Zehn Tipps für Globetrotter Wer kümmert sich um die Katze?


Es gibt viel zu bedenken vor einer Weltreise. Zehn praktische Ratschläge von einem Globetrotter, damit die Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.
Von Burkhard Riedel

Acht Monate rund um die Welt, immer weiter Richtung Westen. Immer vorwärts, nie zurück. Wirklich Zeit haben. Ganz bewusst das normale Leben hinter sich lassen. In der Südsee, in Neuseeland und in Tasmanien auf die größte Distanz zum deutschen Alltag gehen, die geografisch überhaupt nur möglich ist. Einfach weg. Einfach?

Wir hatten an alles gedacht. Dachten wir. Aber dann, beim Abschiedsfest, kam doch noch eine Frage, mit der wir nicht gerechnet hatten. Halblaut und ein bisschen verdruckst ("Nur für den allerschlimmsten Fall") wollte Freund Uli wissen, wo er denn die ihm zur Pflege übergebene Katze beerdigen solle, falls sie in der langen Zeit wirklich … Immerhin war sie schon fast 18. Wir einigten uns auf ein schattiges Eckchen unter altem Efeu im Garten. Den Rest wollten wir nicht zu Ende denken.

Sowieso: Über was sollte man sich Gedanken machen vor der Reise seines Lebens - und über was besser nicht? Wo endet die Planung vor dem Start, wo beginnt der Freiraum für spontane Entscheidungen unterwegs? Acht intensive Monate später, übervoll mit Erlebtem und nach vielen Gesprächen mit anderen Weltreisenden, wussten wir: Wir hatten nicht allzu viel falsch gemacht.

Lesen Sie die wichtigsten Erfahrungen in unserer FAQ-Liste.

1. Wann?

Absolut unabdingbar: Zu Hause dürfen keine ernsten Risiken drohen, die einen Abbruch der langen Reise nötig machen können. Unbeschwert reist es sich, wenn die Kinder schon ihre eigenen Wege gehen und man sich auch keine Sorgen um kranke oder sehr alte Angehörige machen muss. Die idealen Zeitfenster öffnen sich vor oder nach der Berufstätigkeit, seltener auch mittendrin - also zwischen zwei Jobs oder während eines Jahres Auszeit. Wer zwischen 18 und 30 ist, kann in manchen Ländern mit einem Work-and- Travel-Visum ganz legal einige Wochen arbeiten und damit die Reisekasse schonen - so etwa in Australien als Erntearbeiter beim "fruitpicking".

2. Mit wem?

Eine lange Weltreise ist definitiv nichts für eine kriselnde Zweierbeziehung: Gemeinsam los, getrennt zurück ist dann nicht ausgeschlossen. Wie sonst nie im Leben ist man mit dem Reisepartner ununterbrochen zusammen, die meiste Zeit auf engstem Raum - im Mietauto, Hotelzimmer oder Wohnmobil. Mehrere Tausend Entscheidungen wollen getroffen werden: über Zwischenstopps, Abstecher, Umwege, Besichtigungen, Einkäufe, Wanderungen, Mahlzeiten und Unterkünfte. Wenn sich erst unterwegs zwischen den Prioritäten der Partner Abgründe auftun, sind Kompromisse kaum noch möglich.

3. Wer macht was?

"Warum sollen wir die Mördermuscheln nicht füttern?" Ein Missverständnis, das furchtbare Folgen haben könnte. In der türkisklaren Südsee vor der Cook-Insel Aitutaki waren wir bereit zum Absprung vom Segelboot in ein Schnorchelparadies. Gerade hatte uns der Guide davor gewarnt, mit unseren Füßen ("feet") in die Nähe der bunten Öffnungen der riesigen Muscheln zu geraten: Blitzschnell können sie sich schließen und menschliche Beine kraftvoll umklammern. Von füttern ("to feed") war keine Rede. Schnorchel aus dem Mund, schnell übersetzen, ab ins Wasser: Englisch-Training der anschaulichen Art, ganz normal auf einer solchen Reise.

