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Tsunami vor Samoa Inselstaat jenseits des Massentourismus


Die Flutwelle traf das Inselparadies an seiner Südküste und damit an einer empfindlichen Stelle: Die wenigen Hotels und Gästehütten Samoas standen im Süden der Hauptinsel Upolu. Unter den Toten und Verletzten sind auch Touristen.

Der Tourismus ist in dem Inselstaat im südwestlichen Pazifik wenig ausgeprägt. Es gibt nur wenige Hotels und etwa 30 einfache Hütten an den Stränden, in denen Individualreisende übernachten, die das samoanische Leben nachvollziehen wollen. "Da sieht es wohl so aus, als wenn alles weggeschwemmt worden ist", sagte der deutsche Honorarkonsul Arne Schreiber zur Deutschen Presseagentur DPA, der vermutet, dass viele Touristen betroffen sind. "Ich wollte in der Gegend anrufen. Da ist niemand telefonisch zu erreichen. Aber die Telefonverbindungen wurden wohl auch zerstört. Wenn Leute draußen am Strand gewesen sind, dann wurden sie möglicherweise von der Welle mitgerissen. Die Holzhütten dürften der Kraft der Welle nicht standgehalten haben. Nun weiß man aber nicht, ob die Leute nicht schon vorher in die Berge oder in höhere Gebiete gegangen sind."

Zwei deutsche Touristen verletzt

Ein deutsches Ehepaar aus Berlin wurde am sogenannten Coconut-Beach verletzt, als es von der Welle erfasst wurde. Beide seien ärztlich versorgt worden und würden nun konsularisch betreut, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Die deutschen Vertretungen in der Region bemühten sich im Kontakt mit den örtlichen Behörden um Aufklärung, ob weitere Deutsche von dem Tsunami betroffen seien. "Ich wurde vom Hospital angerufen. Sie sind jetzt in einem anderen Hotel untergekommen. Inzwischen gibt es immer mehr E-Mails von Menschen, die nach ihren Verwandten fragen. Ich hoffe, da kommt morgen nichts Schlimmes dabei raus", so Schreiber.

Tourismus auf West-Samoa

Im Vergleich mit anderen Südseeinseln ist Samoa touristisch kaum erschlossen. . Der Tourismus entwickelte sich dennoch in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Einnahmequelle. Zwei Drittel der Inselbewohner leben noch von der Landwirtschaft, die aber nur einen geringen Anteil am Bruttosozialprodukt hat. Die industrielle Produktion beschränkt sich auf Autoteile für japanische Kleinwagen und Tabakanbau. 90.000 Touristen kommen pro Jahr, die meisten sind Auslandssamoaner aus Amerikanisch-Samoa und Neuseeland. Denn viele junge Samoaner gehen nach Ost-Samoa oder aber nach Australien und Neuseeland, um Geld für ihre Familie zu verdienen.

"Nichts steht mehr an der Südküste", sagte die Vorsitzende des Hotelverbandes von Samoa, Nynette Sass, fassungslos im neuseeländischen Rundfunk. "Es ist alles platt, alles", berichtete der Neuseeländer Graeme Ansell über die Touristenanlage Sau Sau Beach. "Es ging alles rasend schnell. Kein Gebäude steht mehr. Wir sind alle auf die Hügel gerannt." Samoa hat sich als "Südsee-Juwel" vermarktet und in den vergangenen Jahren Touristen vor allem aus Australien und Neuseeland angezogen. Dort sind Schulferien, deshalb waren auch viele Familien am Wasser. Paradies-Strand und Kokosnuss-Bucht heißen die idyllischen Regionen am Meer. Amerikanische Fernseh-Crews drehten dort gerade die neuesten Episoden der Reality-Show "Survivor".

Die Südküste lockt mit langen Sandstränden, viele der Anlagen entsprechen dem, was Besucher aus kälteren Gefilden erwarten: Hütten, von einfach bis luxuriös, die am Strand möglichst nur wenige Meter vom Meer entfernt unter Palmen stehen. Von den Anlagen war nach der Welle nichts mehr übrig. Ob die Touristen es alle auf die nahen Anhöhen schafften, war unklar.

