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"Vaccinated Travel Lane" Fernreise nur für Geimpfte – ein Erfahrungsbericht

Boeing 777-300 von Singapore Airlines
Die für ausschließlich vollständig geimpfte Passagiere veranstalteten VTL-Flüge von Singapore Airlines starten ab sofort drei Mal wöchentlich mit einer Boeing 777-300 als SQ 325 ab Frankfurt und als SQ 331 zwei Mal pro Woche mit einem Airbus A350-900 ab München. Lufthansa beginnt mit designierten VTL-Flügen ab dem 16. September.
© Markus Mainka / Picture Alliance
Nach eineinhalb Jahren öffnet sich Singapur wieder für Reisende. Spezielle Korridor-Flüge nur für Geimpfte machen es möglich. Doch die Auflagen und die administrativen Anforderungen bis zum Start sind enorm. 

Als erste Fluglinie hat Singapore Airlines eine "Vaccinated Travel Lane" (VTL) zwischen Deutschland und dem Stadtstaat in Südostasien eröffnet. Weltweit ist es die erste Öffnung Singapurs für alle Reiseformen, nicht nur für Geschäftsreisende, sondern endlich auch für Touristen.

Wer vollständig geimpft und alle Kriterien für den "Reisekorridor für Geimpfte" erfüllt – so die freie Übersetzung für VTL – muss nach der Landung nicht mehr in die vierzehntägige Quarantäne und darf sich in Singapur frei bewegen. Doch er muss viele PCR-Tests über sich ergehen lassen und so zeitraubende digitale Formulare ausfüllen, wie ich es noch nie bei einer Reisevorbereitung erlebt habe. Außerdem kommen erhebliche Zusatzkosten auf einen zu.

Wichtigstes Dokument: der VTL-Pass

Als erstes muss ich den Antrag für den Vaccinated Travel Pass ausfüllen, für den ich meine E-Mail-Adresse zunächst bestätige und die üblichen Angaben wie Namen, Passdaten, geplante Reisezeit, Hotelübernachtung sowie mein Impfzertifikat hochladen muss, was sich als weit komplizierter herausstellt, als ich vermutet habe. Denn das Online-Formular will den QR-Code meines vollständigen Impfschutzes nicht akzeptieren.

Die CovPass-App erlaubt bekanntlich keinen Screenshot des QR-Codes, und das PDF-Dokument, das sich aus der App exportieren und dann hochladen lässt, ergibt nur Fehlermeldungen. Liegt es vielleicht an meiner Kreuzimpfung mit zwei verschiedenen Impfstoffen?

Erst die Hotline der Airline schafft Abhilfe: Ich müsse die digitalen Nachweise beider Impfungen hochladen. Doch meine CovPass-App, mit der ich zuvor problemlos durch Europa geflogen war, zeigt nur einen QR-Code, den der zweiten Impfung. Wo steckt der Code der ersten Impfung, nach dem ich bisher nie gefragt wurde?

Längst bin ich durch die vielen Versuche aus dem Anmeldesystem geworfen. Ich muss alle Daten erneut eingeben. Wieder Fehlanzeige. Dann entdecke ich eine Telefonnummer in der CovPass-App. Ich will herausfinden, wie ich den Code meiner ersten Impfung erhalte. Wider Erwarten erreiche ich beim ersten Anruf einen Mitarbeiter, der eine simple Erklärung parat hat: Ab mit dem gelben Impfausweis zur nächsten Apotheke. Dort kann ich mir das "digitale Covid-Zertifikat der EU" auf einem Papier ausdrucken lassen.

Die erforderlichen Schritte für eine Reise nach Singapur
Die erforderlichen Schritte für eine Reise nach Singapur
© Singapore Tourism Board

Eine halbe Stunde später bin ich im Besitz des Papiers mit einem QR-Code, den ich in die CovPass-App einscanne und als PDF an meinen Rechner sende. Erneut beantrage ich einen Log-in für das VTL-Portal und gebe zum dritten Mal meine persönlichen Daten ein. Jetzt funktioniert das Hochladen beider PDF-Dokumente mit den QR-Codes: Das System akzeptiert meine Impfungen.

