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Raffles & Co: So luxuriös sind Asiens legendäre Kolonialhotels

Die armenischen Sarkies-Brüder gründeten im 19. Jahrhundert nicht nur das legendäre Raffles in Singapur, sondern auch Grandhotels in Malaysia und Myanmar. Wir zeigen die drei Hotellegenden mit heute noch einzigartigem Flair. 

Raffles Hotel, Singapur

Raffles Hotel, Singapur

Palmen, Orchideen und duftende Blumenarrangements in der dreistöckigen Lobby des Raffles, dem Flaggschiff der gleichnamigen Luxushotelkette. Deren Dutzend Häuser gehören seit 2016 zur französischen Accor-Gruppe.

Das weiße Gebäude an der Beach Road in Singapur ist mehr als nur ein Hotel: ein Nationaldenkmal, um das sich zahlreiche Geschichten ranken. So soll sich ein Tiger, der aus einem Zirkus ausgebrochen war, in den Billardsalon des Hauses eingedrungen und dort per Minisafari erlegt worden sein.

Der Name erinnert an Thomas Stamford Raffles, den Gründer der Stadt Singapur im frühen 19. Jahrhundert. Das Hotel selbst entstand vor 130 Jahren noch direkt am Wasser, doch liegt es heute durch Zuschüttungen in einiger Entfernung zur Marina Bay in der Innenstadt und umfasst einen ganzen Häuserblock.

Zunächst war das Raffles nur ein Bungalow mit zehn Zimmern der lebenslustigen Sarkies-Brüder aus Armenien: Martin, Tigran, Aviet und Arshak hatten nach der Eröffnung des Suezkanal 1869 erkannt, dass sich der Warenverkehr auf der Seidenstraße vom Landweg auf die Schifffahrtsrouten verlagert und an strategisch wichtigen Handelsort ihre Hotels gebaut. 1884 in Georgtown auf der Insel Penang in Malaysia, 1887 das Raffles in Singapur und 1901 The Strand in Yangon, dem heutigen Myanmar.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Brüder die führenden Hoteliers in Südostasien und ihre Häuser ein Begriff im British Empire. Die Sarkies setzten früh auf Service, etablierten edle Restaurants in ihren Unterkünften, importierten Kaviar aus dem Kaspischen Meer, waren optimal mit den Kolonialoffizieren vernetzt und schmissen in ihren Ballsälen rauschende Feste.

Touristenmagnet Singapore Sling im Raffles Hotel

Auch durchreisende Literaten wie Rudyard Kipling, Sommerset Maugham, Hermann Hesse und André Malraux stiegen in ihren Hotels ab und mehrten mit Ihren Texten den Ruhm, besondere Absteigen zu sein. Die Writers Bar und die Namen der Suiten erinnern im Raffles bis heute an die berühmten Autoren. Doch ein Teil ihres Vermögens verspielten die Sarkies beim Glückspiel und Pferdewetten. Als Arshak 1931 als letzter der vier Brüder starb, war der Bankrott des Raffles unabwendbar.

Alle drei Hotels existieren bis heute und pflegen weiterhin ihr koloniales Erbe, auch wenn sie mehrmals die Besitzer wechselten und durch Anbauten kräftig erweitert wurden. So gehören zum Raffles mehrere Anbauten, Arkadengänge mit 40 Edelboutiquen und einen ganz auf Touristen abgestimmten Barbetrieb, die hier schon vormittags einfallen und Cocktails schlürfen: Der Barkeeper Ngiam Tong Boon hatte in der Long Bar einst den Singapore Sling erfunden.

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