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Super-Airbus: A 380 eckt häufiger an

Auf der Luftfahrtmesse musste der Star ungeplant am Boden bleiben: Der Airbus A380 hatte ein Gebäude gestreift. Recherchen zeigen: Dem Supervogel stößt öfter mal was zu.

Von Till Bartels

Peinliche Panne für Airbus bei der Paris Air Show auf dem Flughafen in Le Bourget: Ausgerechnet das Vorführmodel vom Airbus A380 durfte während der ersten beiden Messetage an der Flugshow nicht teilnehmen. Am Sonntag war die Maschine aus Toulouse nach der Landung beim Schleppen mit dem rechten Flügel gegen ein Gebäude gestoßen. Dabei brach die Flügelspitze mit dem Winglet ab. Wie sich jetzt herausstellt, handelt es sich dabei um den zweiten Zwischenfall einer A380 binnen einer Woche.

Bereits am 17. Juni wurde in Hamburg ein nagelneuer Airbus A380 in Mitleidenschaft gezogen. Auf dem Werksgelände von Airbus in Finkenwerder beschädigte eine Hebebühne das riesige Flugzeug mit der Baunummer 70, wie eine Sprecherin von Airbus stern.de bestätigte. Durch die erforderliche Reparatur und Lakierarbeiten stößt der achte Super-Airbus mit dem Kranich am Leitwerk mit Verspätung zur Lufthansa-Flotte. Wie das Fachmagazin aero.de berichtet, musste der geplante Überführungsflug auf den 4. Juli verschoben werden. Das sind nur die beiden jüngsten Vorfälle in einer Reihe von Vorkommnissen.

Fast 80 Meter Breite

Ist der doppelstöckige Airbus A380 zu groß für die Flughäfen? Mit einer Spannweite von 79,80 Metern überragen die Tragflächen der A380 die Spannweite des Jumbojets (64,40 Meter) auf beiden Seiten um stattliche sieben Meter. "Der Airbus A380 sprengt mit seiner Größe auf kleinen und mittleren Flughäfen die Dimensionen", sagt Jan Richter vom Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (Jacdec) in Hamburg, der seit Jahren Flugzeugunfälle in alle Welt mit seiner Datenbank erfasst.

Wir erinnern uns an die spektakulären Videobilder vom New Yorker Kennedy-Flughafen vor wenigen Monaten. Eine vollbesetzte A380 der Air France rollte am 11. April 2011 zur Startbahn, als der linke Flügel das Heck eines kleinen Jets streifte, der durch die Wucht um 70 Grad um die eigene Achse rotierte. Zum Glück wurde an Bord der Canadair von der Fluggesellschaft Comair, die gerade aus Boston kam und auf ein freies Gate vor dem Terminal 1 wartete, niemand der 62 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder verletzt.

Derselbe Riesen-Airbus von Air France war bereits am 30. Oktober 2010 in einen weiteren Unfall am Boden verwickelt. Das Flugzeug musste umfangreich repariert werden, weil auf dem Flughafen Charles de Gaulle in Paris ein Airbus A330 von derselben Fluggesellschaft mit seiner Flügelspitze den Rumpf gestreift und erheblichen Schaden verursacht hatte. In beiden Maschinen saßen keine Fluggäste.

Passend für große Flughäfen

In der Jacdec-Datenbank sind seit 2007 insgesamt sieben Vorfälle auf Flughäfen mit A380-Flugzeugen registriert. Eine Maschine von Emirates wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen: Am 6. Dezember 2010 rammte ein Catering-Lastwagen in Toronto den rechten Flügel einer A380. Auch eines der ersten Exemplare von Singapore Airlines war betroffen: Am 10. Januar 2008 versagten bei einem Schlepper auf dem Flughafen in Singapur die Bremsen, und die bis zu 590 Tonnen schwere Maschine rutschte ins Gras. Auch bei diesem Vorfall wurde niemand verletzt.

"Große Flughäfen, auf denen die A380 im Liniendienst verkehrt, sind auf den Einsatz gut vorbereitet", sagt Richter. "Der Airbus A380 ist nicht zu groß." Mit Testflügen, Rollmanövern und verbreiterten Vorfeldern haben sich Airlines und Flughäfen lange auf den neuen Maschinentyp vorbereitet. Auch wurden an den A380-fähigen Airports neue Fluggastbrücken für das doppelstöckige Flugzeug errichtet und spezielle Catering-Fahrzeuge angeschafft, die auch die Küchen im Oberdeck direkt beliefern können.

Bodenfahrzeug contra Flugzeug

Meist sind es die Fahrer von Bodenfahrzeugen wie Gepäckwagen, die Schäden an Flugzeugen verursachen. "Das passiert immer wieder", sagt Richter. Anders als beim schlechten Einparken mit einem Auto, wird es beim Flugzeug teuer - egal, ob es sich einen Airbus oder eine Boeing handelt.

Weiterhin gilt das größte Passagierflugzeug, das seit Oktober 2007 im Einsatz ist, als sicheres Transportmittel. Inzwischen sind mehr als 50 Exemplare der A380 an Fluggesellschaften weltweit ausgeliefert worden. Allein die Lufthansa befördert pro Monat mit ihrer A380-Flotte 37.000 Passagiere. Auch der ernste Zwischenfall am 20. November 2010, als Teile eines explodierenden Triebwerks die Tragfläche und Hydraulikleitungen eine Maschine von Qantas Airways durchschlugen hatten, gelang es der Crew, den Airbus sicher in Singapur zu landen, ohne dass eine Person zu Schaden kam.

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