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Ersatzspieler bei Tischtennis-EM: Dimitrij Ovtcharov führt deutsche Herren ins Viertelfinale

Als Notnagel reiste er nach, nun soll er bis zum Ende der Tischtennis-EM durchspielen. Dimitrij Ovtcharov ist aber noch nicht richtig fit, die turbulente Reise nach Lissabon soll sich aber lohnen.

Die verrückte Reise mit Flugzeug und Auto von Hannover in die Meo-Arena nach Lissabon wird Dimitrij Ovtcharov nicht so schnell vergessen. Der Tischtennis-Europameister, der nach seiner Weisheitszahn-Operation mit mehrtägiger Verspätung zur Team-EM geflogen war, musste am Donnerstagabend Hals über Kopf für den verletzten Patrick Franziska nachrücken. "Ich bin froh, dass ich einspringen und der Mannschaft als Feuerwehrmann helfen konnte", berichtete Ovtcharov nach seinem spektakulären EM-Einstand.

"Eigentlich sollte ich ja als Backup nur auf der Bank sitzen", erläuterte der 26 Jahre alte Hamelner seine EM-Pläne. Doch bereits vor dem verspäteten Abflug in Hannover-Langenhagen erfuhr er von dem Missgeschick seines Kollegen Franziska, der beim 3:1 gegen Portugal umgeknickt war. Am Flughafen Lissabon musste "Dima" 25 Minuten auf das bestellte Auto warten, das danach auf der Fahrt in die Halle auch noch einen kleinen Unfall ohne Personenschaden hatte. Erst wenige Minuten vor Beginn der Ungarn-Partie traf Ovtcharov am Spielort ein.

"Turbulenteste Reise meines Lebens"

Die Teamleitung hatte ihn zuvor auf Position drei gemeldet. Nach dem Umziehen blieb noch eine gute halbe Stunde Zeit zum Einspielen mit den neuen Plastik-Bällen. Obwohl sein Puls "dauerhaft hoch" war, reagierte Ovtcharov äußerlich cool. Fünf Minuten ließ er seinen Gegner Adam Pattantyus in der Box warten, absolvierte in Ruhe die letzten Dehnübungen, ehe er im Eiltempo und in imponierender Manier den Punkt zum 3:0-Endstand holte.

"Das war vielleicht die turbulenteste Reise meines Lebens, nur vergleichbar mit der Rückreise von Peking 2010, als auf Island der Vulkan ausgebrochen war", meinte Ovtcharov. Am Tag danach trainierte der Olympia-Dritte mit Bundestrainer Jörg Roßkopf. "Das Gefühl ist nicht schlecht, die Kondition könnte aber besser sein", berichtete der Weltranglisten-Fünfte am Freitag.

Zahn-OP und Antibiotika

Noch am Mittwoch, als ihm die Fäden gezogen worden waren, hatte er Antibiotika genommen. Nun plant Roßkopf bis zum EM-Ende mit Ovtcharov als Stammspieler. "Wir müssen ja mit drei Mann antreten", sagte der Coach. "Insgesamt habe ich die Zahnoperation gut weggesteckt. Große Schmerzen hatte ich nicht", erläuterte Ovtcharov seine Verfassung.

Sein Kumpel Timo Boll, der bei all dem Wirbel die Ruhe weg hatte und das Europameister-Team souverän ins Viertelfinale führte, freute sich über das schnelle Comeback. "Dima ist ein Beißer. Er kann uns sicher helfen, Europameister zu werden", sagte der 33 Jahre alte Routinier.

Peter Hübner/DPA / DPA

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