HOME

Brüssel besteht auf Flüssigkeitsverbot: Rolle rückwärts am Gate

Am heutigen Freitag sollten eigentlich neue Regeln für das Handgepäck in Kraft treten. Doch das seit fünf Jahren geltende Verbot von Flüssigkeiten im Flugzeug wird vorerst nicht gelockert.

Die Europäische Union hält an dem Verbot der Mitnahme von Flüssigkeiten im Flug-Handgepäck fest. Am Tag der geplanten Lockerung des Flüssigkeitsverbots empfahl EU-Verkehrskommissar Siim Kallas den Mitgliedsländern, die angekündigte Neuregelung "für eine befristete Zeit" aufzuschieben. Grund sei die zunehmende Zahl von Ländern, die an dem Verbot festhalten wollen. Der EU-Kommissar möchte verhindern, dass unter den Fluggästen zu viel Verwirrung gestiftet wird.

Am Freitag (29. April) sollte eigentlich eine von der EU-Kommission als Erleichterung geplante Neuerung zur Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck in Kraft treten. Sie hätte allerdings nur für Passagiere gegolten, die aus einem Nicht-EU-Staat einreisen und an einem EU-Flughafen zum Weiterflug umsteigen. Solche Fluggäste hätten größere Mengen von Flüssigkeiten als bisher mitnehmen können. Diese hätten allerdings in Duty-Free-Shops gekauft und in speziellen Beuteln an Bord gebracht werden müssen.

Doch kein Chaos in Klarsichthüllen

Mehrere Länder, darunter Frankreich und Italien, hatten die Lockerung des Verbots abgelehnt. Deutschland wollte die Änderungen eigentlich umsetzen. Die Flugbranche hatte die Neuregelung als verwirrend für die Passagiere kritisiert. In einer ersten Stellungnahme begrüßt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) die Entscheidung der EU-Kommission, kritisiert aber den Zeitpunkt. "Die Empfehlung der EU-Kommission zur Aussetzung der Regelung kommt viel zu spät", so der Flughafenverband.

Deutschland hatte sich als einer der wenigen Staaten an die rechtliche Verpflichtung der EU-Kommission gehalten. Erst vor wenigen Tagen stellte die Bundespolizei am Flughafen Berlin-Schönefeld neue Flüssigkeits-Scanner vor. "Dabei hat Deutschland viel Zeit und Geld investiert und bleibt nun darauf sitzen. Jetzt werden die EU-Mitgliedstaaten bestraft, die sich an die Regeln gehalten haben", so Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des ADV.

Bis auf weiteres dürfen in der EU nur Flüssigkeiten bis zu 100 Millilitern mitgeführt werden, die in transparenten Beuteln verpackt sind. Diese Regel war 2006 aus Angst vor Attentaten mit als Flüssigkeit getarntem Sprengstoff eingeführt worden, sie wurde inzwischen bis April 2013 verlängert.

tib/AFP/DPA / DPA

Wissenscommunity