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Australian Open: Pinkelpause hilft "FedEx"

Bei den Australian Open stehen völlig überraschend gleich zwei Chinesinnen im Halbfinale der Damen-Konkurrenz. Bei den Herren benötigte Roger Federer eine Pinkelpause, um in die Spur zu finden.

Roger Federer hat das Halbfinale der Australian Open erreichet und bleibt auch in der 268. Woche die Nummer eins der Tennis-Welt. Der 28-jährige Schweizer, in der Szene nur "FedEx" genannt, erwischte am Mittwoch in Melbourne gegen den Russen Nikolai Dawydenko zwar einen Fehlstart, konnte das Blatt Mitte des zweiten Satzes aber wenden und kam zu einem letztlich souveränen 2:6, 6:3, 6:0, 7:5-Erfolg. In der Runde der besten Vier bekommt es Federer nun mit dem Serben Novak Djokovic oder Haas-Bezwinger Jo-Wilfried Tsonga aus Frankreich zu tun. Gegen beide hat der Eidgenosse die letzte Begegnung verloren.

So wie gegen Dawidenko. Der Russe hatte ihn zuletzt sogar zweimal geschlagen: Bei der ATP-Weltmeisterschaft in London im vergangenen November und Anfang des Jahres im Halbfinale von Doha. Auch im Melbourne Park schien der Dauerläufer wieder die besseren Karten zu haben. Mit zwei Breaks und 5:1 ging er gleich in Führung, und die 15 000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena witterten schon die Sensation. Federer blickte unzufrieden in die Runde und legte nach dem ersten Durchgang erst einmal eine Toilettenpause ein.

"Die Sonne hat mich geblendet. Deshalb habe ich mir Zeit gelassen und gehofft, Zentimeter für Zentimeter, dass sie hinter dem Stadiondach verschwindet", erklärte Federer. "Und auf die Toilette musste ich natürlich auch." Doch auch die paar Minuten der Besinnung brachten zunächst nichts. Dawidenko schaffte zum 2:1 wiederum ein Break, und der Blick in die Statistik verriet die Kräfteverhältnisse. Denn 9 Fehlern des Russen standen zu diesem frühen Zeitpunkt schon unglaubliche 25 des 15-maligen Grand-Slam-Champions gegenüber.

"Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und positiv zu denken", meinte Federer. Doch das Aus im Viertelfinale rückte näher; bis zum sechsten Spiel des zweiten Satzes. Plötzlich leistete sich Dawydenko ein, zwei ungenaue Schläge - und schon war Federer da, schaffte das Rebreak und war fortan nicht mehr zu halten. "Ich war sicher der Glücklichere heute, aber ich habe auch gut gespielt und bin froh darüber, durch zu sein", meinte er nach seinem 52. Sieg in Melbourne.

Venus Williams konnte gegen Li Na den Hals nicht aus der Schlinge ziehen und schied im Viertelfinale aus. Als zweite Chinesin zog Li Na in die Runde der besten Vier eines Grand-Slam-Tennisturniers ein. Die 27-Jährige machte mit ihrem 2:6, 7:6 (7:4), 7:5-Erfolg überdies das mögliche Halbfinale der Williams-Schwestern zunichte. "Das war das beste Match meines Lebens", sagte die Chinesin.

Die Weltranglisten-17. Li Na trifft nun in der Vorschlussrunde auf Titelverteidigerin Serena Williams, die sich mit 4:6, 7:6 (7:4), 6:2 gegen die Weltranglisten-Siebte Victoria Azarenka aus Weißrussland durchsetzte. Ebenfalls am Donnerstag kämpft die zweite Chinesin, Jie Zheng, die schon 2008 im Semifinale in Wimbledon stand, gegen Justine Henin aus Belgien um den Einzug ins Finale.

Als sie nach verlorenem ersten Satz auch im zweiten mit 0:4 zurücklag, wollte Serena Williams schon ihre Tennistasche packen. Doch von einem Schlag auf den anderen klappte bei der topgesetzten Amerikanerin all das, was noch Minuten vorher schiefgegangen war. "Beim 0:4 habe ich wirklich nicht mehr daran geglaubt, das Match noch gewinnen zu können. Ich bin sehr froh", sagte die Nummer eins der Tennis-Welt, die diese Position auf jeden Fall verteidigen wird.

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