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Mehr Luftfahrttote 2010 Wo das Fliegen gefährlich ist


2010 kamen bei Flugzeugabstürzen mehr Menschen ums Leben als im Jahr zuvor. Allerdings gab es in Europa und Nordamerika keinen tödlichen Unfall. Nach der neusten Sicherheitsbilanz ereigneten sich die meisten Unfälle in Pakistan und Indien.

Die Zahl der Toten bei Flugzeugunfällen ist 2010 im zweiten Jahr in Folge gestiegen. Bei 49 Unfällen kamen 829 Menschen ums Leben - nach 766 Luftverkehrstoten 2009 und 598 Toten 2008. Das geht aus der Sicherheitsbilanz 2010 des deutschen Unfalluntersuchungsbüros Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (Jacdec) hervor, die das Magazin für Zivilluftfahrt "Aero International" veröffentlicht hat.

Europa bestätigte jedoch den Ruf der sichersten Luftfahrtregion der Welt. "Keine der Top-60-Airlines hatte einen Unfall", sagt Jan Richter, Gründer von Jacdec, im Gespräch mit stern.de. "Alle tödlichen Unfälle des Jahres 2010 ereigneten sich bei kleineren Airlines in deren Heimtregionen." Weder in Europa noch in Nordamerika mit ihren stark verdichteten Lufträumen gab es im vergangenen Jahr nach Jacdec-Auswertung einen tödlichen Unfall im zivilen Luftverkehr.

In der Unfallbilanz erscheint nicht der Absturz des polnischen Präsidentenflugzeuges mit 96 Toten am 10. April 2010, weil es ein militärischen Flug der polnischen Luftwaffe war. Zählt man diesen bis heute nicht restlos aufgeklärten Absturz einer russischen Tupolew TU-154 bei Smolensk dazu, gab es im Jahre 2010 bei 50 Flugzeugunfällen 925 Tote.

Nicht erfasst werden in der Jacdec-Statistik auch Menschen, die am Boden bei Abstürzen starben. Auch der Aufsehen erregende Zwischenfall eines Airbus A380 im November 2010 floss nicht in die Jacdec-Statistik ein, weil bei der Triebwerksexplosion der Qantas-Maschine mit anschließender Notlandung in Singapur niemand verletzt wurde.

Trotz einer deutlichen Zunahme des Weltluftverkehrs wird das Fliegen immer sicherer. In den 80er und 90er Jahren lag der jährliche Schnitt noch bei 1100 bis 1400 Luftverkehrstoten. In ganz schlimmer Erinnerung sind die Jahre 1985 mit 1810 und 1996 mit 2272 Toten.

Die schwersten Unglücke 2010

Die drei schwersten Unfälle des Jahres 2010 zeigen, dass das Fliegen in Schwellenländern mit schwacher Infrastruktur wesentlich gefährlicher ist: Eine Boeing 737 von Air India Express verunglückte am 22. Mai auf dem Flughafen von Bangalore: 158 Menschen kamen ums Leben, acht überlebten. Das Flugzeug setzte zu spät auf. Die Piloten versuchten noch, durchzustarten - jedoch zu spät. Der Jet schoss über die Bahn mit ihrem starken Gefälle hinaus und zerschellte in einem Waldstück.

145 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, als ein zehn Jahre alter Airbus A321 von Airblue am 28. Juli nördlich von Islamabad in Pakistan am Rande des Flughafens gegen die Ausläufer der Magalla-Hügelkette prallte. Die Piloten hatten einen ersten Landeanflug wegen extrem schlechten Wetters abgebrochen und gerieten beim zweiten Versuch außerhalb der vorgeschriebenen Anflugzone.

Am 12. Mai stürzte ein erst 2009 in Dienst gestellter Airbus A330-300 von Afriqiyah Airways in nächster Nähe des Flughafens Tripolis in Libyen ab. Als der von Johannesburg kommende zweistrahlige Jet zur Landung ansetzte, war die Sicht durch Sand und Dunst stark getrübt. Zudem hatte der Flughafen kein Instrumentenlandesystem (ILS), das die Piloten mit Bildschirm-Anzeigen unterstützt. Der Pilot versuchte offenbar durchzustarten, das Flugzeug verlor jedoch rapide an Höhe und stürzte etwa 900 Meter vor der Landebahn ab. 101 Insassen kamen ums Leben, nur ein neunjähriger Junge überlebte. Die Zeitschrift "Aero International" hebt hervor, dass sich bei diesen drei schwersten Unglücken, "die Ursachenszenarien gleichen, die allesamt auf menschliches Versagen deuten".

tib/DPA DPA

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