HOME

Tourismus: Nordkoreas einziges Skigebiet - über Luxus, wo es eigentlich keinen Luxus gibt

Kim jong-un ging in der Schweiz zur Schule - und lernte Skigebiete lieben. Nun hat er eines in Nordkorea nachgebaut. Es kommt luxuriös daher. Aber die Wege dahin sind holprig.

Nordkoreaner können sich Skifahren eigentlich nicht leisten - nur mit Schulen oder Arbeitstouren geht's ins Skigebiet.

Nordkoreaner können sich Skifahren eigentlich nicht leisten - nur mit Schulen oder Arbeitstouren geht's ins Skigebiet.

Es ist ein Traum für jeden Wintersportler - lange, frisch präparierte Pisten in herrlicher Bergkulisse. Und das Beste: sie sind fast menschenleer. Masikryong heißt das Skigebiet und es wäre ein Geheimtipp, läge es nicht in Nordkorea. Die wenigen Skifahrer, die an diesem Tag auf dem Berg Taehwa unterwegs sind, sind fast alle Ausländer. "Das ist wirklich cool hier. Neue Pisten und niemand ist da", sagt der Schwede Patrik Hultberg. Der norwegische Software-Entwickler Lars Eidnes war schon im Iran und in Kirgistan Snowboardfahren. "Wenn du dann noch eine Steigerung willst, dann musst du nach Nordkorea kommen", sagt er.

Air Koryo: Einsam auf dem Rollfeld: Der trostlose Alltag von Nordkoreas Airline
Air Koryo

Wenig Betrieb auf dem Flughafen Sunan, dem Airport der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang.

Nur auf dem Anfängerhügel sind Nordkoreaner zu sehen. Kwak Jong Song stand gerade zum ersten Mal in seinem Leben auf Skiern. "Erfrischend" sei es gewesen, sagt der Kapitän und fügt, wie es alle Nordkoreaner im Gespräch mit Ausländern tun, einen Dank an den "obersten Führer Kim Jong Un" an, der sich voll und ganz "für das Glück des Volkes" einsetze.

Nordkorea: Nachmachen, was in Südkorea passiert

Mit dem Bau des ersten und einzigen Skigebiets in Nordkorea wurde begonnen, nachdem Südkorea den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 bekommen hatte. Staatschef Kim ging in der Schweiz zur Schule und hat die Wintersportorte in den Alpen kennengelernt. "Er hat einfach beschlossen nachzumachen, was er dort gesehen hat", sagt der Nordkorea-Experte Andrei Lankov, der an der Kookmin-Universität in Seoul lehrt.

Die Partei ist überall dabei.

Die Partei ist überall dabei.


144 Mal sei Kim während der Bauarbeiten nach Masikryong gereist, um persönlich seinen Rat zu erteilen, erzählt ein Führer im Besucherzentrum des Skiresorts. Dort ist auch ein Foto zu sehen, das Kim im Sessellift zeigt - allerdings ohne Skier.

Holprige Straßen, Tunnel ohne Beleuchtung

Drei Stunden dauert die Fahrt von der Hauptstadt Pjöngjang ins Skigebiet. Es geht über eine holprige Betonpiste und durch unbeleuchtete Tunnel. Arbeiter schaufeln die Straße vom Schnee frei. Unterwegs sind Bauern zu sehen, die Feuerholz auf Schlitten über gefrorene Seen ziehen oder mit Ochsenkarren unterwegs sind.

Ein großer Kontrast zum Luxus in Masikryong. Dort wartet ein nobles Hotel auf die Besucher und auf einem riesigen Bildschirm im Freien ist der Armeechor zu sehen. Eine Seilbahn des österreichischen Herstellers Doppelmayr bringt die Skifahrer auf den Berg. An der Aufschrift "Ischgl" ist abzulesen, dass die Anlage zuvor schon in den Tiroler Alpen im Einsatz war.

Seltener Luxus in Nordkorea - Vorbild sind Skiresorts in den Alpen.

Seltener Luxus in Nordkorea - Vorbild sind Skiresorts in den Alpen.


Ein Tagesskipass kostet für Ausländer umgerechnet 90 Euro, Einheimische zahlen weniger als ein Drittel - was etwa dem monatlichen Einkommen eines Arbeiters entspricht. Doch die wenigsten Nordkoreaner kommen auf eigene Faust zum Skifahren. Wenn, dann reisen sie organisiert auf Kosten ihres Betriebs oder mit ihrer Schule.

"Kosten sind nicht wichtig"

Rund 70.000 Menschen besuchten jedes Jahr das Skigebiet, sagt Hoteldirektor An Song Ryol und beteuert, dass es profitabel sei. "Die Kosten sind nicht wichtig, wenn es um Verbesserungen und das Wohlergehen unseres Volkes geht."

Masikryong sei Teil eines regionalen Entwicklungsplans gewesen und dahinter stecke die Vorstellung der Machthaber, dass ein erfolgreiches Land auch ein Skigebiet haben solle, sagt Nick Bonner, der Chef des Reiseveranstalters Koryo Tours, der sich auf Reisen nach Nordkorea spezialisiert hat. "Da ist nicht viel los und da war auch noch nie viel los", sagt Bonner. Dennoch hält er das Projekt nicht für völlig unsinnig. "Es braucht einfach Zeit."


Sebastien Berger/AFP

Wissenscommunity