HOME

Sommerhitze: So heiß war es noch nie

Das Sturmtief "Olivia" hat in Deutschland für etwas Abkühlung gesorgt - jedoch nur kurz. Ab Freitag geht die Hitzewelle weiter, die Temperaturen klettern wieder deutlich über 35 Grad. Bleibt es so, erlebt Deutschland den heißesten Monat aller Zeiten.

Von Björn Erichsen

Sturmtief "Olivia" ist durchgezogen und hat vor allem im Westen des Landes seine Spuren hinterlassen. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und dem Saarland wurden Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt, selbst der Frankfurter Flughaften musste kurzzeitig schließen. Das mit 600 Kilometer ungewöhnlich lange Sturmtief hat neben reichlich Regen aber auch etwas mitgebracht, wonach die Menschen landauf, landab seit Tagen lechzen: Abkühlung, zumindest ein bisschen.

Ein Monat auf Rekordkurs

"Die Gewitter haben für etwas Hitzeentspannung gesorgt", sagt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. "Was wir derzeit erleben ist aber nicht mehr als eine kurze Zwischenabkühlung." So stiegen die Temperaturen nach dem Durchzug von "Olivia" mit 23 bis 30 Grad nicht mehr ganz so hoch wie in den vergangenen Tagen. Vor allem im Westen und Norden sorgt ein frischer Wind für eine angenehme Brise. "Ein Ende der Hitzewelle ist dennoch nicht in Sicht, am Freitag erwarten wir bereits wieder Temperaturen deutlich über 30 Grad", so Friedrich.

Es könnte in Deutschland sogar historisch heiß werden: Der Juli 2010 hat beste Chancen der heißeste Monat aller Zeiten zu werden. "Nachdem die Hälfte des Monats nun fast vorüber ist, beträgt die gemessene Mitteltemperatur für ganz Deutschland 22,4 Grad", so Meteorologe Friedrich. "Damit könnte der Juli der wärmste Monat seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnung im Jahr 1900 werden." Der bisherige Rekord stammt aus dem Juli 2006 mit einer Mitteltemperatur von 22,1 Grad - und trug damit nicht unwesentlich zum leidenschaftlich verklärten "Sommermärchen" der Deutschen bei.

Berliner Nächte sind heiß

Auch die Anzahl der "Tropennächte" ist in diesem Jahr rekordverdächtig. So bezeichnen Meteorologen Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Die Wetterstation am Berlin-Alexanderplatz registrierte am Donnerstagmorgen beispielsweise bereits die sechste Tropennacht in Folge. Eine solche Serie tropischer Nächte hat es in den fast 250 Jahre zurückreichenden Messreihen in Berlin noch nicht gegeben. Besonders betroffen sind die Innenstädte: Im Vergleich zum Alexanderplatz war es am Stadtrand Berlins etwa um fünf Grad kühler.

Blickt man auf die aktuellen Vorhersagen, deutet wenig auf ein Ende der Hitzewelle hin: Am Freitag und Samstag heizt uns Hoch "Achilles" mit Temperaturen deutlich über 30 Grad kräftig ein, am Samstagabend werden erneut Wärmegewitter erwartet, die vor allem im Osten Deutschlands wieder Unwetterpotenzial besitzen können. Nach Durchzug der Gewitterfront wird es am Sonntag etwas kühler. Jedoch gehen Meteorologen nicht davon aus, dass das Quecksilber bis zum Ende der nächsten Woche großräumig unter die 25-Grad-Marke sinken wird. Gut möglich also, dass wir jetzt gerade, den heißesten Monat aller Zeiten erleben.

Wissenscommunity