Allerdings: Wer viele Monate lang mit einem Partner unterwegs ist, der des Englischen weitgehend unkundig ist, übernimmt einen harten Job. So wie bei einem Weltreise-Paar aus Belgien, das wir auf den neuseeländischen Gletschern trafen: Ein Jahr wollten sie unterwegs sein, die Hälfte hatten sie hinter sich, und immer musste sie allein den Small Talk mit Einheimischen übernehmen, Verhandlungen mit Autovermietern und Hotels führen, Speisekarten, Texttafeln in Museen und Kleingedrucktes in Dokumenten ebenso verstehen - und ihrem Partner übersetzen! - wie Erklärungen von Guides in Nationalparks und auf Trekkingtouren. Wir spürten die genervte Spannung zwischen den beiden. Wichtig: sich über diese und andere Jobs vorher klar zu werden und Aufgaben halbwegs fair zu verteilen. Wer fährt? (Zwei Fahrer machen die Automiete meistens viel teurer.) Wer fotografiert? Wer kocht? Wer schreibt Tagebuch? Wer übernimmt das Waschen in Münz-Maschinen auf Campingplätzen?

4. Welche Route?

Sehr zu empfehlen: einen europäischen Winter auslassen und zu einer "Endless Summer World Tour" aufbrechen. Also etwa wie bei uns: Deutschland im August verlassen, die Nordostküste der USA im Sommer genießen, Spätsommer in den Rocky Mountains, Herbst an der US-Westküste von Nord nach Süd (Washington, Oregon, Kalifornien), drei Novemberwochen in der Südsee, Ende November bis Mitte Januar im neuseeländischen Sommer, Mitte Januar bis Mitte März "summertime" in Südostaustralien und Tasmanien, Mitte März für einen Monat Singapur, Kambodscha und Thailand, Mitte April Rückkehr nach Hause. Eine solche Route spart Gepäck: Jeder von uns startete mit 16 Kilo, dicke Pullis und Anoraks konnten daheim bleiben. Zusätzliches Plus der langen Sommertour: Wer vor und nach der Reise arbeitet und Geld verdient, reduziert in zwei Kalenderjahren seinen Spitzensteuersatz. Der Spareffekt dabei ist meistens größer als bei einem ganzen Kalenderjahr Vollbeschäftigung und einem zweiten Jahr mit Null-Verdienst. Auch wichtig: gesundheitlich riskante Länder ans Ende der Route legen. Sollte einen wirklich etwas Übles erwischen, kann man sich nach der Rückkehr zu Hause weiterbehandeln lassen. Eine ärgerliche Tropenkrankheit gleich zu Beginn würde dagegen das ganze Projekt in Gefahr bringen.

5. Welche Tricks?

Regel Nummer eins nach unserer Erfahrung: Abwechslung! Jeden Tag Hotelwechsel hält kein normaler Mensch acht Monate aus. Deshalb alles variieren, was sich variieren lässt: Reisetempo, Reisearten, Wohnen und Verpflegung. Praktisch heißt das: an lohnenden Orten ein paar Tage bleiben und diese Zeit bewusst mit einigen Langstrecken-Fahrtagen ausgleichen. Mindestens alle zwei Monate längere Ruhepausen einlegen: Unsere drei Wochen in einem Garden Cottage in San Francisco gehören zu unseren schönsten Erinnerungen. Mietwagen-Motel-Strecken unterbrechen mit Wohnmobil-Etappen (bei uns: Südinsel Neuseeland, Südostaustralien). Restaurantbesuche abwechseln mit Selberkochen, nicht nur im Wohnmobil: Miniküchen sind in neuseeländischen Motelzimmern Standard, zunehmend auch in den USA, Australien und in der Südsee. Wer kann, sollte Treffen mit Bekannten oder Verwandten in die Route einbauen. Unsere Besuche bei vertrauten Menschen in Boston, New York, Los Angeles, Auckland, Canberra und Melbourne waren wohltuende Unterbrechungen der Reiseroutine. Auch einige Wochen zusammen mit Freunden aus Deutschland zu reisen (wie wir von Denver bis San Francisco) bringt Abwechslung in die lange Zeit on the road.

6. Was vorher buchen?

Im Voraus hatten wir für die meisten Strecken die Mietwagen, das Hotel in New York, unser Drei-Wochen- Quartier in San Francisco und die Wohnmobile in Neuseeland und Australien gebucht, außerdem das Round-the-world-Ticket der Lufthansa mit ihren Partnern der Star Alliance (bei uns: United Airlines, Air New Zealand, Singapore Airlines und Thai Airways). Vorteil: Zu den gebuchten Flugterminen kommt man garantiert mit, trotzdem sind Terminänderungen kurzfristig und kostenlos möglich - natürlich nur bei Verfügbarkeit. Alles andere entschieden und buchten wir spontan und problemlos unterwegs.

