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Olympia 2012: Tischtennis: Boll will seine erste Einzel-Medaille

Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf hat zwei heiße Eisen im Feuer. Top-Star Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zählen in London zu den Medaillen-Anwärtern. Ihr Vorteil: Erstmals dürfen bei Olympia nur zwei Chinesen starten.

Gegen einen Chinesen hat Timo Boll bei Olympia noch nie im Einzel verloren. "So weit bin ich gar nicht erst gekommen", stellte Deutschlands Tischtennis-Star mit einem Schmunzeln fest. In London, bei seinem vierten Anlauf, wünscht sich der 31 Jahre alte Ausnahmespieler ein Duell gegen einen Top-Spieler aus dem Reich der Mitte. Dazu kann es frühestens im Halbfinale kommen - und dann wäre die ersehnte Medaille für den WM-Dritten in Reichweite.

Olympisches Edelmetall im Einzel fehlt dem Rekord-Europameister in der umfangreichen Sammlung. Das Zeug dazu hat der Linkshänder mit den extrem guten Augen ohne Zweifel. "Timo besitzt ein begnadetes Talent", urteilte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Er hatte den Ehrgeiz seines Top-Stars im Mai vor der Heim-WM in Dortmund mit deutlichen Worten angestachelt. "Ich würde ihm als Ziel Olympia-Gold ausgeben." Dazu müsse Boll aber einige Sachen unterordnen.

Der kleine Rüffel saß. Boll führte das deutsche Herren-Team, das vor vier Jahren in Peking Olympia-Silber geholt hatte, ins Dortmunder WM-Finale gegen China. Dort war man beim 0:3 trotz des Heimvorteils aber ziemlich chancenlos. In London könnten sich beide Teams bereits im Halbfinale begegnen. Die Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) ist in der Setzliste hinter China, Südkorea und Japan auf Rang vier abgerutscht - auch weil Boll bei den Japan Open im Juni bereits in Runde zwei rausflog und viele Weltranglistenpunkte verlor.

"In London werde ich ein anderer Spieler sein als in Japan", betonte Boll. Der Weltranglisten-Siebte konzentriert sich anders als in Peking diesmal mehr auf die olympische Einzel-Konkurrenz - und das aus gutem Grund. Erstmals dürfen pro Land nur zwei Spieler aufschlagen. Eine Regeländerung, durch die die Dominanz der Chinesen gebrochen werden soll. Sie waren 2008 auf dem Siegerpodest unter sich.

Auch Bolls ehrgeiziger Teamkollege Dimitrij Ovtcharov ist auf das Einzel fokussiert. Der Weltranglisten-Zwölfte aus Hameln, der für den russischen Club Orenburg spielt, hat keine Angst vor Weltmeister Zhang Jike und dessen chinesischen Landsmann Wang Hao. "Dima kann genauso gut eine Medaille gewinnen wie Timo", erklärte Roßkopf. Zu den beiden Medaillen-Kandidaten stößt im Team-Wettkampf der deutsche Meister Bastian Steger (Saarbrücken) als Dritter im Bunde.

"Wir haben die Priorität nicht auf die Setzung gelegt, sondern auf eine konsequente und optimale Vorbereitung", sagte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Das trifft auch für die Damen zu. Die neue Bundestrainerin Jie Schöpp verpasste bei ihrem Debüt nur knapp eine WM-Medaille. In London ist das Team um Ex-Europameisterin Jiaduo Wu für eine Überraschung gut. "Wir wollen die erste Runde überstehen. Dann schauen wir weiter", sagte Schöpp.

Von Peter Hübner/ DPA / DPA

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