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Probleme mit der Klimaanlage: Der Bahn-Sommer wird heiß

Schwitzkur in der Bahn - der vergangene Sommer ist vielen Reisenden noch in unguter Erinnerung. Am Osterwochende fielen wieder Klimaanlagen aus. Möglicherweise geht der Stress von vorne los.

Von Tanja Vedder

Das warme Wetter bereitet der Deutschen Bahn erneut Probleme mit ihren Klimaanlagen. In zwei ICE-Zügen stiegen am Osterwochenende in einigen Waggons die Temperaturen, weil die Technik versagte. Und nun? War das nur der Anfang? Wiederholt sich das Hitzchaos vom vergangenen Jahr, als die ICEs für Tausende von Bahnkunden zur fahrenden Sauna wurden? Ein Bahnsprecher wiegelt ab: "Es gibt keinen Hinweis auf ein grundlegendes Problem." Die Bahn habe am Wochenende 5000 Züge im Einsatz gehabt, und der Osterverkehr sei trotz vieler Baustellen auf den Schienen vergleichsweise gut gelaufen. Den Ausfall der Klimaanlage in den betroffenen Zügen sehe das Unternehmen daher eher als Einzelfall.

Der Fahrgastverband Pro Bahn in Berlin kritisiert vor allem die mangelhafte Informationspolitik des Unternehmens. Viele Reisende seien über den Ausfall der Klimaanlagen nicht in Kenntnis gesetzt worden, sagte Karl-Peter Naumann, der Bundesvorsitzende von Pro Bahn, auf Anfrage von stern.de.

Pro Bahn fordert mehr Transparenz

Wie die Deutsche Bahn sieht aber auch der Fahrgastverband die Pannen vom Wochenende gelassen: Schließlich seien nur einzelne Waggons betroffen gewesen, betonte Naumann. Der Vorfall habe sich zudem in Zügen ereignet, die jetzt zur technischen Revision anstehen. Die Deutsche Bahn will alle Züge der Generation ICE 2 genau unter die Lupe nehmen. Dabei sollen auch die Klimaanlagen verstärkt werden. Um den laufenden Schienenverkehr nicht zu stören, können allerdings nur beschränkt Züge in die Werkstätten geholt werden – so wird sich die Wartung voraussichtlich hinziehen. "Wir rechnen mit etwa zwei Jahren", sagte Naumann.

Das heißt im Klartext: Auch in diesem Sommer könnte es bei der Bahnfahrt wieder ziemlich heiß werden. "Es wäre unseriös zu sagen, dass keine Klimaanlagen ausfallen werden", bekräftigte auch der Bahnsprecher. Laut Naumann wird es aber darauf ankommen, wie das Bahnpersonal die Kunden künftig vorab informiert. Das Unternehmen müsse am besten schon auf der Anzeigetafel im Bahnhof klarmachen, dass die Klimaanlage in bestimmten Waggons ausgefallen sei. "So kann ich dann als Reisender leicht in einen anderen Waggon wechseln und muss mich nicht ärgern", sagte der Vorsitzende von Pro Bahn. Außerdem müssten Passagiere besser auf Reisealternativen aufmerksam gemacht werden.

Gespräche mit der Bahn

Die technischen Pannen vom Osterwochenende will Pro Bahn laut Naumann noch einmal zum Anlass nehmen, im direkten Gespräch mit der Bahn eine bessere Informationspolitik einzufordern. Man hoffe - und sollte vermuten -, dass der Ruf nach mehr Transparenz bei Bahn-Chef Rüdiger Grube nicht ganz auf taube Ohren stoßen wird. Schließlich hatte der ranghöchste Manager der Bahn erst im März bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens eine "noch kundenfreundlichere Bahn" als erklärtes Ziel für die nächsten Jahre ausgegeben.

Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? Die Bahn hat im vergangenen Jahr 34,4 Milliarden Euro Umsatz und einen Reingewinn von 1,1 Milliarden Euro eingefahren. Geld für eine technisch hochwertige Ausstattung wäre also da. Naumann sieht das Problem in dem angepeilten und dann immer wieder verschobenen Börsengang: "Um Geld zu sparen, hat man die Technik bis an die Grenzen des Machbaren ausgereizt." Immerhin: Inzwischen hat die Bahn neue, bessere Fernzüge bestellt. Doch sie werden erst in einigen Jahren kommen.

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