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Tauwetter in Deutschland: Jetzt droht Blitzeis

Erst Verkehrschaos durch Schnee, jetzt Gefahr durch spiegelglatte Straßen: Für die kommenden Tage warnen Meteorologen wegen des Tauwetters vor gefährlichen Rutschpartien auf den Straßen - ausgerechnet zur Weihnachtsreisewelle.

Deutschland taut allmählich auf. Doch begonnen hat die Weihnachtswoche mit Eis, Schnee und Chaos im Reiseverkehr. Rutschpartien auf den Straßen zwischen Kiel und Konstanz führten auch am Montag zu unzähligen Karambolagen und Staus. Auch auf Bahnhöfen und Flughäfen waren starke Nerven gefragt: Züge und Flüge verspäteten sich zum Teil beträchtlich. Ein tragischer Todesfall wurde aus Sachsen gemeldet. In Lohmen erfror ein demenzkranker 84-Jähriger in seinem Garten. Am Wochenende hatte die Kältewelle mit Temperaturen um minus 20 Grad in Deutschland mindestens sieben Todesopfer gefordert.

Am Dienstag sollen die Temperaturen schon wieder auf zehn Grad über null klettern, das "Weihnachtstauwetter" setzt ein. Die Hoffnung auf eine weiße Weihnacht bleibt trotzdem. "Der Norden wird wohl bis zu den Feiertagen weiß bleiben, denn hier kann sich die milde Luft nicht durchsetzen", sagte Martin Jonas, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Für den Süden gibt es noch keine genaue Prognose.

Achtung, Glatteisgefahr!

Der Räumdienst muss weiter auf Hochtouren arbeiten. Weil der Boden noch tiefgefroren ist, kann es in den nächsten Tagen zu Blitzeis auf den Straßen kommen. Die Fahrt in den Weihnachtsurlaub könnte also zur gefährlichen Rutschpartie werden "Hinter jeder Kurve kann es glatt sein", warnte Bern Löchter, Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesbetriebs Straßenbau in Oberhausen.

Trotz zahlreicher Unfälle bescheinigte die Polizei den Autofahrern allgemein vernünftiges Verhalten im Straßenverkehr. Bei den meisten Unfällen blieb es bei Blechschäden. Probleme machten immer wieder Lastwagen, die ins Rutschen gerieten und sich quer stellten. Kilometerlange Staus - etwa auf der Autobahn München-Salzburg oder der A1 im Großraum Hamburg - waren die Folge. Der ADAC rechnet dort auch zu Beginn der ersten weihnachtlichen Reisewelle an diesem Mittwoch mit Behinderungen.

Den längsten Stau gab es am Sonntagabend auf der Autobahn 1 bei Wuppertal. Dort ging nach Ende des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen zeitweise nichts mehr. Das Technische Hilfswerk versorgte die feststeckenden Autofahrer mit heißem Tee und wärmenden Wolldecken. Gegen 2 Uhr am Montagmorgen waren die Streufahrzeuge endlich durchgekommen. Der Verkehr rollte wieder.

Probleme bei der Bahn

Schnee und Kälte hatten auch der Bahn Probleme bereitet. "Wir haben bundesweit Störungen", sagte ein Sprecher am Montag. Mal fielen Signalanlagen aus, mal ließen sich Weichen nicht stellen, mal seien Loks nicht fahrbereit. "Wir fahren aber deutlich besser als gestern", sagte der Sprecher. Verspätungen wurden am Montagvormittag unter anderem von der Strecke Hamburg-Hannover gemeldet. Dort behindern derzeit Bauarbeiten den Zugverkehr zusätzlich.

Auch die S-Bahnen funktionierten bei strengem Frost nicht einwandfrei. In Hamburg fielen zwei Linien im morgendlichen Berufsverkehr aus, weil sich die Türen nicht richtig schließen ließen. Auch in Berlin mussten einzelne Wagen in die Werkstatt. Weil die Fahrzeugreserven aufgebraucht sind, verordnete die S-Bahn-Leitung Einschränkungen auf einzelnen Linien.

Verspätungen auf Flughäfen

Rund 300 Flüge hatte die Lufthansa am Wochenende wegen Schneetreibens abgesagt. Der Großteil der übrigen Flüge sei verspätet gewesen, teils bis zu 18 Stunden, sagte ein Sprecher in Frankfurt. Nach Angaben der Lufthansa waren Passagiere auf andere Flüge umgebucht und teils über Nacht in Hotels untergebracht worden. Einige Menschen verbrachten die Nacht am Frankfurter Flughafen. Doch auch am Montag war Geduld gefragt: Knapp 100 Starts und Landungen wurden bis zum Nachmittag gestrichen. Viele Flieger mussten vor dem Start enteist werden. Für den Abend wurde neuer Schneefall erwartet.

Der Flughafen Düsseldorf nahm am Montag wieder den Betrieb auf. Eine Landebahn war jedoch zunächst noch schneebedeckt und gesperrt. Von 470 geplanten Starts und Landungen seien 20 Verbindungen ausgefallen, sagte eine Sprecherin. Nachdem am Sonntag wegen des Schnees der komplette Flugverkehr eingestellt worden war, hatten etwa 700 Fluggäste die Nacht auf dem Flughafen verbracht.

Der Eurostar-Verkehr unter dem Ärmelkanal sollte am Dienstag teilweise wieder aufgenommen werden. Man hoffe, nach Weihnachten zum Normalbetrieb zurückkehren zu können, sagte Eurostar-Betriebsleiter Nicolas Petrovic am Montag. Nach der beispiellosen Panne vom Wochenende bestellte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Präsidenten der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, Guillaume Pepy, in den Elysée-Palast ein. Von dem Chaos betroffen waren wenige Tage vor Weihnachten schätzungsweise 55.000 Fahrgäste. Der Fahrkartenverkauf wurde bis auf weiteres eingestellt.

DPA/APD / DPA

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