HOME

Kältewelle in Deutschland: Die Temperaturen sinken weiter

Der Frost bleibt hartnäckig - zumindest in Norddeutschland. Seit Tagen bibbert der Norden. In Mecklenburg-Vorpommern ist es derzeit kälter als auf der Zugspitze. Die Aussichten für die kommenden Tage sind wenig erwärmend.

Schnee und eisige Kälte haben Deutschland weiter fest im Griff. In einigen Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern sanken die Temperaturen in der Nacht zum Dienstag nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Frankfurt/Main auf unter minus 20 Grad - und das bei abnehmender Tendenz. "Es kommt nochmal ein Kältezuschlag", sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Wegen einer in Richtung Westen wandernden sibirischen Kaltluftwelle könnten die Temperaturen in der Nordhälfte in der kommenden Nacht noch etwas sinken. "In Polen haben wir schon minus 30 Grad. Diese Kaltluft ist in Bewegung und kommt zu uns herüber." Am Mittwoch soll es außerdem stürmen und schneien.

Kälterekordhalter waren in der Nacht zum Dienstag dem DWD zufolge die beiden mecklenburgischen Gemeinden Ueckermünde am Stettiner Haff nahe an der Grenze zu Polen sowie Goldberg südlich von Rostock mit jeweils minus 21 Grad. In Richtung Westen schwächte sich die Kältewelle zwar generell etwas ab, aber auch dort lagen die Temperaturen in der Nacht zum Dienstag im zweistelligen Minusbereich. In Essen und in Hamburg maßen die Wetterstationen minus 15 Grad.

Im Nordosten wurden zuletzt 2006 und 1997 solche Minusgrade verzeichnet, wie der Wetterdienst Meteomedia auf Hiddensee am Dienstag berichtete. Den bundesweiten Rekordwert im Januar hält bislang Sachsen-Anhalt: Dort wurden am 5. Januar vom DWD in Querfurt minus 22 Grad gemessen.

Minus 20 Grad und Winterstürme

Ähnlich kalt wird es in der Nordhälfte in der Nacht zu Mittwoch wohl erneut. Der DWD rechnete nach eigenen Angaben mit Temperaturen von minus acht bis örtlich minus 20 Grad. Außerdem warnen die Meteorologen vor Winterstürmen, die sich am Mittwoch allmählich in Richtung Süden ausbreiten und dabei in Verbindung mit kräftigen Schneefällen vor allem nördlich der Mittelgebirge zu Verwehungen und Verkehrsbehinderungen führen können.

Paetzold hält es aber für möglich, dass es in den kommenden Tagen noch kälter werden kann. Nach den erwarteten Schneefällen in ganz Deutschland könne das Thermometer bei einem Hochdruckgebiet noch tiefer sinken. Eine dicke Schneeauflage wirke dann wie eine "Isolierschicht und ein Kühlkissen". "Die einfallende Wärme durch Sonnenstrahlen wird dann gleich wieder reflektiert", sagte Paetzold.

Januar zu kalt, aber kein Rekordwinter

Der seit Wochen anhaltende strenge Frost sorgt in Norddeutschland inzwischen für zunehmende Probleme bei der Fluss- und Küstenschifffahrt. Fischkutter und Binnenschiffe sind vielerorts vom Eis eingeschlossen, viele haben notgedrungen ihren Betrieb eingestellt. Auf einigen Kanal- und Flussabschnitten haben die Behörden den Verkehr ganz gestoppt. Mildere Temperaturen herrschten dagegen in Süd- und Südwestdeutschland, wo am Dienstag bei leichten Minusgraden aber Schnee und gefrierender Regen für Verkehrsbehinderungen sorgten.

Der Januar ist nach vorläufiger Einschätzung des DWD in Deutschland deutlich kälter als im Schnitt üblich, dabei aber weit von historischen Kälterekorden entfernt. Derzeit liege die Durchschnittstemperatur des Januar bei minus 3,8 Grad und damit rund drei Grad unter dem langjährigen Schnitt von minus 0,6 Grad, sagte DWD-Sprecher Gerhard Lux am Dienstag. "Das ist schon mehr, aber wir haben schon ganz andere Jahre gehabt." In extrem kalten Jahren wie 1987, 1963 oder den Kriegs- und Nachkriegswintern von 1939/40 und 1946/47 seien die Januar-Durchschnittswerte noch um etliche Grad niedriger gewesen.

Hamburger hoffen auf anhaltende Kälte

Mildere Temperaturen herrschen dagegen in Süd- und Südwestdeutschland, wo am Dienstag bei leichten Minusgraden aber Schnee und gefrierender Regen für Verkehrsbehinderungen und Unfälle sorgten. Bei Marbach am Neckar und auf der Autobahn bei Pforzheim kamen zwei Menschen ums Leben, wie die Polizei mitteilte. In Bayern störten lang anhaltende Schneefälle den Straßen- und Flugverkehr stark. Zum Wochenende erwarten die Meteorologen im Bayerischen Wald bis zu 50 Zentimeter Neuschnee. Am Münchner Flughafen wurden nach Angaben eines Sprechers rund 60 Flüge gestrichen. Auch am Frankfurter Flughafen gab es erneut Ausfälle. Am Morgen seien 17 Flüge betroffen gewesen, berichtete eine Sprecherin.

Die Hamburger können der Kälte unterdessen etwas Positives abgewinnen. Sie hoffen auf das "Alstereisvergnügen" an diesem Wochenende. Voraussetzung für die 150 Buden auf der Außenalster ist ein zwanzig Zentimeter dickes Kerneis an 50 verschiedenen Messstellen. Beim letzen Eisvergnügen 1997 strömten an drei Tagen rund eine Million Menschen auf die zugefrorene Alster.

AFP/DPA / DPA

Wissenscommunity