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Interviews, Orden, Kinderbett "Das ist die größte Erlösung": So erlebt Boris Herrmann seine Zeit nach der Weltumseglung

Vendée Globe
Sehen Sie im Video: Weltumsegler Boris Herrmann schildert seinen Crash kurz vor dem Ziel.
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Gestern ist er bei der Vendée Globe als Fünfter ins Ziel gegangen, heute wird der Hamburger Skipper Boris Herrmann bereits für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Wieder an Land ist er so gefragt wie nie. Die nächste Herausforderung wartet nun zu Hause.

Auch einen Tag nach seiner Zielankunft bei der Vendée Globe versiegte der Redefluss von Boris Herrmann nicht. "Ich habe noch immer das Bedürfnis zu erzählen", sagte der Weltumsegler am Freitag. Und alle hören dem neuen deutschen Segel-Star gern zu.

Nach dem Meeres-Marathon begann für Boris Herrmann der Interview-Marathon. Nach seinem fünften Platz bei der Vendée Globe ist der Weltumsegler ein gefragter Mann. Alle wollen etwas von dem neuen deutschen Segel-Star wissen. Trotz der Termine fand der 39-Jährige nach den 80 Tagen allein auf den Weltmeeren und über 28.000 Seemeilen in den Schlaf. "In einem Bett zu liegen, das sich nicht bewegt, man muss nicht mehr aufpassen – das ist die größte Erlösung nach so einer langen Anspannung", sagte der Hamburger am Freitag im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF.

Er habe "wie ein Stein komatös geschlafen", sagte er. Erst seine kleine Tochter habe ihn geweckt, als sie "mir in den Rücken geboxt" hat.

Seine Reise um die Welt mit seiner Jacht "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" hatte Kommunikationstalent Herrmann selbst zu einem Medienereignis gemacht. Über die sozialen Medien sprach er regelmäßig mit Journalisten oder diskutierte mit Kindern über Klimawandel und die Verschmutzung der Meere. Das dramatische Schlusskapitel des modernen Abenteuers mit dem Zusammenstoß in dunkler Nacht mit einem Fischereischiff steigerte das mediale Interesse an ihm noch einmal.

Boris Hermann beendet Vendée Globe als Fünfter

Gerade diese folgenreiche Begegnung am Mittwochabend mit dem spanischen Kutter etwa 90 Seemeilen vor Les Sables-d'Olonne sorgte auch einen Tag nach Herrmanns Zieldurchfahrt noch für Diskussionen. Doch nach einem Telefonat mit dem Schiffseigner scheinen die Wogen geglättet zu sein. "Wir haben uns nett unterhalten. Auf jeden Fall keine Vorwürfe von meiner Seite", sagte er. Sie hätten sich "nett gegenseitig beieinander entschuldigt".

Zuletzt hatten Herrmann und der Kapitän des Fischkutters über den Vorfall noch unterschiedliche Ansichten geäußert. Kapitän Josu Zaldumbide hatte der "Süddeutschen Zeitung" versichert, dass das AIS, durch das Schiffe ihre Navigations- und Schiffsdaten austauschen, bei ihm eingeschaltet gewesen sei. Herrmann hatte das angezweifelt.

"Er hat recht", erklärte er nun. "In der Hast der Situation habe ich das als die einfachste und nahe liegendste Erklärung wahrgenommen, weil ich schon das ein oder andere Fischerboot gesehen habe, das kein AIS an hatte." Warum die Alarmsysteme auf seiner Jacht nicht ausgelöst haben, konnte er sich selbst nicht erklären.

Auch wenn er durch die Kollision und die Schäden an seinem Boot den erhofften Podiumsplatz oder sogar den Sieg verpasste, war er nicht niedergeschlagen. Er versucht, das positiv zu sehen. "Die Kollision hat mir gezeigt, wie sehr ich diese Ankunft wollte", sagte er. "Vielleicht kommt das noch einmal hoch später, wenn ich realisiere, was ich verpasst habe mit diesem Podium." Im Moment überwiege "einfach die Freude, dass ich weitersegeln konnte, dass niemand zu Schaden gekommen ist."

Der Unfall hat ihm den Reiz an der Vendée Globe nicht genommen. Eine erneute Teilnahme schließt er nicht aus. "Ich kann mir durchaus vorstellen, die Vendée Globe noch einmal zu machen", meinte er, nachdem er noch am Tag seiner Rückkehr sich vorsichtiger geäußert hatte.

Boris Herrmann für Bundesverdienstkreuz im Gespräch

Seine Leistung ist auch der Politik nicht entgangen. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, hat Herrmann für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Eine entsprechende Anregung habe er bei der Hamburger Staatskanzlei abgegeben, sagte der Hamburger SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur und bestätigte einen Bericht des "Hamburger Abendblatt".

Nicht allein wegen der sportlichen Leistung, betonte Annen, selbst leidenschaftlicher Segler. Herrmann habe als engagierter Umweltschützer auch gesellschaftliche Anliegen mit der Regatta verbunden. "Das freut mich sehr, wenn das wahrgenommen wird und wertgeschätzt wird", sagte der Sportler.

In den nächsten ein, zwei Tagen will Herrmann nach Hamburg zurückkehren. Dann steht voraussichtlich eine Tour durch Talkshows an. Anfragen gibt es genug. Die größte Herausforderung erwartet ihn aber zu Hause in Hamburg bei Ehefrau Birte Lorenzen-Herrmann und der sieben Monate alten Marie-Louise: Das Babybett für die Tochter muss zusammengebaut und die Vorhänge sollen aufgehängt werden. "Anscheinend sind das zwei meiner Aufgaben", meinte er. "Das habe ich auch aus der Presse erfahren."

tim / rw mit DPA

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