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Zwei-Zentner-Sprengkörper: Berliner Bombenfund stört auch Flugverkehr

Sicher ist sicher: Weil am Berliner Hauptbahnhof heute eine Bombe entschärft wird, dürfen am Flughafen Tegel eine halbe Stunde keine Maschinen landen. Auch der Zugverkehr ist betroffen.

Der Fund einer russischen Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg nahe dem Berliner Hauptbahnhof stört in Berlin nicht nur den Zugverkehr. Die Entschärfung wirkt sich auch auf den Flughafen Tegel aus. Für etwa eine halbe Stunde dürfen dort heute sicherheitshalber keine Flugzeuge landen, voraussichtlich nicht zwischen 12.45 und 13.15 Uhr. Das sagte ein Flughafensprecher. Betroffen seien 15 bis 20 Maschinen, die auf den Flughafen Schönefeld ausweichen könnten.

Experten begannen inzwischen mit der Entschärfung. Das bestätigte ein Polizeisprecher am Mittag der Nachrichtenagentur DPA.

Die Vorbereitungen zur Entschärfung bekamen Zugreisende seit dem Vormittag zu spüren. Einige Tausend Menschen mussten nach Angaben der Bahn warten, ihre Reisepläne ändern oder modifizieren. Regional- und Fernzüge, die normalerweise über den Hauptbahnhof fahren, werden in Richtung Norden umgeleitet. Mehrere Regionalexpresslinien fallen ganz aus.

Für die Entschärfung wurden umliegende Straßen gesperrt, Dutzende Häuser wurden evakuiert. Auch der Schiffsverkehr auf dem Kanal zwischen Berlin und Spandau wurde gestoppt. Der Hauptbahnhof selbst bleibt offen. Berliner Medien zufolge wurde der Blindgänger in der Heidestraße, auf dem Gelände des Lehrter Güterbahnhofs, gefunden.

Die Sprengstoffmeister versuchen, zunächst den Zünder der 100-Kilogramm-Bombe mechanisch zu entfernen. Dafür seien 30 bis 45 Minuten eingeplant. In Frage komme, ihn herauszuschrauben oder abzutrennen. "Falls es nicht gelingt, den Zünder mechanisch zu entfernen, müssen wir die Lage neu überdenken", sagte ein Sprecher.

Die Deutsche Bahn leitete bis zum Mittag bis zu 50 Züge um. Wie ein Bahnsprecher mitteilte, wurde der Streckenabschnitt von Berlin Hauptbahnhof (Untergeschoss) bis zum nördlichen Berliner Innenring bis voraussichtlich 13 Uhr gesperrt. "Reisende sollten sich auf Verspätungen und Umleitungen im Fernverkehr vorbereiten", hieß es bei der Bahn am Morgen. Der S-Bahn-Verkehr war nicht von Einschränkungen betroffen.

Die Polizei hatte einen Sicherheitskorridor von bis zu 400 Meter um den Fundort der Bombe gezogen. Von 10 Uhr an forderten Beamte Bewohner in benachbarten Straßen auf, ihre Wohnungen zu verlassen. "Es wird an jede Tür geklopft oder geklingelt", sagte ein Polizeisprecher. Die Evakuierung umliegender Häuser hatte sich zwischenzeitlich verzögert. Eigentlich hatte sie bis 11.30 Uhr abgeschlossen werden sollen. Bis zum Mittag war dann aber alles bereit, meldete die "Berliner Morgenpost". Laut der Zeitung mussten auch die 48 Kinder einer Kita in der Lehrter Straße in eine Notunterkunft umziehen, die in der Moses-Mendelssohn-Schule, Stephanstraße 2, eingerichtet wurde.

Welche Züge betroffen sind

Die Bahn teilte mit, die Strecke von Berlin Hauptbahnhof Tief bis zum nördlichen Berliner Innenring sei gesperrt. In dieser Zeit würden beispielsweise ICE-Züge aus Richtung Spandau über Berlin Ostbahnhof umgeleitet. Bahnreisende, die gegen 9.30 per ICE nach Hamburg unterwegs waren, berichteten von Minuten der Unsicherheit. Ihr Zug habe etwas länger als geplant im Hauptbahnhof gestanden, sei dann aber losgefahren - vermutlich als einer der letzten ICE, die an diesem Morgen den Berliner Hauptbahnhof verlassen konnten.

Nicht nur die Fernverbindungen sind betroffen, sondern auch der Regionalverkehr. So fahren nach Angaben der Bahn Züge der Linie RE 3 nicht zwischen Gesundbrunnen und Blankenfelde. Die Linie werde über Berlin-Lichtenberg mit Halt umgeleitet. Die Züge verspäteten sich bis zu 20 Minuten, teilte die Bahn mit.

Die Züge der Linie RE 5 fahren nur zwischen Berlin-Gesundbrunnen und Birkenwerder. Als Ersatz sollten Fahrgäste die S-Bahn nutzen. Die Züge der RB 10 fahren nur zwischen Nauen und Jungfernheide. Auch hier sollten Reisende als Ersatz ab Berlin-Spandau die Linien RE 2 und RB 14 oder die U-Bahn nutzen. Die Züge der RE 4 (ODEG) fallen laut Bahn zwischen Berlin-Spandau und Berlin Hauptbahnhof aus.

Die Bahn verwies auf ihr reguläres Info-Telefon unter der Nummer

0331 235-6881

und

-6882

.

Informationen in sozialen Netzwerken

Außerdem nutzt das Unternehmen auch die die sozialen Netzwerke und informiert über Twitter und Facebook die Reisenden über Einschränkungen des laufenden Betriebs in Berlin.

Über die Homepage der Bahn lassen sich weitere Details zu den Regionalzügen und zum S-Bahnverkehr abfragen. Wer wissen möchte, ob ein konkreter Zug umgeleitet, ausfällt oder von Verspätung betroffen ist, findet dort unter "Live Auskunft" genaue Angaben. Die Kunden scheinen die Probleme am Berliner Hauptbahnhof mit Gelassenheit hinzunehmen. Noch gibt es keine wütende Postings auf Twitter oder Facebook.

anb/DPA / DPA

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