FORMEL 1 Der fünfte Titel - Schumi holt sich Fangios Rekord

Michael Schumacher aus Kerpen ist zum fünften Mal Formel-1-Weltmeister und hat damit die bisherige Rekordmarke von Juan Manuel Fangio eingestellt.

Mit dem schnellsten Titelgewinn aller Zeiten hat Michael Schumacher Formel-1-Geschichte geschrieben. Trotz eines Missgeschicks und einer Zeitstrafe krönte sich der Ferrari-Star am Sonntag beim Großen Preis von Frankreich vorzeitig zum fünften Mal zum Weltmeister. »Ich bin überwältigt«, sagte der Kerpener, der damit den Rekord des legendären Argentiniers Juan Manuel Fangio einstellte und als alter und neuer Motorsport-König zum Heimrennen in sieben Tagen nach Hockenheim kommt. Ein Überholmanöver vier Runden vor Schluss sicherte Schumacher in Magny-Cours den achten Saisonsieg vor den beiden Silberpfeil-Piloten Kimi Räikkönen und David Coulthard.

Titel-Hattrick

Schumacher hat 62 Punkte Vorsprung in der WM und ist in den ausstehenden sechs Rennen nicht mehr einzuholen. Gleichzeitig gelang dem Kerpener auch der Titel-Hattrick: 2000, 2001 und 2001 feierte er mit Ferrari, zuvor war er 1994 und '95 mit Benetton Weltmeister geworden. Mit der vorzeitigen Entscheidung im 11. von 17 Saisonrennen überholte Schumacher auch Nigel Mansell (11/16) in der Rangliste der »eiligsten« Titelgewinner.

Turbo-Titel

Nach 11 Rennen hat der 33-jährige Ferrari-Star 96 Punkte. Juan Pablo Montoya (34) ist Zweiter vor den punktgleichen Ralf Schumacher und Rubens Barrichello (32). Selbst wenn er von nun an immer ausfallen würde, ist dem 33-Jährigen der Turbo-Titel nicht mehr zu nehmen. Montoya wurde im Rennen Vierter vor seinem Williams-BMW- Kollegen Ralf Schumacher. Ferrari-Pilot Rubens Barrichello war am Vorstart stehen geblieben. Nach 72 Runden und 305,886 km auf dem »Circuit de Nevers« feierte Michael Schumacher seinen sechsten Frankreich-Sieg und den 61. Triumph seiner Karriere. Er ballte die Faust zum Jubeln und startete triumphierend auf seine verdiente Ehrenrunde.

Barrichello im Pech

Seit 17 Rennen ist Schumacher nicht mehr ausgefallen, damit stellte er den Rekord Niki Laudas von 1976 ein. Dafür erwischte es wieder einmal seinen Kollegen Barrichello knüppeldick: Am Vorstart blieb der Brasilianer wie schon vor zwei Wochen in Silverstone unfreiwillig stehen. Als das Feld losbrauste, war Barrichellos Auto noch auf dem Wagenheber aufgebockt. Offenbar wegen eines Elektronik- Problems war der Grand Prix für ihn schon zu Ende - und ein Konkurrent Schumachers im Titelkampf aus dem Rennen.

Boxenstopps waren entscheidend

Ein Anderer hingegen zog zunächst souverän vor dem Weltmeister seine Kreise. Montoya war von der Pole Position gestartet und behauptete die Führung vor dem designierten Weltmeister und Räikkönen. Ralf Schumacher folgte als Vierter. Die ersten Boxenstopps schienen dem Titelverteidiger den entscheidenden Vorteil zu bringen: Montoya tankte in der 25. Runde, Schumacher blieb zwei Runden länger draußen, machte Zeit gut und kehrte nach seinem eigenen Stopp knapp vor dem Kolumbianer auf die Strecke zurück.

Schumi musste Strafe absitzen

Doch Schumacher passierte ein Fehler: Er überfuhr regelwidrig die weiße Linie nach der Boxenausfahrt. Die Mechaniker in der Williams- BMW-Box jubelten, die Rennkommissare reagierten umgehend. Schumacher wurde eine »Durchfahr-Strafe« (drive through time penalty) aufgebrummt. Der 33-Jährige bog in der 35. Runde zum befohlenen Durchrollen der Box ab und reihte sich nachher als Dritter hinter Montoya und Räikkönen wieder ein, insgesamt hatte er 9,5 Sekunden verloren.

Räikkönen öffnete die WM-Tür

Seinem Bruder Ralf sowie David Coulthard unterlief später der gleiche Fehler, auch sie mussten zur Durchfahr-Strafe antreten. Michael Schumacher brachte den zweiten Stopp (49.) problemlos hinter sich, blieb aber hinter Räikkönen hängen. Montoya hatte nach seinem zweiten Halt (44.) den Anschluss verloren und rangierte hinter den beiden. Als Räikkönen schon wie der Sieger aussah, schlug der Weltmeister zu: Schumacher nutzte einen Verbremser des jungen Finnen und überholte ihn vier Runden vor Schluss.

Vertrag bis 2006

Schumacher kann mit Ferrari womöglich noch viele Titel holen. Sein Manager Willi Weber hat angekündigt, dass der Kerpener seinen bis 2004 laufenden Vertrag mit den Italienern vielleicht bis 2006 verlängert. Seit 1996 fährt »Schumi« für das Team. Er ist der dienstälteste Pilot in der Geschichte der »Scuderia«.

Zuvor hatte es in Magny-Cours heftige Turbulenzen um Heinz-Harald Frentzen gegeben. Der Mönchengladbacher, Gewinner von 1999, konnte nicht starten, weil er und sein Kollege Enrique Bernoldi sich am Samstag nicht qualifiziert hatten. Der Auftritt des hoch verschuldeten Arrows-Teams kam einer Farce gleich. Als Frentzen abgereist war, überraschte der Rennstall Jordan mit der Mitteilung, man wolle den 35-Jährigen im Grand Prix als Ersatz-Pilot aufbieten. Jordan hatte Frentzen vor einem Jahr entlassen. Der Mönchengladbacher lehnte das Angebot wegen »vertraglicher Hindernisse« ab.

Von Andrea Wimmer und Elmar Dreher, dpa


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