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Singapore Sling: Pink für die Ladies

Der Ort, an dem der Singapore Sling erfunden wurde, ist ein Mythos: das Raffles Hotel in Singapur. Heute kann man den Drink in jeder guten Cocktail Bar der Welt genießen. Zum Glück - denn das Originalrezept galt lange als verschollen. Exklusiv für stern.de verrät Bartender Wolfgang Bogner die richtige Mixtur.

Von Friederike Nagel

"Ins Restaurant gehen alle weil sie Hunger haben, aber keiner geht an die Bar weil er Durst hat", beschreibt Bartender Bogner die besondere Atmosphäre, die rund um den Bartresen herrscht. Hier geht es um mehr. "Wir versuchen unseren Gästen ihre Erinnerungen, die sie mit einem Drink verbinden, erneut zu mixen." Exotische Asienerinnerungen, Shopping pur in Singapur, ein mondäner Abend im Raffles Hotel.

Blassrosa, perlend und fruchtig - das ist der Singapore Sling. Doch ganz so unschuldig wie er aussieht, ist der Gin-Drink nicht. "Der Sling ist ein Klassiker, ein alter, geerdeter und sehr anständiger Drink", sagt Bogner. In der legendären Long Bar des Raffles, um 1915 erfunden, wollte der chinesische Barmann Ngiam Tong Boon einen so genannten Ladydrink kreieren. "Dort hatte man eben auch erkannt, dass wenn mehr hübsche Damen kommen, Männer ganz von selbst aufkreuzen", sagt Bogner mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Geschmackliche Reise nach Singapur

Heute, so schätzt man in der Falk's Bar, zählt der Singapore Sling zu den zehn beliebtesten Drinks. Jeder Handgriff sitzt bei Bogner schon in der Vorbereitung. Mit fliegenden Fingern rangiert der 27-Jährige Gläser und Flaschen hinter der rechteckigen Barinsel, deren Wände in grün über gelb und von blau bis rot sanft wechseln. Er sortiert die Zutaten für den echten Singapore Sling der Reihe nach und greift nach einem Fizzglas. "Die Ansprüche des Gastes sind höher als der Schwierigkeitsgrad des Mixens bei diesem Drink", erzählt er währenddessen.

Es sei immer ein Unterschied ob ein Gast einen Drink kenne und deshalb einen ganz bestimmten Geschmack erwarte. Bogner sagt: "Wir in der Falk's Bar fragen deshalb beim Singapore Sling auch immer, ob der Drink in der Original- oder abgewandelten Version gewünscht wird." Denn wer das Original aus Singapur kennt, der möchte, dass man ihn geschmacklich dorthin zurück entführt.

Rezeptur verloren gegangen

"Das Glas muss für den Drink mit Eis vorgekühlt werden", sagt Bogner und lässt mit einer Zange vier Eiswürfel ins Glas ploppen. Er schüttet den frischen Fruchtsaft auf. "Immer auf die Qualität der Spirituosen achten und nach Möglichkeit frische Säfte verwenden", lautet sein Tipp, "es macht sich geschmacklich einfach bezahlt."

Der Originaldrink, den Ngiam Tong Boon einst in Singapur kreierte, enthielt Gin, Cherry Brandy, Ananassaft, Limettensaft, Benedictine und Angostura Bitter. Der Legende nach ist die schriftlich fixierte Rezeptur einige Jahre später verloren gegangen. Notizzettel und die Erinnerungen von Mitarbeiten des Raffles konnten die Zutatenliste wieder vervollständigen.

"So um 1970 soll der Sling durch den Barkeeper MacElohne in Harrys New York Bar in Paris umgewandelt worden sein", erklärt Wolfgang Bogner. Deshalb gibt es heute auch die Europäische Variante, den Singapore Gin Sling.

Der entspannteste Ort im Hotel

Bogner stellt beide Drinks zum Vergleich nebeneinander. Beide pink, der eine etwas klarer, der andere satter in der Farbe. "Sieht doch toll aus", sagt der Bartender zufrieden. Zigfach reflektiert sich das fruchtige Farbspiel in dem verspiegelten Raum. Die Geschichte des ältesten Saals im Hotel Bayerischer Hof in München reicht bis ins Jahr 1841 zurück. Unversehrt überstand der Spiegelsaal den Zweiten Weltkrieg und eröffnete als erstes Speiselokal im Münchner Zentrum am 22. Oktober 1945 wieder seine Tore.

Wolfgang Bogner schätzt die Bar aber noch aus anderen Gründen: "Jede Bar ist einfach immer der entspannteste Ort in einem Hotel." Nirgends möchte er lieber arbeiten, denn jeder Drink bedeutet eine Reise in Gedanken. Beim Singapore Sling geht es nicht selten zurück an die relaxte Long Bar des Raffles der goldenen Zwanziger.

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