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Neue Luftverkehrssteuer: So viel teurer wird das Fliegen

Trotz geballter Proteste der Airlines hat der Bundestag die Ticketsteuer für Starts von deutschen Flughäfen beschlossen. Je nach Strecke verteuern sich die Flüge für Geschäftsreisende und Urlauber. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Das Parlament billigte am Donnerstagabend in Berlin das umstrittene Steuervorhaben als Teil des Sparpakets der schwarz-gelben Koalition. Die nach Entfernung in drei Stufen gestaffelte Flugsteuer soll jährlich eine Milliarde Euro zur Haushaltssanierung einbringen. Das entspricht ungefähr der Summe an Steuererleichterungen für die Übernachtungsbranche, als die Regierung zu Jahresanfang die Umsatzsteuer für Hotels von 19 auf 7 Prozent senkte.

Ab wann gilt die Ticketsteuer?

Die Steuer ist für alle Flüge ab dem 1. Januar 2011 fällig. Zugleich gilt sie für alle Flüge, die bereits jetzt gebucht wurden. So kann niemand die Abgabe umgehen, indem er noch in diesem Jahr seine Reise bucht.

Welche Flüge werden besteuert?

Die Steuer wird für alle Passagierflüge fällig, die von einem deutschen Flughafen starten. Frachtflüge und Rückflüge aus dem Ausland sind nicht betroffen. Die Airlines schlagen die Steuer meist auf die Ticketpreise auf, so dass am Ende die Passagiere zahlen. Die Höhe der Abgabe ist abhängig von der Entfernung des Landes, in das der Flug geht. Für die Eingruppierung entscheidend ist die Entfernung zwischen dem Flughafen Frankfurt und dem größten Flughafen des Ziellandes.

Wie hoch ist die Steuer bei innerdeutschen Flügen?

Flüge innerhalb von Deutschland werden künftig mit 8 Euro pro Flugstrecke besteuert. Wer einen Hin- und Rückflug innerhalb des Landes bucht, wird mit 16 Euro belastet, weil er zwei Mal von einem deutschen Flughafen startet. Wer dagegen ins nahe Ausland fliegt, muss nur einmal acht Euro zahlen. Ausgenommen sind Flüge von küstennahen Flughäfen auf deutsche Inseln, die keine Anbindung per Bahn oder Straße ans Festland haben. Ebenso Rundflüge und Flüge zu militärischen oder medizinischen Zwecken, so das Bundesministerium der Finanzen.

Um welchen Betrag erhöht sich ein Flug Berlin-Rom?

Ebenfalls 8 Euro werden für Flüge innerhalb Europas und nach Nordafrika fällig. Die Grenze liegt bei 2500 Kilometern Entfernung. Marokko und Tunesien fallen in die Kategorie, nicht aber Ägypten. Auch die Kanaren, die zu Spanien gehören, oder Madeira, das zu Portugal gehört, kosten - obwohl weiter entfernt - nur 8 Euro. Flüge nach Russland kosten ebenfalls acht Euro mehr, egal ob nach Moskau oder in den fernen Osten des Landes.

Gelten Flüge nach Dubai als Mittelstrecke?

Ja, bei einer Entfernung zwischen 2500 Kilometern und 6000 Kilometern werden 25 Euro pro Ticket fällig. In diese Kategorie fallen die Golfstaaten und Ziele im Nahen Osten, die äußerste Grenze nach Osten bilden Pakistan und Kasachstan. Zur Mittelstrecke gehören auch alle afrikanischen Länder bis knapp nördlich des Äquators. Das beliebte Urlaubsziel Kenia ist nicht mehr dabei. Eine genaue Länderliste hat das Bundesfinanzministerium veröffentlicht.

Wie hoch ist der Aufschlag bei einem Langstreckenflug?