7. Wie absichern?

Die üblichen Reise-Krankenversicherungen bieten zwar Schutz für die Auslandsreisen eines ganzen Jahres, jede Reise darf aber meistens nicht länger als sechs Wochen dauern - also nichts für eine lange Weltreise. Gute Langzeit-Krankenversicherungen mit Weltweit-Schutz bieten der ADAC (gegen Aufpreis auch für Nichtmitglieder) und die Travelsecure der Würzburger Versicherung. Die Beiträge dieser Anbieter sind so günstig, dass es sich sogar für Versicherte bei einer privaten Krankenversicherung lohnen kann, auf deren Weltweit-Schutz zu verzichten und die Reisemonate mit einer günstigen Anwartschaft zu überbrücken. Unterm Strich kann so die Krankenversicherung für unterwegs um mehrere Tausend Euro billiger werden als zu Hause. Eine gesetzliche Krankenversicherung kann man ebenfalls während der Weltreise ruhen lassen. Auch bei der Haftpflichtversicherung sollte man das Kleingedruckte lesen: Ihr Schutz im Ausland kann zeitlich begrenzt sein. Schließlich die Wohnung in der Heimat: Weder bei Mietern noch bei Vermietern kommt Freude auf, wenn sie am anderen Ende der Welt eine Kündigungsmail mit Drei-Monats-Frist erhalten. Hier helfen nur ein offenes Gespräch und eine verbindliche Vereinbarung rechtzeitig vor der Abreise.

8. Wer passt auf?

Keine Expedition ohne Basislager: Zumindest ein zuverlässiger Mensch muss zu Hause die Stellung halten, die Post öffnen, wirklich Wichtiges daraus einscannen und als E-Mail-Anhang den Weltenbummlern hinterherschicken. Auch ein guter Draht zum Kundenbetreuer der heimischen Bankfiliale ist von Vorteil (und jedem Callcenter einer Direktbank überlegen): Wenn es wirklich mal ein Problem mit Geldkarte (Auszahlungen funktionierten bei uns überall, nur an zwei Tagen in Sydney nicht), Kontostand (unterwegs online ansehen), Umbuchungen vom Tagesgeld aufs Giro oder mit unbegründeten Lastschrifteinzügen gibt, schafft das eine Mail oder ein Anruf schnell aus der Welt.

9. Wie teuer?

Wir haben auf Genuss nicht verzichtet, haben lieber ein größeres als ein zu enges Wohnmobil gemietet und uns in San Francisco und in Sydney Opern und Sinfoniekonzerte geleistet - und in acht Monaten alles in allem etwa 22.000 Euro pro Person ausgegeben. Vorteil der langen Reise: Wenn man zu Hause konsequent alle Kosten auf null bringt (Auto, Telefon, Internet, Zeitung abmelden), an der Krankenversicherung spart (siehe 7.) und womöglich die Wohnung zwischenvermietet (etwa an Uni-Gastwissenschaftler oder an Mitarbeiter befristeter Projekte), lassen sich die Kosten rechnerisch im Idealfall auf rund 15 000 Euro drücken. Davon kann man noch die Ausgaben abziehen, die man in acht Monaten zu Hause gehabt hätte - und landet dann bei etwa 10.000 Euro pro Person als echte Nettokosten.

10. Wie war's?

Überraschend unkompliziert, selten stressig, fast immer schön, unerwartet oft grandios. Keine Station der Route bereut. Zwei Paar Trekking-Schuhe verschlissen. Nur kleine Wehwehchen: eine Entzündung am Augenlid, eine Bronchitis. Nie Heimweh. Trotzdem Nähe zu Freunden daheim empfunden beim Lesen ihrer Mails. Speicherplatz in unseren Hirnen und Herzen erst ganz am Ende erschöpft. Angenehm: die kurzen Sprünge von einem Ziel zum nächsten. Seltsam: noch lange nach der Rückkehr den Vagabundenrhythmus des Immer-weiter-Wollens gespürt. Aber die Katze - quicklebendig, schmusig, doch inzwischen taub - wäre sicher dagegen.

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