Formel 1 Der Nürburgring wird 80


Als der Nürburgring 1927 eingeweiht wurde, hat sicher noch niemand geahnt, welche Bedeutung der Rennstrecke einmal zukommen wird: Sie war Schauplatz von Triumphen und Siegen, von Niederlagen und Katastrophen. Und auch wirtschaftlich hat sie eine große Bedeutung.

Am 1. August 1976 schien die Zeit für den Nürburgring abgelaufen. Auf der legendären Nordschleife entging Niki Lauda bei seinem Feuer-Unfall wie durch ein Wunder dem Tod. Mit dem dreimaligen Formel-1-Weltmeister überlebte zwar auch der Mythos von der grünen Hölle. Doch seitdem macht die Formel 1 einen Bogen um die "schönste Strecke der Welt" (Nick Heidfeld), die nun ihren 80. Geburtstag feiert. Denn gefahren wird wie auch am 22. Juli auf dem Anfang der 80er Jahre modernisierten und für Rennen der Königsklasse verkürzten Ring.

Nur mit dem Motorsport kann der Ring nicht überleben

Am 18. Juni 1927 war nach rund zweijähriger Bauzeit die erste "Gebirgs-, Renn- und Prüfstrecke" eröffnet worden. Die Kosten betrugen rund 15 Millionen Reichsmark. Doch noch wusste kaum jemand etwas mit Streckenabschnitten wie Schwedenkreuz, Fuchsröhre, Kesselchen, Karussell oder Schwalbenschwanz anzufangen. Heute kennen auch die Hobby-Rennfahrer deren Tücken.

Denn vom Motorsport allein kann der Nürburgring nicht mehr leben. Die jeweiligen Zahlungen an Formel-1-Chef Bernie Ecclestone in zweistelliger Millionenhöhe haben für einen Kurswechsel gesorgt. Zusammen mit dem ebenfalls finanziell nicht auf Rosen gebetteten Hockenheimring wechselt sich die Eifelstrecke im Rennkalender der Formel 1 nun ab. Im 80. Jahr seines Bestehens macht der Nürburgring den Anfang. 2008 ist Pause.

Rock am Nürburgring

Durchgestartet wird auf der 20,8 Kilometer langen Nordschleife indes weiterhin jährlich beim 24-Stunden-Rennen, das in diesem Jahr mit der Wiederholung des Vorjahreserfolges durch das Olaf-Manthey-Team endete, oder auf dem 5,148 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs mit dem Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM). Abseits der Strecke hat vor allem das Festival Rock am Ring längst Kultstatus erreicht und lockt jährlich Hunderttausende in die Eifel.

Mit Hochdruck soll die Erlebnisregion Nürburgring weiter ausgebaut werden. Allein der Landkreis will in den kommenden Jahren 30 Millionen Euro investieren. 160.000 zusätzliche Übernachtungen und eine halbe Million Besucher mehr versprechen sich die Verantwortlichen davon. Die Gesamtkosten für das Projekt, das als zweites Standbein dienen soll, belaufen sich auf 150 Millionen Euro.

Die Tradition zählt

Dass die Formel 1 für die Existenz des Nürburgrings unverzichtbar ist, weiß auch Landrat Jürgen Pföhler. Grund zur Sorge sieht Geschäftsführer Walter Kafitz diesbezüglich aber noch nicht, obwohl der Vertrag mit Ecclestone 2009 ausläuft und die internationale Konkurrenz wie Valencia, Singapur und Abu Dhabi sowie Indien, die neu hinzukommen, groß ist. "So lange es finanziell möglich ist, wird es immer Formel 1 in Deutschland geben, egal, wo noch gefahren wird."

Kafitz setzt dabei aber vor allem auf den eigenen Mythos. "Ich hoffe, dass nicht nur das Geld zählt, sondern auch die Tradition." Und die nahm auf dem Nürburgring im Eiltempo Gestalt an. Nachdem in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs die Rennstrecke von den vorrückenden Panzern der Alliierten stark beschädigt worden war, fiel für das erste Nachkriegsrennen bereits am 17. August 1947 der Startschuss mit dem "Eifel-Pokal-Rennen".

1951 war es dann soweit: Die Formel 1 gastierte in der Eifel. Es gewann der Italiener Alberto Ascari in einem Ferrari. Drei Jahre später sorgten 400.000 Besucher beim Großen Preis von Europa für eine glänzende Kulisse für die Deutschland-Premiere der neuen Mercedes-Silberpfeile und den Sieg des erst von Michael Schumacher abgelösten einstigen Rekord-Weltmeisters Juan Manuel Fangio (Argentinien).

Abwendung nach dem Lauda-Unfall

Nach dem Feuer-Unfall von Lauda wendete sich die Formel 1 vom Nürburgring ab. Erst nachdem die neue, damals 4,542 Kilometer lange Strecke am 12. Mai 1984 eröffnet wurde, kehrte die "Königsklasse" zurück an den Ring, wo der fünfmalige Nürburgring-Gewinner Schumacher vor dem diesjährigen Grand Prix das Schumacher-S einweihen wird.

Insgesamt wird die Formel 1 zum 38. Mal in der Eifel Station machen. BMW-Sauber-Pilot Heidfeld wird sich dann auch wieder an seine Fahrt kürzlich über die Nordschleife erinnern - es war der erste Formel-1-Wagen in der "grünen Hölle" (Jackie Stewart) seit 31 Jahren. "Unglaublich. Ich hatte es mir schon vorher schön vorgestellt. Aber es war noch besser, als ich es erwartet hatte. Diesen Tag werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen."


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