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Neue Luftverkehrsabgabe An der Flugsteuer führt kein Weg vorbei


Seit Jahresanfang verlangt der Staat mehr Geld fürs Fliegen. Mit Zuschlägen bis 45 Euro pro Strecke schlägt die Luftverkehrssteuer zu Buche. Lässt sich ein Teil des Aufschlags sparen, wenn man über Amsterdam oder London fliegt?
Von Till Bartels

Wie viele Familien planen die Petersens in diesen Tagen ihren Sommerurlaub. Im Juli soll es an die Ostküste der USA gehen, die Kinder möchten nach New York. Als erstes werden die Flugpreise im Internet verglichen. Während der Schulferien sind die Ticketpreise auf hohem Niveau, aber in der langen Liste mit Steuern und Gebühren fällt ein neuer Posten ins Auge: die Luftverkehrssteuer in Höhe von 45 Euro pro Passagier. Das ergibt bei zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter von acht und 14 Jahren einen Aufschlag von 180 Euro.

Die neue Ticketsteuer ist seit dem 1. Januar 2011 für alle Passagierflüge fällig, die von einem deutschen Flughafen starten. Der Betrag wird bereits seit dem Kabinettsbeschluss im Oktober von Fluglinien und Reiseveranstaltern auf die Ticketpreise für dieses Jahr aufgeschlagen. Der Bundesregierung verspricht sich Mehreinnahmen in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr, um die Staatskasse zu füllen.

Aufschläge zwischen 8 und 45 Euro

Die Höhe der Abgabe ist abhängig von der Entfernung des Landes, in das der Flug geht. Flüge innerhalb von Deutschland und Europa bis zu einer Entfernung von 2500 Kilometern werden mit 8 Euro besteuert. Bis zu 6000 Kilometern, wie zum Beispiel nach Dubai, fallen 25 Euro an. Bei Langstreckenflügen ab Deutschland kassiert der Staat 45 Euro. Auch bei Kindern ab zwei Jahren ist die volle Luftverkehrssteuer zu entrichten. Nur Rückflüge aus dem Ausland sind nicht von der Aufpreispolitik betroffen. Gegen die Einführung der neuen Steuer liefen die Verbände der Luftfahrtbranche Sturm, weil sie eine Abwanderung der Passagierströme befürchten - ohne Erfolg.

Zunächst glaubten die Petersens, mit dem Umweg über einen anderen europäischen Flughafen wie Amsterdam oder Paris statt 45 nur 8 Euro Flugsteuer pro Person zu entrichten und damit 148 Euro zu sparen. Doch die Preisabfrage mehrerer Airline-Homepages ergab, dass ebenfalls die volle Ticketsteuer zu entrichten ist. Auf Nachfrage von stern.de bestätigte Air France, dass mit "sonstige Steuern" in Höhe 45 Euro die neue Luftverkehrsabgabe gemeint ist. Wie beim Umsteigen in Frankfurt oder München werden auch in Paris und anderswo 45 Euro für einen Langstreckenflug fällig, wenn die Reise in Deutschland beginnt.

Kaum Ersparnis beim Umweg

Wegen der Flugsteuer lohnt sich der Umweg über Paris, London oder Amsterdam also nicht. Eher beim reinen Flugpreis: Ohne Steuern und Gebühren liegt dieser für einen Erwachsenen (Hinflug am 6. Juli, zurück am 5. August 2011) zwischen 670 Euro (Lufthansa), 640 Euro (Air France) und 436 Euro (SAS) über Kopenhagen.

Komplett entfällt die Flugsteuer, wenn die Familie mit dem Zug ins benachbarte Ausland reist und von dort abfliegt. Doch auch dieses Gedankenspiel verwirft Familie Petersen wieder rasch. Wenn sie mit der Bahn von Hamburg nach Kopenhagen fährt und erst dort ins Flugzeug steigt, reduziert sich zwar der Steueranteil, kurioserweise erhöht sich aber der Gesamtpreis für die Familie von 3155 auf 3741 Euro. Fazit: Der Wegfall der Zubringerflüge schafft keinen Preisnachlass. Und wer langfristig eine Flugreise ab einen Flughafen außerhalb Deutschlands plant, spart wegen der undurchsichtigen Tarifpolitik kaum.

Ab Amsterdam statt Düsseldorf

Eher lohnt sich der Start im Ausland für Reisende, die im Westen der Republik wohnen und kurzfristig verreisen möchten. Mit der Bahnanreise ab Köln oder Düsseldorf nach Paris oder Amsterdam können kurzfristige Angebote genutzt werden, die Flugbuchungsportale und Online-Reisebüros ab den dortigen Flughäfen anbieten. Bei einem Langstreckenflug lassen sich so mehr als nur die 45 Euro Flugsteuer sparen. Nachteil: Die Flug-Schnäppchen ab Amsterdam führen nicht nonstop nach New York.

Der komplizierte Weg mag für Rucksackreisende attraktiv sein, nicht aber für Familie Petersen mit ihren beiden Kindern. Sie hat festgestellt, dass sich die Flugsteuer nicht umgehen lässt und muss die bittere Pille der zusätzlichen 180 Euro schlucken - oder auf die Fernreise in diesem Jahr verzichten. Ob und wie viele Passagiere durch die neue Abgabe wirklich zu grenznahen Flughäfen ins Ausland ausweichen, bleibt abzuwarten.

Vorsicht bei Buchungen über Flugvermittlungsportalen!

Sie wollen einen Flug über ein Flugvermittlungsportal im Internet buchen? Trotz EU-Vorschriften werden Verbraucher auf Online-Flugvermittlungsportalen immer noch abgezockt, kritisiert Stiftung Warentest: Vermutliche Schnäppchen werden so schnell zur Kostenfalle.


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