus für diese Stadt bedeutet", schrieb "Forbes" im Juli 2019 über die Überbelastung von Barcelona durch Touristen. Gerade in den bewohnten Stadtteilen mit Attraktionen wie der Sagrada Familia und dem Park Güell sei einfach kein Platz da, um mehr Touristen durchzuschleusen. Airbnb hat es für die Einwohner noch schlimmer gemacht, weil die Kurzzeit-Gäste die Preise auf dem Mietenmarkt nach oben treiben. Umweltbelastung – etwa durch Müll – und tote Nachbarschaften verringern die Lebensqualität für die Stadtbewohner. Trotz einer aktivistischen Bürgermeisterin und 500 sogennannten Superblöcken, an denen kaum noch Verkehrsmittel passieren dürfen, wodurch mehr Raum für Fußgänger und Spielplätze bleibt, braucht Barcelona Zeit, sich von den und für weitere Besucher zu erholen.

In Kalifornien leidet die Gegend rund um Big Sur. Mitverantwortlich für den starken Zulauf ist hier die erfolgreiche HBO-Serie "Big little lies", die die landschaftlich faszinierende Region am Highway 1 in den Fokus von Touristen gerückt hat. Anwohner beklagen unter anderem das Fehlen öffentlicher Toiletten, was zu ekelerregenden Zuständen am Straßenrand führt, sowie die zunehmende Zahl an Wildcampern – und das in einer Gegend, in der jedes Jahr größere Flächenbrände ausbrechen. Auch wenn Pläne für nachhaltigeres Reisen in der Region geschmiedet werden sollen, lässt sich noch nicht abschätzen, ob sie für eine positive Entwicklung ausreichen werden.

Ein Tourist betritt einen Tempel der Anlage
Touristen bedrohen Standfestigkeit und Schönheit des 900 Jahre alten Weltkulturerbes Angkor Wat in Kambodscha
© Chalabala / Getty Images

Selbst Weltkulturerbe-Stätten sind bedroht

Kombodschas meistbesuchte Tempelanlage, das Weltkulturerbe Angkor Wat, gehört ebenfalls zu den Orten, denen ihre Popularität zum Verhängnis wird. Die Abnutzungserscheinungen der 900 Jahre alten Stätte wirken sich negativ auf das Fundament und die Standortsicherheit aus: Stufen sind glitschig und sakrale Reliefs nutzen ab, weil so viele Touristen sie berührt haben. Aus Sorge um den Tempel wurde die Zahl an Touristen, die sich den abendlichen Sonnenuntergang auf der Spitze des Phnom Bakheng ansehen dürfen, auf 300 limitiert. Hinzu kommt die Wasserknappheit der Region, die besonders unter starker Beanspruchung durch die örtlichen Hotels leidet.

Die indonesische Lieblingsinsel aller Touristen, Bali, wird seit Jahren so stark aufgesucht, dass ihre Schönheit inzwischen deutlich sichtbar unter Plastik-Vermüllung leidet – am Strand wie im Wasser. Eine Art Kurtaxe wird erwogen, um dem Herr zu werden. Auf Bali fallen täglich 3800 Tonnen Müll an, von denen nur 60 Prozent den Weg auf die Deponie finden. Seit Dezember 2018 besteht ein Verbot von Einwegplastik auf der Insel, eine Gebrauchsanweisung für den respektvollen Umgang mit religiösen Plätzen ist in Arbeit – sie verbietet den Zutritt in Badekleidung und das Klettern über heilige Stätten.

Instagram lockt Fototouristen an extreme Orte

Durch die dicht besiedelte Nachbarschaft von Hanois Old Quarter schlängelt sich ein Gleisbett, auf dem seit 1902 Züge verkehren – ein extrem beliebtes Motiv für Touristen, die sich dort ablichten lassen wollen. Trotz der Enge und obwohl die Gleise noch immer in Betrieb sind, quetschen sich Instagrammer zwischen die kleinen Stände vor den Häusern und die einfahrende Bahn, um ein möglichst aufregendes Motiv zu erhaschen. Das hat dazu geführt, dass Händler dort Stände eröffnet hatten, um die Touristen mit Snacks zu versorgen. Sie wurden inzwischen verboten. Dennoch muss der Zug gelegentlich Notbremsungen machen, um die Selfie-Touristen nicht umzufahren.

Das Matterhorn und eine Schweizer Flagge davor
Auf dem Matterhorn wird es immer gefährlicher
© AsianDream / Getty Images

Doch nicht nur Städte und kulturelle Orte werden durch Touristen in Mitleidenschaft gezogen, auch das Matterhorn ist kein guter Ort mehr für Besucher. 2019 stürzten bislang sieben Bergsteiger in den Tod, 2018 waren es elf. Ein Bergführer sagte dem Züricher "Tages-Anzeiger", dass der Berg zu unsicher geworden sei und damit zu gefährlich, um täglich von einer Menge Menschen bestiegen zu werden: In immer höheren Lagen taut der Permafrost und lässt die Felsen bröckeln. Doch von offizieller Seite soll es kein Kletterverbot geben, da die Behörden sich nur für Risikowarnungen in der Verantwortung sehen. Die örtlichen Profis halten das für einen Fehler, gönnen wir dem Berg also besser eine Pause.

Quellen:"Fodor's Travel", "Forbes"

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