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Nach dem Jungfernflug der A350: Airbus setzt auf das Leichtgewicht

Drei Tage vor Eröffnung der Luftfahrtmesse in Le Bourget ist Airbus mit dem A350-Erstflug ein perfekter Marketing-Coup gelungen. Der Flugzeughersteller hofft in Paris auf mehrere hundert Bestellungen.

Von Jan Boris Wintzenburg

Als um Punkt zehn Uhr im französischen Toulouse der Prototyp des neuen Airbus A350 zum Erstflug startet, sind Zehntausende Mitarbeiter des deutsch-französischen Konzerns live dabei - an der Rollbahn in Frankreich, aber auch in den deutschen Werken. TV-Übertragungen auf Großbildleinwände an den Standorten Hamburg Bremen und Stade machen es möglich.

Schon am Eingang des zweitgrößten Airbus-Standortes in Hamburg-Finkenwerder waren die Mitarbeiter der Frühschicht eingeladen worden, zum Start des neuen Hoffnungsträgers vor die Tore von Halle 244 zu kommen, durch die normalerweise Maschinen vom Typ Airbus A380 rollen. Nun stehen davor zwei TV-Trucks mit rund zehn Meter breiten Bildschirmen, die eine kleine Bühne rahmen. Angesichts der gewaltigen Tore wirken die Monitore dennoch klein.

Rund 8000 Mitarbeiter sind zu Fuß oder in eigens bereitgestellten Bussen auf die Betonfläche gekommen, um den Erstflug zu sehen. Viele von ihnen sind selber an dem neuen Flugzeugprogramm beteiligt: Teile des Rumpfes werden in Hamburg gebaut und dann zur Endmontage nach Toulouse geflogen. Die Innenausstattung wird sogar komplett an der Elbe entwickelt.

Die eigentliche Arbeit steht noch bevor

Als die A350 mit der Seriennummer 001 dann auf die Minute pünktlich losrollt und erwartungsgemäß problemlos abhebt, brandet kurz Applaus auf. Einzelne Mitarbeiter reißen gar die Arme in die Luft, viele lächeln aber bloß. Bei Airbus weiß man nur zu gut, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt. Denn mindestens so anspruchsvoll wie die Entwicklung eines neuen Flugzeugs ist der so genannte Ramp-up der Produktion, also die Serienfertigung.

Mitte 2014 startet nach dem jetzigen Stand der Planung die Auslieferung der ersten Maschinen an Airlines. Erstkunde wird die arabische Fluglinie Qatar Airways sein. Ende des Jahres sollen dann bereits drei Flugzeuge im Monat die Werkshallen in Toulouse verlassen. Schon Ende 2016 könnten es zehn Maschinen monatlich sein.

Order-Feuerwerk in Le Bourget?

Der Start der Serienproduktion war auch beim Airbus A380 die Hürde, die gerissen wurde. Nach dem relativ reibungslosen Erstflug musste Airbus damals massive Produktionsschwierigkeiten eingestehen: Rumpfteile passten nicht zusammen, die Verkabelung musste komplett neu dimensioniert werden. Das kostete Jahre an Zeit und Milliarden an Euro.

"Der erste Flug ist noch nicht der Gipfel", sagt Werksleiter und Chief Operating Officer von Airbus Günter Butschek an diesem Morgen. "Wir haben gerade erst das Basecamp verlassen und den Aufstieg begonnen."

Für Airbus ist die A350 ein Hoffnungsträger: Mehr als 600 Maschinen wurden bereits an Airlines in der ganzen Welt verkauft. Und auf der in der nächsten Woche beginnenden Luftfahrtmesse in Le Bourget erwartet der Konzern weitere Kunden. Offiziell möchte man keine Zahlen nennen, doch es könnten Hunderte neuer Orders für die A350 eingehen, darunter von so namhaften Fluggesellschaften wie Air France oder auch der Deutschen Lufthansa.

Leichter und sparsamer durch Karbon

Technologisch betritt Airbus mit dem Flieger Neuland: Er besteht erstmals zu über 50 Prozent aus modernen Verbundwerkstoffen wie Karbon, ist damit leichter und stabiler. So lässt sich Sprit sparen und gleichzeitig der Komfort der Reisenden steigern: durch größere Fenster, mehr Kabinendruck und natürlichere Luftfeuchtigkeit in der Kabine. Das soll den Jetlag mildern. Die A350 ist ein wichtiges Produkt, um den ewigen Rivalen Boeing nicht davonziehen zu lassen.

Das wissen auch die Hamburger Mitarbeiter. Kaum ist die A350 in Toulouse in den Wolken verschwunden, machen sie sich wieder auf den Rückweg an ihre Arbeitsplätze. Keine zehn Minuten später ist die riesige Freifläche leer. Die Landung sehen sie dann in den Werkshallen im firmeneigenen Fernsehsender - bei der Arbeit.

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