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Nach Milliarden-Deal in England Bundesliga-Bosse fordern neue Anstoßzeiten


In England kassieren die Fußball-Klubs bald über drei Milliarden Euro pro Saison, in Deutschland maximal 835 Millionen. Nun fordern die ersten Bundesliga-Akteure ein Umdenken in Sachen Spielplan.

Der milliardenschwere Fernsehvertrag für die Premier League hat in der Fußball-Bundesliga die Diskussion über weitere Einnahmen aus der TV-Vermarktung neu entfacht. Die ersten Bundesliga-Bosse fordern nun ein Umdenken beim Spielplan.

"Es ist bemerkenswert, dass der Letzte in England mehr bekommt als der Erste in Deutschland. Man muss darüber nachdenken, wie man die große Lücke schließen kann. Da muss man über viele Sachen nachdenken und bereit sein, etwas zu ändern", sagte Schalkes Sportvorstand Horst Heldt, der ebenso wie manch einer seiner Kollegen um die Konkurrenzfähigkeit des Premium-Produkts Bundesliga fürchtet. "Das ist natürlich extrem. Da müssen wir schon aufpassen, dass da nichts verrutscht", sagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol.

Leverkusens Sportchef Rudi Völler sagte gegenüber der "Bild", er könne sich auch Erstligaspiele am Montagabend vorstellen. Das wäre ein "Zückerchen fürs Pay-TV", so Völler. VFL-Manager Klaus Allofs kritisierte gegenüber dem Boulevard-Blatt, das England weniger Einwohner als Deutschland, aber deutlich mehr Pay-TV-Abonnenten habe. Auch BVB-Manager Michael Zorc sprach sich für neue Möglichkeiten aus. Es könne ja nicht sein, dass Stoke City in Zukunft den deutschen Spitzenklubs den Rang ablaufe, so Zorc.

Über 3,1 Milliarden pro Jahr für die Premier-League

Auch DFL-Chef Christian Seifert sieht die Bundesliga in Sachen Vermarktung in Zugzwang und kündigte bereits "unpopuläre Maßnahmen" an, um den Abstand zur Premier League nicht zu groß werden zu lassen. Dort kassieren die Clubs auch dank verschiedener Anfangszeiten von 2016 an rund 6,9 Milliarden Euro für drei Jahre. Mit zusätzlichen erwarteten 2,6 Milliarden aus der AUslandsvermarktung kommen die Klubs auf 9,5 Milliarden Euro. Das entspicht mehr als 3,1 Milliarden pro Jahr. In Deutschland läuft der aktuelle TV-Vertrag 2017 aus. Dieser Vierjahreskontrakt ist mit 2,51 Milliarden Euro dotiert. In der Saison 2016/2017 soll es 835 Millionen Euro für die Bundesliga-Klubs geben.

"Ich denke, die Preise werden, was Gehälter und Transfers angeht, steigen. Daher wäre es wünschenswert, wenn die Bundesliga das gleiche Geld erhält, damit wir Schritt halten können", forderte Wolfsburgs Manager Allofs. Für den Geschäftsführer des Tabellenzweiten ist die weitere Aufsplitterung der Bundesliga-Spieltage eine Möglichkeit, um durch höhere Fernseh-Einnahmen finanziell den Anschluss zu halten. "Es darf kein Tabuthema geben. Bisher haben wir den Spagat hinbekommen, Wünsche zu erfüllen, aber den Spieltag kompakt zu gestalten. Aber auch da muss es Kompromisse geben." Ähnlich sieht es Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl: "Unter Umständen müssen wir mit Traditionen brechen, um im Wettbewerb mithalten zu können."

Die neun Spiele einer Bundesliga-Runde werden bis jetzt vom Freitag bis zum Sonntag zu fünf verschiedenen Zeiten angepfiffen. Stuttgart-Coach Huub Stevens erklärte, man müsse für alles offen sein: "Wenn mehr Geld hereinkäme, wäre das für alle Vereine gut." Es müsse aber abgewartet werden, wie die Fans beispielsweise Anstoßzeiten um 12.00 Uhr mittags annehmen würde.

Finanzvorteil auf der Insel

Ohne zusätzliche Einnahmen könnte der Bundesliga, so Hoffenheims Gisdol, der Verlust von Stars an die zahlungskräftigere Konkurrenz auf der Insel drohen. "Da muss man aufpassen, dass nicht die absoluten Topstars, die das Salz in der Suppe ausmachen, diesen Verlockungen erliegen", sagte der 45-Jährige zu den finanziellen Möglichkeiten der reichsten Liga der Welt.

Es sei für viele englische Clubs kein Problem, Ablösesummen von 10 Millionen einfach mal so zu zahlen, oder Gehälter für einen durchschnittlichen Spieler von vier Millionen, sagte Gisdol. "Das ist schon ein bedenklicher Schritt. Ich hoffe, dass wir in der Bundesliga bei der Vermarktung nachziehen, damit es keine schlechte Verteilung gibt", erklärte der Chefcoach des Bundesligisten aus dem Kraichgau, betonte aber auch: "Solange die Engländer so arbeiten, wie sie jetzt arbeiten, habe ich noch keine Sorge, dass sie unsere Spitzenteams kurzfristig gefährden."

fin mit Material von DPA

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