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"Spiegel"-Bericht: "Gravierende Probleme", Landebahn verfehlt – Bruchlandung des Regierungsfliegers dramatischer als bekannt

Die Bruchlandung eines Regierungsfliegers auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld war einem Medienbericht zufolge deutlich gefährlicher als ohnehin schon bekannt.

Ein Jet vom Typ Global 5000 der Flugbereitschaft der Bundesregierung wird auf dem Flughafen Schönefeld über eine Rollbahn geschleppt

Der am Dienstag in Berlin-Schönefeld notgelandete Regierungsflieger ist offenbar wesentlich stärker beschädigt worden als zunächst bekannt. Wie der "Spiegel" aus internen Papieren berichtete, stellten Bundeswehr-Techniker an dem Jet des Typs Global 5000 "erhebliche strukturelle Beschädigungen" an beiden Tragflächen fest, da diese bei der dramatischen Landung den Boden berührt hatten.

Möglicherweise sei auch der Rumpf verzogen. Bei der Bruchlandung habe sich die Kabinenverkleidung gelöst. Während des Testflugs nach einer Wartung des Jets hatten die Piloten laut einem Ablaufprotokoll schon kurz nach dem Start in etwa 6000 Meter Höhe "erste gravierende Probleme mit der Flugsteuerung" registriert, wie der "Spiegel" weiter berichtete. Das Flugzeug reagierte demnach nicht auf Steuereingaben. 

Regierungsflieger legte Schönefeld lahm

Bei dem Notlandemanöver kippte der Jet dann dem Bericht zufolge in etwa 300 Meter Höhe plötzlich extrem nach rechts und verfehlte die Landebahn. Mit dem Seitenruder bekam der Pilot ihn mühsam wieder unter Kontrolle und konnte ihn auf dem Vorfeld des Flughafens auf den Boden bringen. Danach schlitterte er über Rasenflächen und mehrere Rollwege bis zur Landebahn.    

Die Ermittler vermuten laut "Spiegel", dass die Spoiler auf den Tragflächen bei der externen Wartung falsch eingestellt worden sein könnten. Die Klappen unterstützen normalerweise sowohl Brems- als auch Lenkbewegungen.    

In Schönefeld war es durch die Notlandung zu Störungen im Flugbetrieb gekommen. Nach der Landung der Bundeswehrmaschine wurden andere Flugzeuge zum Flughafen Tegel umgeleitet, die Abfertigung war zwischenzeitlich eingestellt.     

Überprüfung von Lufthansa und Bombardier gefordert

Die Luftwaffe hat vier Bombardier Global 5000. Die Cityjets werden von der Flugbereitschaft auf Kurz- und Mittelstrecken unter anderem für den Transport von Mitgliedern des Parlaments und der Regierung eingesetzt. Die Maschinen bieten Platz für kleinere Delegationen von bis zu 13 Passagieren.

Regierungsflieger vom Typ Global 5000 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld

Gefährliche Schräglage: der Regierungsflieger vom Typ Global 5000 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld

DPA

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack- Zimmermann hat nach der Notlandung der Regierungsmaschine eine Überprüfung der mit der Wartung beauftragten Unternehmen gefordert. "Es muss schnellstens geklärt werden, wie es unmittelbar nach einer Inspektion überhaupt zu einer solchen "Funktionsstörung" hat kommen können", sagte sie Nachrichtenagentur DPA. Die Scheinwerfer gehörten jetzt auf die Lufthansa Technik und das Unternehmen Bombardier gerichtet, die für die Wartung dieser Maschinen verantwortlich seien, forderte Strack-Zimmermann. "Wenn ein Fahrzeug aus der Werkstatt kommt und schwere technische Probleme hat, ist nicht der Halter schuld, sondern die Werkstatt", sagte sie. "Lufthansa Technik und Bombardier müssen sich nun knallharte Fragen gefallen lassen, denn offensichtlich wurde nur dank der professionellen Crew eine Katastrophe verhindert."

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Mai 2019  Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) konnte am Sonntag erst mit einstündiger Verspätung zu einem Besuch in Bulgarien starten: Der Airbus A321 der Flugbereitschaft der Bundeswehr hatte Probleme mit der Hilfsturbine.

Mai 2019

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) konnte am Sonntag erst mit einstündiger Verspätung zu einem Besuch in Bulgarien starten: Der Airbus A321 der Flugbereitschaft der Bundeswehr hatte Probleme mit der Hilfsturbine.

dpa

Quellen: "Spiegel", Nachrichtenagenturen AFP und DPA

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