Claudia Pechstein Urteil im Dopingfall am Nachmittag


High Noon für Claudia Pechstein: Gegen Mittag soll die erfolgreichste deutsche Winterolympionikin am Mittwoch das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS in ihrem Dopingfall erhalten, gegen 15.30 Uhr wird auch die Öffentlichkeit über die Internetseite des CAS (www.tas-cas.org) in Kenntnis gesetzt.

High Noon für Claudia Pechstein: Gegen Mittag soll die erfolgreichste deutsche Winterolympionikin am Mittwoch das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS in ihrem Dopingfall erhalten, gegen 15.30 Uhr wird auch die Öffentlichkeit über die Internetseite des CAS (www.tas-cas.org) in Kenntnis gesetzt.

290 Tage nach ihrem letzten Wettkampf wird die fünfmalige Olympiasiegerin dann wissen, ob ihre ruhmreiche Karriere in Trümmern liegt oder ob sie weiter von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Vancouver träumen darf. Pechstein gibt sich weiter kämpferisch. "Seit der Verhandlung vor fast fünf Wochen hat sich an den Fakten nichts geändert. Und die sprechen eindeutig für mich", schrieb die Berlinerin auf ihrer Homepage (www.claudia-pechstein.de).

Sie konnte eine gewisse Erleichterung nicht verbergen, dass das "Warten endlich ein Ende" hat. So oder so wird das juristische Gerangel weitergehen. Im Fall eines Schuldspruchs durch den CAS hat Pechstein bereits den Gang vor ein Zivilgericht angekündigt: "Ich werde kämpfen bis zum Letzten". Das Schweizer Bundesgericht in Lausanne und danach der Europäische Gerichthof für Menschenrechte in Straßburg wären ihre letzten Anlaufstellen.

Für Olympia qualifizieren kann sie sich nur noch bei den beiden folgenden Weltcups in Calgary (4. bis 6. Dezember) und Salt Lake City (11. bis 13. Dezember). Ein Platz im Flieger nach Calgary mit der Nationalmannschaft am Donnerstag ist für sie reserviert. Hebt der CAS die Sperre auf, wird Pechstein den Weltverband ISU auf Schadenersatz verklagen. Rechtsbeistand und Expertisen haben sie bislang angeblich eine Viertelmillion Euro gekostet. Viele Werbeverträge liegen auf Eis.

Die letzte ihrer zahlreichen Attacken gegen die ISU, die sie wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre sperrte, hatte Pechstein am Montag gestartet. Ihre Anwälte beantragten die Wiedereröffnung ihrer Verhandlung vor dem CAS, weil der ISU-Experte Pierre Sottas angeblich nicht mehr zu seiner Expertise, die Pechstein schwer belastete, stehe. Sottas wollte dies weder bestätigen noch dementieren.

"Das klingt wie ein Verzweiflungsschuss kurz vor Toresschluss. Solange eine Expertise vor dem CAS nicht offiziell zurückgezogen wurde, ist sie weiterhin gültig. Solche Spielchen sollte man von Pechstein-Seite tunlichst unterlassen. Sie hinterlassen einen faden Beigeschmack", sagte der CAS-erfahrene Rechtsexperte Michael Lehner dem SID: "Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Es sieht nicht gut für sie aus." Dass Pechstein im Falle eines Schuldspruchs vor der nächsten Instanz, dem Schweizer Bundesgericht, ein Startrecht für die Winterspiele einklagen könnte, hält Lehner für "nicht ausgeschlossen".

Er habe im Fall des Radsportlers Danilo Hondo einstweilige Verfügungen gegen Hondos Sperre erwirkt, sodass er wieder starten durfte. "Diese Chance hat auch Pechstein", sagte Lehner, verwies aber auf den Zeitfaktor: "Für einen Olympiastart würde es eng werden." DOSB-Präsident Thomas Bach sieht derweil die Anwendbarkeit des indirekten Dopingbeweises, wie er im Fall Pechstein weltweit erstmals geführt wurde, auch nach dem Urteilsspruch nicht in Gefahr.

"Wir sehen dem Urteil mit Spannung entgegen. Unabhängig vom Ausgang des Einzelfalls kann ich mir wegen der klaren Regeln nicht vorstellen, dass das Urteil den indirekten Beweis grundsätzlich verwirft", sagte Bach auf SID-Anfrage: "Dies wäre im Übrigen ein herber Rückschlag in unserem Kampf gegen Doping und deshalb für die olympische Bewegung schwer hinnehmbar." Bach, der auch Vorsitzender der CAS-Berufungskammer, kennt das Urteil noch nicht. Auch Pechstein hat ihre Meinung zum indirekten Dopingnachweis: "Er zeigt doch am besten dann, dass er tatsächlich funktioniert, wenn er auch dazu in der Lage ist, die Unschuldigen zu schützen und freizusprechen."

Den ISU-Offiziellen warf sie vor, dass es ihnen nur noch um die Bestätigung ihrer Sperre ginge, "ganz gleich, um welchen Preis." Der Preis, den Pechstein zahlen müsste, wäre in der Tat hoch. "Es geht nicht nur um ihre sportliche Karriere, es geht auch um ihren Ruf", sagt ihr Anwalt Simon Bergmann. Und um den steht es denkbar schlecht, sollte der CAS Pechstein den Stempel der Dopingsünderin aufdrücken.

SID SID

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