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Afrika: Tourismusboom dank Stars und Adel

Dass Hollywood-Stars Trends ins Leben rufen oder vorantreiben ist allseits bekannt, nun profitiert gleich ein ganzer Kontinent davon. Denn seit Brangelina und Co. ihre Zelte in diversen afrikanischen Staaten aufgeschlagen haben, boomt dort auch der Tourismus.

Namibias Tourismusbranche reibt sich die Hände. "Unsere Botschaften in aller Welt werden geradezu überflutet mit Anfragen. Vor allem in den USA wollen viele Leute wissen, was denn Namibia für ein Staat sei", sagt Matthias Lemcke von der nationalen Tourismusbehörde. Bei Afrikas größtem Stelldichein der Branche - der Reisemesse "Indaba 2006" in der südafrikanischen Hafenstadt Durban - war es nicht anders. Vor allem Marketingexperte Tinus Nel hatte viele Fragen zu beantworten. Denn der 30-Jährige aus der Feriensiedlung Langstrand ist zu Hause direkter Nachbar von Namibias prominentesten Urlaubern: Angelina Jolie und Brad Pitt.

"Zeitlich hätten die beiden ihren Aufenthalt kaum besser planen können - nach ergiebigen Regenfällen ist die Wüste ein einziger Traum in grün. Ich habe sie nie zuvor schöner gesehen", schwärmt der Tourismusexperte, der das Paar als "nett" beschreibt. So wie er wird sich die gesamte Branche des Wüstenstaates erst allmählich bewusst, wie radikal Hollywood-Prominenz ihr internationales Image verändert. Auf rund 320.000 pro Jahr wird die Zahl der ausländischen Urlauber in der einstigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika geschätzt, davon rund 60.000 aus Deutschland. Das könnte erst der Anfang sein.

Die Promis ziehen vor allem Jüngere Gäste

Obwohl es noch zu früh für erste Analysen des Werbeeffekts ist, scheint sich bereits ein Trend abzuzeichnen. Lemcke: "Bisher kamen vor allem Urlauber jenseits der 50er, nun gibt es auch großes Interesse von jüngeren Leuten." Stars und Promi-Adel helfen auch anderen vergessenen Flecken im südlichen Afrika auf die Sprünge. Das kleine Berg-Königreich Lesotho berichtet ebenfalls von gestiegenen Anfragen, seit sich der britische Prinz Harry dort regelmäßig karitativ engagiert. Prinzliche Prominenz nährt dort im Vorfeld der Fußball-WM 2010 in Südafrika Hoffnung auf steigende Tourismuszahlen.

Andere Nachbarländer des WM-Gastgebers wie Botswana oder selbst Malawi setzen ebenfalls auf Impulse durch Afrikas erste Fußball-WM. Schon gibt es Überlegungen, die Besucherströme in den Kap-Staat über den üppig konzipierten Flughafen der namibischen Haupstadt Windhuk ins Nachbarland zu leiten. Während Südafrika selbst bei seinen Tourismuszahlen von Rekord zu Rekord schnellt und sie bis 2010 auf 10 Millionen (2005: 7,3 Mio) steigern will, sind die Zuwächse der Nachbarn bescheidener, aber ebenfalls deutlich spürbar.

Drehen in Südafrika, urlauben in Mosambik

Vor allem Mosambik baut stetig seine Infrastruktur im oberen Luxussegment aus. Auf rund 1300 Hotelzimmer schätzt Hotelmanager Jorge Simoes allein in der Hauptstadt Maputo die vorhandene Kapazität im Bereich der Drei- bis Fünf-Sterne-Hotels. Auch hier hilft Prominenz aus der Formel 1 der Schauspielklasse. Denn seit Hollywood das Nachbarland Südafrika als Drehort entdeckt hat, kommen auch immer mehr Stars zum Filmen rüber nach Maputo.

"Zur Zeit habe ich die Crew von Leonardo DiCaprio in meinem Hotel", sagt Simoes. Mit einem rund 200-köpfigen Begleittross dreht der Leinwand-Held gerade einen Film über Blutdiamanten nahe der mosambikanischen Hauptstadt. Während Südafrika neben immer luxuriöseren Lodges nun auch Nischenmärkte besetzt und etwa Leuchtturm-Urlaub oder Touren im nostalgischen Motorrad-Beiwagen anbietet, setzen die Nachbarn vor allem auf Naturerlebnis pur. "Paparazzi-freie Zonen" sind dabei auf Privatinseln wie Quilalea oder Ibo quasi schon im Preis mit inbegriffen.

Ralf E. Krüger/DPA / DPA

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