Ab 6000 Kilometern Entfernung sind 45 Euro pro Ticket zu zahlen. In diese Kategorie fallen die USA sowie alle anderen Länder in Nord- und Südamerika. Zu dieser Kategorie gehören auch alle Interkontinentalflüge in den Fernen Osten, also nach China, Japan sowie nach Australien und Neuseeland. Achtung: Wer zum Beispiel mit getrennten Flugscheinen von Düsseldorf über München nach Singapur reist und den innerdeutschen Zubringer mit Air Berlin separat gebucht hat, um anschließend mit Singapore Airlines weiterzufliegen, muss 8 plus 45 Euro an Steuern einkalkulieren.

Wird auch bei Kindern die Steuer fällig?

Auch auf die Tickets von Kindern wird die Steuer fällig. Lediglich Kinder bis zum Alter von zwei Jahren sind davon ausgenommen. Sie haben allerdings kein reguläres Ticket und keinen eigenen Sitzplatz.

Werden auch umsteigende Passagiere zur Kasse gebeten?

Wer in Deutschland nur umsteigt, muss in der Regel nicht zahlen. Bei Umsteigezeiten oder Unterbrechungen von mehr als zwölf Stunden wird die Ticketabgabe allerdings fällig. Bei Mittel- und Langstreckenflügen ist die Steuer erst nach 24 Stunden Aufenthalt zu zahlen. Derart lange Umsteigezeiten werden allerdings in der Regel nicht erreicht. Bei einem längeren Aufenthalt wegen Streiks oder Flugzeugdefekts entfällt die Steuer.

Übernehmen die Airlines die Ticketsteuer?

Nein, die beiden größten deutschen Airlines, Lufthansa und Air Berlin, reichen die Steuer eins zu eins durch. Wer also ein Ticket für einen Flug der Lufthansa oder von Air Berlin für das kommende Jahr bucht, muss entsprechend der Steuer je nach Fluglänge 8, 25 oder 45 Euro mehr zahlen. Tickets für Abflüge noch in diesem Jahr gibt es weiter ohne Flugsteuer. Die 99-Euro-Tickets inklusive aller Steuern und Gebühren will die Lufthansa weiterhin anbieten.

Wie reagieren die Billigflieger auf die Steuer?

Auch Ryanair, Tuifly und Germanwings geben die Mehrkosten bereits jetzt an ihre Kunden weiter. Bei Sonderangeboten - etwa bei Zehn-Euro-Flügen - übernimmt der irische Billigflieger Ryanair hingegen die Steuer. Ryanair will seinen Flugplan aber deutlich ausdünnen, weil sich bestimmte Strecken nach Angaben der Airline wegen der Steuer nicht mehr lohnen. Der Billigflieger Easyjet will die Luftverkehrsabgabe nicht immer voll weitergeben. Je nach Strecke und Zeitpunkt des Fluges soll der Betrag variieren oder gar nicht verlangt werden. Germanwings erwägt, Abflüge ins Ausland zu verlegen.

Werden Pauschalreisen teurer?

Die großen Veranstalter schlagen auf die Flugsteuer weitere Extra-Gebühren auf. Bei Deutschlands größtem Reiseveranstalter Tui müssen die Kunden für Flugpauschalreisen künftig für die Kurzstrecke zehn Euro, für die Mittelstrecke 28 Euro und 50 Euro für die Langstrecke zahlen. Die im Vergleich zur Steuer höhere Abgabe begründet Tui mit den Kosten für die Umstellung der Verwaltung und Provisionen für Reisebüros. Bei Thomas Cook verteuern sich die Angebote in gleichem Maße, nur die Abgabe für Kurzstreckenflüge ist mit neun Euro einen Euro billiger. ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg erheben die Steuer ebenfalls, im Endpreis ist sie allerdings nicht extra ausgewiesen.

Lässt sich die Ticketsteuer umgehen?

Wer in Grenznähe wohnt und von einem ausländischen Flughafen abfliegt, spart sich die Flugticketabgabe. Wer statt von Hamburg nach New York statt via Frankfurt, sondern über Paris oder Amsterdam reist, zahlt nur 8 statt 45 Euro Flugsteuer. Daher befürchten deutsche Flughäfen und Airlines eine Abwanderung von Passagieren ins benachbarte Ausland. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bekräftigte, dass die Steuer im kommenden Jahr überprüft werde.

tib/AFP/DPA / DPA

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