HOME

Formel 1: Die Premiere in Indien begeistert die Fahrer

Das erste Rennen in Indien begeisterte Fans, Fahrer und die Teams. Vor allem die Piloten schwärmten vom neuen Kurs und werden gerne wiederkommen. Ob Adrian Sutil dann noch im Force India sitzen wird, soll sich schnell klären.

Bei der Premiere in Indien blieb das klischeehaft erwartete Chaos aus, die Formel 1 ist von ihrer jüngsten Eroberung begeistert: Indien hat voller Stolz ein gelungenes Grand-Prix-Debüt gefeiert. Anders als bei den pannenreichen Commonwealth Games im vergangenen Jahr lief beim ersten Formel 1-Rennen auf indischem Boden fast alles rund. "Es ist perfekt, ich bin tief beeindruckt", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Auch der erste Indien-Sieger Sebastian Vettel genoss die Tage auf dem Subkontinent sichtlich. "Die Begeisterung der Leute ist großartig", erklärte der Red Bull-Pilot. Die Formel 1 ist sich sicher: Indien hat Potenzial - ganz anders als die Rennen in der Türkei, Südkorea oder Bahrain. "Ich bin ganz sicher, dass Indien zu den ganz, ganz wichtigen Grand Prix der Zukunft wird", sagte Haug stellvertretend für viele.

"Die Fahrer lieben die Strecke"

Im Vorfeld hatte es zahlreiche Bedenken gegeben, richtige Probleme gab es jedoch nicht. Nur beim Freitagstraining störten ein paar streunende Hunde, doch auch dies blieb eine Episode am Rand. "Viele Menschen waren skeptisch, wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen. Die Fahrer lieben die Strecke, sie ist komplett, sie ist fertig. Das Rennen findet statt, es ist real, ein Traum wird wahr", sagte Sahara-Force-India-Teamchef Vijay Mallya.

Mallya selbst möchte die Besetzung seiner beiden Cockpits für die kommende Saison nun doch forcieren. "Wir haben Druck gemacht. Vor Abu Dhabi wird es eine Entscheidung geben, die wir nach dem Rennen verkünden werden", sagte der Manager von Adrian Sutil, Manfred Zimmermann.

Mallya hatte bislang stets betont, erst nach der Saison erklären zu wollen, wer 2012 für sein Team fährt. Nun kündigte Mallya aber eine Kehrtwende an. "Ich bin gebeten worden, früher zu entscheiden. Das werde ich respektieren", sagte der Milliardär. Zuletzt gab es wiederholt Gerüchte, Sutil solle durch Testfahrer Nico Hülkenberg ersetzt werde. Der zweite Stammpilot Paul di Resta gilt als gesetzt.

Es geht nicht um Sponsorengelder

"Es ist definitiv noch keine Entscheidung gefallen", dementierte Zimmermann entsprechende Spekulationen. Trotz der guten Leistung Sutils mit dem neunten Platz und zwei Punkten fürs Team beim ersten Heimrennen lobte Mallya vor allem Hülkenberg in den höchsten Tönen. "Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Die Tatsache, dass er Williams im vergangenen Jahr zur Pole Position verholfen hat, sagt doch alles", sagte Mallya.

Hülkenberg selbst setzt voll auf die Karte Sahara Force India. "Ich stehe mit keinem anderen Team in Kontakt", sagte er am Rande des Rennens. "Die Hoffnungen sind groß, ich habe gezeigt, dass ich es kann." Eine schnelle Entscheidung Mallyas sei auch in seinem Interesse. Am Ende der Vorsaison war Hülkenberg bei Williams zugunsten von Pastor Maldonado ausgebootet worden, weil der Venezolaner offensichtlich mehr Sponsorengelder mitbrachte.

Mallya betonte, dass er nicht auf Sponsoren von Fahrern angewiesen sei. "Wir wollen auf keinen Fall einen Fahrersitz verkaufen", versicherte der Inder. Sutil zeigte sich zuletzt zunehmend genervt von den Diskussionen. "Ich hoffe, dass ich bald was weiß", sagte der Gräfelfinger. Im Falle einer Ausbootung beim indischen Team bliebe ihm wohl nur die Option Williams. Neben den aktuellen Fahrern Rubens Barrichello und Maldonado ist dort allerdings auch der ehemalige Weltmeister Kimi Räikkönen für 2012 im Gespräch.

Die Armut kann nicht ausgeblendet werden

Ansonsten sorgte der Achterbahn-Kurs aus der Feder des Architekten Hermann Tilke für wahre Begeisterungsstürme bei den Piloten. "Sie haben einen tollen Job gemacht. Bei anderen neuen Strecken hat es immer hier und da ein bisschen was gegeben", sagte Vettel. Nico Rosberg sprach gar von einer neuen Lieblingspiste: "Sao Paulo ist auch eine tolle Strecke, aber die hier ist großartig."

Das Rennen verlief dank des Eifers der Gastgeber störungsfrei und begeisterte auch die Stars am Streckenrand. "Wir mögen den Lärm, wir machen selbst viel Lärm. Ich denke, das wird ein Riesenerfolg hier", sagte Bollywood-Ikone Shah Rukh Khan dem TV-Sender RTL. Anders als zuletzt in Südkorea waren auch die Tribünen gut besetzt.

So blieb nur die Frage zurück, ob es bei allem wirtschaftlichen Aufschwung im ehemaligen Entwicklungsland richtig war, (jetzt schon) in Indien zu fahren. Smog, Staub in der Luft und vor allem bittere Armut überraschte die Piloten. Timo Glock (Marussia Virgin) sprach als Einziger aus, dass es möglicherweise besser gewesen wäre, "erst in fünf Jahren hierherzukommen". Haug widersprach. "Jetzt, wo ich das sehe, hat es noch mehr Bedeutung", sagte der Schwabe. Die Formel 1 könne ein Motor für das Land sein.

"Wie viele Menschen hier dran verdient haben, ist doch toll", sagte Rosberg. Diese Sichtweise wurde indes schnell als etwas naiv entlarvt. In nahezu allen Teamgaragen nisteten sich die bettelarmen Bauarbeiter der Rennstrecke mitsamt ihrer Familien ein, um wenigstens für begrenzte Zeit ein Dach über dem Kopf zu haben.

Bei aller Armut schlossen die Inder das neue Event sofort in ihr Herz. Voller Stolz strömten die Zuschauer zur Strecke. Besonders Sutil bekam dies zu spüren. Wann immer die Boliden des Rennstalls auf die Strecke fuhren, rasten die indischen Fans vor Begeisterung. "Das ist unglaublich. Es scheint, als sei dieser Kurs Teil unseres Teams. Wir alle sind so stolz für die indischen Nationalfarben weiß, grün und orange zu fahren", sagte Sutil.

sportal.de / sportal

Wissenscommunity