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Formel 1: Das schaffte zuletzt Schumi: Wie Italien die Ferrari-Renaissance feiert

Der Doppelsieg beim Großen Preis von Monaco lässt Italien wieder träumen: von Ferrari, von Vettel, vom ersten roten Fahrer-WM-Titel seit 2007. Die Presse überschlägt sich in Euphorie – und immer wieder fällt ein Name: Michael Schumacher.

Sebastian Vettel im Rausch der Gefühle. Nach seinem Monte-Carlo-Triumph meinte er: ""Es war unmöglich, nicht Gänsehaut zu bekommen."

Sebastian Vettel im Rausch der Gefühle. Nach seinem Monte-Carlo-Triumph meinte er: ""Es war unmöglich, nicht Gänsehaut zu bekommen."

Die großen italienischen Sportzeitungen kennen am Montag nur eine Farbe: rot. Rot, das ist das Trikot von Francesco Totti. Rot, das ist Ferrari. Während sich Totti, Ex-Nationalspieler und AS-Roma-Ikone, vom Arbeitsplatz Fußballrasen am Sonntag emotional verabschiedete, drehte Ferrari am Wochenende wieder so richtig auf. Beim Großen Preis von Monaco feierten Sebastian Vettel und Kimi Räikönnen einen Doppelsieg. Für Vettel war es der 45. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere, für Ferrari der erste Doppelerfolg seit Hockenheim 2010. In der Fahrerwertung liegt der Hesse nun 25 Punkte vor Verfolger Lewis Hamilton im Mercedes, in der Teamwertung beträgt Vorsprung 17 Punkte. Und die italienische Presse ist sich jetzt, 14 Rennen vor dem Saisonfinale, sicher: Vettel und Ferrari sind reif für den WM-Titel.

Für wäre es der fünfte Titel, für Ferrari der 16. – für das Team Vettel-Ferrari eine Premiere. Es wäre die Krönung einer Partnerschaft, die 2015 als Liaison begann, sich allerdings erst in dieser Saison als Verbindung mit Potenzial für deutlich mehr entpuppte. Vettel und Ferrari, das könnte die ganz große Liebe werden. Nach einer schwierigen Saison 2016, einem harten Winter und dem erlösenden Triumph beim Auftaktrennen in Melbourne meinte Vettel über sein Auto, das er liebevoll "Gina" getauft hatte: "Sie war fantastisch. Ich hoffe, das ist der Beginn einer ganz großen Love Story."

Vettels Hoffnungen sind begründet. Drei Siege, drei 2. Plätze: Die Rennsaison 2017 läuft ganz nach Plan. Mit dem Sieg im GP von Monaco sorgte er am Sonntag für den ersten Sieg beim Klassiker seit Triumph vor 16 Jahren. "Wir hatten so schwere Zeiten letztes Jahr, dieses Jahr scheint alles andersrum", schwärmte Vettel, der voller Emotionen sogar kurz in den inbrünstigen Gesang seiner Mechaniker zur italienischen Hymne eingestimmt hatte.

Italien nach Ferrari-Doppelschlag im Freudentaumel

Die italienische Presse reagiert auf den roten Doppelschlag mit Freudentaumel: "Ferrari steuert auf den WM-Titel zu. Maranello ist für den Titel reif", schreibt der "Corriere dello Sport". Italiens größte Sportzeitung, die "Gazzetta dello Sport", hievt Vettel und Räikkönnen auf die Titelseite, darüber prangt in fetten Lettern: "Potere rosso" – "Rote Macht". "Ferrari regiert nach 16 Jahren wieder in Monte Carlo." "Ferrari begeistert mit einem , der das Team beflügelt. Die Aussichten auf den WM-Titel sind konkret wie noch nie. Forza Ferrari", meint "Tuttosport".

Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen, der nach fast neun Jahren erstmals wieder von der Pole Position gestartet war, im Rennen allerdings "Seb" den Vortritt lassen musste, kann nur mit wenig Rückhalt von rechnen. "Ferrari ist einfach perfekt. Die Tifosi sind im Freudentaumel, auch wenn Räikkönen seine Enttäuschung für den verlorenen ersten Platz nicht verbergen kann. Doch der wahre Kapitän des Ferrari-Teams ist Vettel, der wieder einmal sein unglaubliches Talent beweist", schreibt der "Corriere della Sera". "Räikkönen hat weder das Charisma noch die Persönlichkeit, um sich gegen einen Beschluss zu wehren, von dem sein Teamkollege profitiert", urteilt "La Stampa" hart.

Stattdessen ziehen Medien lieber andere Parallelen – zu ihrer ersten großen Liebe: Michael Schumacher. "Die deutsche Hymne war 2001 zuletzt für Schumacher ertönt und wird jetzt für Vettel wieder gespielt. Vettel ist der einzige Protagonist in Monte Carlo. Er ist fabelhaft im Umgang mit den Rivalen", heißt es im "Corriere dello Sport". Und die "Gazzetta" meint gar: Vettel sei in sportlicher Hinsicht Schumachers Patenkind. "Die beiden verbindet ein roter Faden, der Vergangenheit und Gegenwart vereint. Es ist zum Gänsehaut-Kriegen."

pg/DPA

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