Im Voraus bezahlte Versicherung und PCR-Tests

Doch das Prozedere ist noch nicht abgeschlossen. Zum Abschließen des Antrags muss ich noch den bei der Einreise in Singapur obligatorischen PCR-Test im Voraus per Kreditkarte bezahlen, macht 194,07 Singapur-Dollar, umgerechnet 122 Euro. Dieser Schritt wird sich später nach meiner Ankunft noch als ein Fehler herausstellen. Aber nach wenigen Minuten erhalte ich per E-Mail die Referenznummer für meinen VTL-Pass mit zehn Seiten juristischen Ausführungen als PDF-Anhang.

Zeitwand inklusive Gang zur Apotheke um die Ecke: 2 Stunden und 35 Minuten.

Zusätzlich benötigt jeder VTL-Reisende noch eine Corona-Versicherung bei der Changi-Versicherung, die auch Behandlungskosten bis zu einer Höhe von 30.000 Singapur-Dollar (ca. 19.000 Euro) übernimmt. Die 23,65 Singapur-Dollar, umgerechnet 15 Euro, sind schnell bezahlt.

Zeitaufwand: 7 Minuten.

Anschließend buche ich den erforderlichen PCR-Test vor Abflug für 59 Euro, den ich beim Check-in Frankfurt vorzeigen muss. Dieser darf frühestens 48 Stunden vor Abflug erfolgen. Auf die Bestätigung des Termins von der Firma Centogene im Hamburger Flughafen warte ich vergebens. Ein Anruf in deren Callcenter ergibt, dass ich mich erst registrieren muss. Das kann ich online nachholen und so den erworbenen Test-Gutschein einlösen.

Zeitaufwand: 45 Minuten

Zum PCR-Test 48 Stunden vor Abflug

Einen Tag vor Abflug mache ich mich zum Hamburg Airport auf, obwohl ich noch gar nicht fliegen will. Die beiden Testzentren im Terminal Tango sind bis auf das Personal menschenleer, ich bin der einzige Kunde. In nur zwei Minuten sind Papierkram und Rachenabstrich erlegt.

Zeitaufwand für den Abstecher zum PCR-Test am Flughafen: 70 Minuten.

Abends kann ich mich auf dem Centogene-Portal einloggen und das Ergebnis abrufen: negativ. Die Bescheinigung kann ich mir auch auf Englisch (erforderlich) und Mandarin ausdrucken.

Dann glaubte ich alle Hürden vor dem Abflug genommen zu haben. Doch erhalte ich am Tage des Abfluges eine E-Mail, dass ich vor Reiseantritt die Trace Together App auf mein Smartphone zu laden und die Singapore Arrival Card im Netz auszufüllen habe. Wieder gilt es alle persönlichen Daten inklusive Hotelaufenthalt einzugeben.

Ich muss noch Rechenschaft über alle Länder ablegen, die ich in den letzten 21 Tagen bereist habe, inklusiver aller deutschen Bundesländer, die mir im Pulldown-Menü angezeigt werden. Anschließend wird mir noch ein halbes Dutzend Fragen zu meinem Gesundheitszustand gestellt, ob ich Fieber oder Covid-ähnliche Symptome habe.

Und ich soll das Ergebnis meines aktuellen PCR-Tests hochladen. Das PDF aber habe ich auf dem Handy, nicht auf dem Rechner. Die Uhr läuft, ich muss bald zum Zug nach Frankfurt.

Nach mehr als sechs Stunden Flugzeit wird es draußen hell. Bis zu 165.000 Liter Kerosin fassen die Tanks der zweimotorigen Maschine. Das verschafft dem Airbus A350 eine Reichweite von bis zu 18.000 Kilometern.

Auch hier wie bei allen anderen Formularen vermisse ich am Anfang einen Hinweis, welche Dokumente ich im Laufe des Antrags zum Hochladen parat haben muss. Das würde den Zeitaufwand dieser vorerst letzten bürokratischen Hürde von 23 auf 10 Minuten reduzieren.

Mit 19 auf dem Handy gespeicherten PDF-Dokumenten, diversen Ausdrucken und dem Rail&Fly-Ticket setze ich mich in den ICE nach Frankfurt und bin gespannt, wie lange die Check-in-Prozedur am Flughafen für den Nachtflug nach Singapur dauern wird.

Fazit 

Zeitaufwand zum Ausfüllen aller mit dem VTL-Flug verbundenen Anträge: 4 Stunden und 10 Minuten

Zusatzkosten neben Flug und Hotel: zunächst 196 Euro. In Singapur werden weitere PCR-Tests in Rechnung gestellt.

Fortsetzung folgt, am 17. September auf stern.de

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