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Tauschbörse: Das Ferienhaus zum Nulltarif

Die Reisebranche lahmt. Knappe Kassen halten viele Bundesbürger davon ab, Katalogreisen zu buchen. Haustausch heißt die clevere und preiswerte Alternative.

Die Reisebranche lahmt. Knappe Kassen und unsichere Zeiten halten viele Bundesbürger davon ab, Katalogreisen zu buchen. Dafür ist der weltweite Tausch von Häusern und Wohnungen unter Privatleuten zum Nulltarif immer gefragter. Die preisgünstige Ferienidee liegt offenbar stark im Trend. "Wir haben Zuwachsraten zwischen 10 und 15 Prozent aufs Jahr gesehen", berichtet Manfred Lypold, Vorstand des Vereins "Holiday Service", dem deutschen Standbein des nach eigenen Angaben größten Anbieters "HomeLink International".

"Nimm mein Haus, während ich in deinem Urlaub mache"

Was vor 50 Jahren in Amerika als kleines Austauschprogramm für Universitätspersonal begann, entwickelte sich zu einer internationalen Non-Profit-Organisation mit gut 12.500 Mitgliedern in 50 Ländern. Das Prinzip "Nimm mein Haus, während ich in deinem Urlaub mache" findet nun offensichtlich auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Neben "Holiday Service" konnten sich weitere Anbieter wie "Intervac" oder "B-EACH" (Berlin Exchange Agency of Cars and Homes) auf dem Markt etablieren.

Tauschbörse im Internet

Der Kontakt zu Tauschpartnern in aller Welt ist in der Regel schnell geknüpft. Für Mitgliedsbeiträge zwischen 87 und 120 Euro im Jahr können sich Interessenten in die Online-Datenbanken und gedruckten Tauschbücher aufnehmen lassen. Der Zugang zu sämtlichen Adressen steht damit offen. Wer bereits weiß, dass er im Sommer nach Norwegen oder in den australischen Busch verreisen will, kann sich dann gezielt auf die Suche nach Menschen aus dem Zielland machen, die in der gleichen Zeit nach Deutschland kommen wollen.Farbfotos und detaillierte Beschreibungen von Lage und Wohnungsausstattung (zum Beispiel neue Küche, Garten, Pool, Sicht aufs Meer, fünf Kilometer zum Stadtzentrum, Schlafzimmerzahl) helfen bei der Auswahl. Wer "nur" ein Appartement in der Großstadt zu bieten hat, aber gern das Angebot eines Bungalows am Strand von Honolulu annehmen würde, braucht keine Scheu zu haben. "Die Leute suchen oft die Abwechslung. Es passiert häufig, dass Studentenbuden in Paris gegen Villen mit allem Komfort getauscht werden", weiß Lypold. Nachgefragt würden nicht nur Touristengebiete in Deutschland, sondern auch abgelegene Regionen auf dem Land.Hat man einen passenden Tauschpartner gefunden, muss man den Rest der Urlaubsplanung selbst in die Hand nehmen. Dazu gehört die Kontaktaufnahme (meist auf Englisch), die Terminkoordination und Feinabsprachen - ob die Tauschfamilie den Haustürschlüssel am Flughafen oder beim Nachbarn hinterlegt findet. Die Kostenkalkulation ist einfach: Außer Flügen oder Autofahrten und Verpflegung am Urlaubsort fallen keine weiteren Ausgaben an. Fürs Wohnen verlangt kein Tauschpartner Geld, auch nicht für die wechselseitige Nutzung der Autos.

Gewaltige Hemmschwelle für Neueinsteiger

Vertrauen gegen Vertrauen: Eine gehörige Portion Weltoffenheit müssen Tauschpartner für solch ein Konzept auf jeden Fall mitbringen. "Das ist Grundvoraussetzung, schließlich überlässt man Fremden eine Zeit lang die eigenen vier Wände", berichtet Lypold. Viele Neueinsteiger müssten anfangs eine „gewaltige Hemmschwelle überwinden„. Erfahrene "Homeswapper", die auf diese Art schon die halbe Welt bereisten, haben damit längst kein Problem mehr, wie sie in Internet-Erlebnisberichten einhellig beteuern.Eine Garantie darauf, dass der Tauschpartner nicht die Wohnung auseinander nimmt oder klaut, gibt es nicht, räumt Lypold freimütig ein. Seit Bestehen der Tauschidee sei es jedoch kein einziges Mal zu Diebstählen gekommen, betont er. Wenn es Beschwerden gab, drehten die sich ausschließlich um unterschiedliche Vorstellungen von Sauberkeit im Haushalt. "Bei uns ist nichts über Probleme beim Haustausch bekannt, das läuft offenbar reibungslos", bestätigt auch Beate Wagner, Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Gegen Schäden im Haus versichert

Schäden im Haus decken in der Regel die Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen ab. Für nicht versicherte Problemfälle steht beispielsweise "Holiday Service"-Mitgliedern ein Garantiefonds in Höhe von 2.557 Euro zu. Beim Autotausch empfiehlt sich allerdings ein Vollkaskoschutz auf Zeit.

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