Inselgruppe jenseits der Datumsgrenze

Die Inseln liegen auf halbem Wege zwischen Hawaii und Neuseeland. Sie befinden sich östlich der internationalen Datumsgrenze, liegen 13 Stunden hinter Deutschland. Das Gebiet Westsamoas umfasst rund 3000 Quadratkilometer mit zwei Hauptinseln und acht kleineren Inseln. 99 Prozent der Einwohner siedeln auf den Hauptinseln Upolu mit der Hauptstadt Apia und Savai'i. Amtssprachen sind die polynesische Sprache Samoanisch und Englisch. Auf den Inseln leben insgesamt rund 240.000 Menschen.

Amerikanisch-Samoa ist mit 200 Quadratkilometern deutlich kleiner, besteht aus einigen Vulkaninseln und zwei Atollen. 66.000 Menschen leben in dem US-Gebiet.

Der unabhängige Staat Samoa machte zuletzt Anfang September Schlagzeilen, als die Regierung gegen den Protest der Bevölkerung von Rechts- auf Linksverkehr umstellte. Samoa ist eine parlamentarische Demokratie, die die westliche Demokratie mit den eigenen Traditionen vermischt. Wahlberechtigt sind zum Beispiel nur die Häuptlinge der Großfamilien.

Außerhalb der Hauptstadt Apia ist das Leben auf Westsamoa einfach, die Menschen leben als Selbstversorger in Großfamilien. Häuptlinge, die Matais, und Pastoren geben den Ton an, die polynesische Kultur wird gelebt. Daran scheiterten in den vergangenen Jahren auch immer wieder Tourismuskonzerne, die an den Traumständen Hotelanlagen bauen wollten. Zu wichtig ist den Bewohnern ihre traditionelle Lebensweise, als dass sie ihre Kultur dafür aufgeben würden.

Einst deutsches Eiland

Der Westteil der Insel war früher eine deutsche Kolonie. Bei einer Aufteilung der Einflussbereiche in der Südsee bekam Deutschland 1899 den Westteil der Insel zugesprochen, die Amerikaner den Ostteil. Der erste deutsche Gouverneur Wilhelm Solf sammelte Waffen und Munition ein, baute Schulen und Straßen und sorgte dafür, dass die Samoaner Kokospalmen pflanzten und am Handel beteiligt wurden. 1914 endete die deutsche Herrschaft mit dem Einmarsch neuseeländischer Truppen. 1962 wurde Samoa von Neuseeland in die Unabhängigkeit entlassen. Der Ostteil gehört zu den USA und ist vom amerikanischen Lebensstil deutlich stärker geprägt.

Erdbebenaktive Region

Die Region bei Samoa und im Tonga-Graben gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen der Welt. "In dem Bereich gibt es weit über 80 Prozent aller weltweiten Beben", sagte der Leiter der Erdbebenstation der Universität Köln, Professor Klaus-G. Hinzen. Dort liege die Grenze zwischen der pazifischen und der australischen Erdplatte. Beide bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von etwa acht Zentimetern pro Jahr aufeinander zu. Das jetzige Beben mit der Stärke 8 sei bei weitem nicht so stark wie das schwere Beben vor Sumatra im Dezember 2004, bei dem Stärken bis 9,4 gemessen wurden. "Dennoch kann ein solches Beben Tsunamis auslösen, die in ungünstigen Bereichen der Küstenregionen Wellen erzeugen, die Zerstörungen anrichten."

Ähnlich äußerte sich der Leiter der Sektion Seismologie am Deutschen Geo-Forschungs-Zentrum (GFZ) in Potsdam, Rainer Kind. "Es war ein sehr flaches Beben", erklärte Kind - nach den ersten Messungen nur zehn Kilometer unter dem Meeresboden. Auch die Tatsache, dass das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii eine 1,57 Meter hohe Flutwelle beobachtet habe, spreche für ein flaches Beben. "Tsunamis, die von einem Beben der Stärke 8 ausgelöst werden, breiten sich normalerweise nicht über einen gesamten Ozean aus", sagte Kind.

DPA/swd DPA

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